Meu fado (6)

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Ben lehnte sich an den Holzrahmen der offenen Terrassenfester des Reaturants, sog an der Zigarette und sah lächelnd dem Rauch nach, der langsam die enge Straße hinabgeweht wurde. Drinnen war es warm gewesen und er genoss nach dem Essen die frische Luft hier draußen. Aus der Kneipe schräg gegenüber drang Musik und er erkannte ‚Fado do Cansaço‘.
„Hast Du auch eine für mich?“
Fiona grinste ihn an. Überrascht hob er erst seine Brauen, dann kramte er die Packung heraus und schüttelte eine Zigarette raus, die sie mit spitzen Fingern griff und zwischen ihre Lippen steckte. Bevor er sein Feuerzeug herausangeln konnte, griff sie kurz in seinen Nacken, zog seinen Kopf zu sich, bis die Glut seiner Zigarette die Spitze ihrer berührte. Dann leuchtete die Glut auf und ihre Hand glitt von seinem Hals, wischte über sein Revers und Brust imaginäre Ascheflocken weg. Erst jetzt schaute er auf, noch leicht benommen von dieser unerwarteten Berührung.
„Danke.“ Ihr Blick war jetzt eher amüsiert. Ihre Hand lag noch immer auf seiner Brust und er spürte ihre Wärme durch den dünnen Stoff.
„Danke wofür?“
„Es war ein wunderbarer Abend.“
„War?“
„Die zweite Flasche Casal hat mir den Rest gegeben.“ Sie grinste ihn an. „Bei jedem anderen hätte ich gewettet, dass er mich mit Absicht abfüllen wollte.“
„Und bei mir nicht?“
Sie zog an der Zigarette, spitzte die Lippen und blies Ben den Rauch ins Gesicht. Erst als sie danach ihre Hand hob und grinsend mit ihrem Zeigefinger vor seiner Nase fuchtelte, fiel Ben auf, dass sie die ganze Zeit auf seiner Brust gelegen hatte.
„Von der zweiten Flasche hatte ich nur zwei Gläser. Oder waren es drei?“
Ben fühlte einen Kloß in seinem Hals, räusperte sich und setzte ein Grinsen auf.
„Das Essen war ja auch verdammt scharf.“
„Was man so unter ‚scharf‘ versteht…, Ben?!“ Wieder dieser Blick. Dann hob sie fragend ihre Brauen.
„Hättest Du Lust, noch im Club zu tanzen?“
„Irgendwie ahnte ich, dass sowas kommen würde.“ Ben kannte Fionas Lieblingsorte. „Und außerdem wäre es das erste Mal, dass ich nach einem Abend mit Dir keinen Muskelkater hätte.“
„Du armer, grummeliger, alter Mann.“ Sie streckte ihre schlanke Hand aus, strahlte ihn an und lachte dabei. „Komm. Ein bisschen Spaß wird uns beiden gut tun.“
Ben schnippte die Zigarette auf die Straße, stieß sich von dem Holzrahmen ab und ergriff ihre Hand. Fiona lachte noch immer, drehte sich in seinen Arm und hielt dabei seine Hand fest, wie bei einer Tanzfigur.
„Du musst aufpassen … auf mich, Ben. Ich bin beschwipst … und das Pflaster hier ist sehr glatt. Gehen wir?“
„Hm. Wenn wir sofort gehen, sollten wir rennen.“ Ben wies mit dem Kinn zum hohen Panoramafenster des Restaurants, hinter dem der indische Kellner vielsagend mit dem Zeigefinger auf die Handfläche tippte. „Offenbar hat er bereits Deine Handtasche am Tisch gefilzt und festgestellt, dass Dein Bares nicht für die Zeche reicht. Aber vielleicht kann er ja Deine alten Schuhe in der Tasche verhökern.“
„Oh. Verdammt!“ Sie blickte an sich herunter auf die Schuhe, die sie einige Straßen weiter gekauft und gleich anbehalten hatte. „In den Pömps kann ich nicht rennen.“
„Warte hier.“ Ben löste sich aus Fionas Arm. „Kannst Du das?“
„Ai! Steh wie ´ne Eins! Beweg mich kein Stück!“

Als Ben aus dem Restaurant trat, hatte sich Fiona einer vorüberziehenden Truppe junger Männer angeschlossen, die ihr anzügliche Komplimente machten. Sie stand da, lachend, warf ihren Kopf zur Seite und versuchte das Haar zu bändigen, das von der Abendbriese erfasst wurde und erklärte offenbar den Jungs, dass gerade ihr Begleiter käme. Ben sah, wie er gemustert wurde.
„Sortudo!“ Einer der jungen Kerle tippte grüßend an den Kopf. Ben nickte zurück. ‚Wieso Glückspilz?‘ dachte er. Dann blickte er wieder zu Fiona, die jetzt alleine am langen Treppenabsatz stand. Ihr leichtes Sommerkleid bauschte sich im Wind und das Licht einer tiefer gelegenen Laterne zeichnete den Schattenriss ihrer kleinen, runden Brüste auf den Stoff, die Linie ihrer Schenkel. Ben wurde erst klar, als Fiona ihm lachend zuwinkte, dass er vollkommen versunken in diesem Anblick erneut stehen geblieben war.
„Du sahst gerade so aus, als hättest Du mich den Jungs überlassen wollen.“ Feixend blinzelte sie Ben an.
„Tatsächlich? Großer Irrtum. Immerhin habe ich bereits ein Essen in den Abend investiert. Und schleppe Schuhkartons.“ Ben das, was Fiona Handtasche nannte in die Höhe. „Und Seesäcke. Sag mal, was für Edelmetall schmuggelst Du da eigentlich drin?“
„Gib‘ mir sofort meine Tasche, Du neugieriger Banause!“ Ihre Hände grapschten nach den Schulterriemen. Die plötzliche Bewegung ließ sie gegen Bens Brust torkeln. „Huh!“ hörte er unter seinem Kinn. „Vielleicht solltest Du doch lieber noch die anderen Tüten tragen?!“
Sie rappelte sich hoch, schwang die Tasche über die Schulter und hakte sich bei Ben unter. Dabei sah sie ihn von der Seite an, versuchte ein charmantes Lächeln.
„Mein Gentleman!“
„Der Gentleman schupst Dich gleich die Treppe runter.“ Ben lachte. „Wie kann man überhaupt solche Schuhe anziehen, wenn man im Barrio Alto ausgehen will.“
„Als Frau muss man eben Risiken eingehen, wenn man beachtet werden will.“
„15 cm Risiko pur sich den Hals zu brechen.“ Misstrauisch äugte er auf ihre Füße, die die Stufen runter zur Baixa hinabtapsten.
„Das verstehst Du nicht. Du bist eben keine Frau.“
„Wenn ich eine Frau wäre…“ Ben machte eine dramatische Pause um Fiona auf den nächsten Absatz zu führen.
„Was wäre, wenn Du eine Frau wärst?“ Erwartungsvoll blickte sie zu ihm. Also fuhr er fort.
„Wenn ich eine Frau wäre…, säße ich die ganze Zeit in einer Ecke und würde mit meinen Brüsten spielen.“
„Was? Waaaas?“ Fionas Lachen hallte von den Häusefronten zurück und sie musste sich an Bens Arm festhalten. Als sie wieder Luft bekam, stand sie grinsend da.
„Eigentlich keine schlechte Idee.“ Sagte es und fasste sich an den Busen. „Hmmm! Hat was. Auch mal?“
„Gern. Aber erst nachdem Du den Herrn hinter Dir vorbeigelassen hast. Er scheint es aber nicht eilig zu haben.“ Ben genoss Fionas Ausdruck, als sie sich überrascht zu dem kleinen, etwas untersetzten und sehr interessiert wirkenden Mann umdrehte, die Hände noch immer an ihren sichtbar erregten Nippeln.

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