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Das Haus des Schreckens

von Jacqueline_K

Ich hatte schon eine ganze Zeit am Strand gesessen, da viel mir ein junger Mann auf, der schräg vor mir auch auf das Meer hinaus schaute. Hinter ihm steckte ein merkwürdiges, sehr langes Surfbrett im Sand. Ich will nicht behaupten, dass ich viel Ahnung vom Surfen habe, aber dieses schien komplett aus Holz zu sein. Ich kannte bisher nur Kunststoff. Wie ihr wisst, bin ich sehr neugierig. Weshalb ich dann auch auf stand und zu ihm herüberging.

Er bemerkte mich erst nicht, weil zwischen ihm und seinem Board gute zwei Meter Platz waren. Aber als ich mit meinem Finger über die Einlegearbeiten fuhr, die einen chinesischen Drachen darstellten, sah er meinen Schatten.

„Das ist mein Board“, sagte er kurz.
„Ein wirklich sehr schönes Board“, nickte ich. „So etwas habe ich noch nie gesehen.“
„Ich habe es selbst gebaut“ sagte der Mann.
„Wirklich? Du bist sehr gut.“
„Das kann ich noch nicht behaupten“, sagte der Mann. „Ich habe es noch nicht getestet.“
„Und warum tust du es dann nicht?“
„Es sind noch nicht die perfekten Wellen zu sehen.“ Er schaute weiter aufs Meer.

Ich setzte mich neben ihn und sah auch hinaus aufs Wasser. Welle um Welle brach sich vor uns an den Strand und ich konnte nicht erkennen, wann oder ob eine Welle besser oder schlechter als die Welle davor war. Nach einiger Zeit brach ich wieder das Schweigen.

„Ich bin Jac“, sagte ich.
„Hallo Jac“, antwortet der Mann. „Ich bin Sam.“
„Ist Surfen eigentlich schwer?“, fragte ich nun und lenkte ihn vom Meer ab. Er musterte mich von oben bis unten und sagte dann: „Wenn du dich auf einem Longboard halten kannst, dann ist ein Woodboard easy. Die beiden folgen dem gleichen Prinzip.“
„Langes gleiten?“, fragte ich vorsichtig, weil von Skateboards hatte ich auch keine Ahnung. Mit einem Snowboard war ich schon einmal gefahren, aber nur in einer Skihalle. „Also wartest du auf lange Abstände zwischen den Wellen?“

Jetzt schaute er mich beeindruckt an: „Du hast recht Jac.“ Und dann etwas danach, als er seine Aufmerksamkeit wieder auf dem Meer hatte, fragte er; „was führt dich zum Bullenstrand?“
„Ich bin auf der Flucht und der Name klang beruhigend. So nach schwerem großen Beschützertyp.
„Vor wem flüchtet denn so eine schöne Frau wie du?“
„Vor dem Butler. Ist es nicht immer der Butler?“

Wir mussten beide lachen.

„Ist er der Mörder und du das Opfer?“
„Im Prinzip ist das so, aber es wird meine Freiheit ermordet, Land und Leute kennen zu lernen. Zum Beispiel einen gut aussehenden Surfer, der mit seinem selbst gebauten Brett auf die perfekte Welle wartet.“
„Und das wäre wirklich schade“, sagte Sam. „Möchtest du mit raus? Ich hab noch ein zweites Board im Auto.“
„Ich kann nicht surfen und einen Anzug habe ich auch nicht.“
„Das mit dem Anzug brauchst du hier nicht. Dieser Strandabschnitt ist sehr warm und hat kein Riff. Und weil die Wellen meist eher klein sind, ist dieser Abschnitt auch nicht so beliebt. Und dann wären da noch die Bullen, die halten auch viele ab.“

Ich wusste zwar nicht, warum ausgerechnet Rindviecher, von denen ich im Übrigen noch keine gesehen hatte, für ein Surfer ein Problem darstellen sollten. Die könnte ich problemlos beherrschen, man durfte sie halt nur nicht reißen.

„Okay“, sagte ich. „Ich komm mit raus.“ Schnell saß ich ohne Kleid nur im Slip neben ihm.
„Lässt du immer so schnell deine Hüllen fallen?“

Ich schaute ihn an und lächelte und noch etwas mehr, als ich seine Reaktion in der Hose sah.

„Nur mit den richtigen Argumenten“, sagte ich. „Muss ich mit dem Board Trockenübungen machen?“
„Die nützen nichts“, erklärte Sam. „Das einzige, was wichtig ist, Füße einbehalten und mit den Armen das Gewicht verlagern. Und wenn man das Gefühl für die Wellen bekommen hat, dann kann man übers Aufstehen nachdenken. Ich hol das Board.“

Wenig später stand ich neben einem ebenso großen Board wie Sams im knietiefen Wasser. Ich hatte gedacht, es wäre, weil es ja aus Holz war, schwer, aber es war federleicht. Er zeigte mir, wie ich mich drauflegen sollte, wo ich meine Hände an die Kante legen und wie ich mein Gewicht darauf stemmen sollte, um in die Kurve zu lenken. Und dann waren wir auch schon auf dem Wasser.

Wir waren so weit draußen, dass man vom Land nur noch die Spitzen der Bäume sah. Rechts war ein Leuchtturm, der auf eine Landzunge hinwies. Es war toll hier draußen. Man hatte das Gefühl von kompletten allein sein.

„Ist das schön“, sagte ich.
„Die Ruhe vor dem Sturm“, sagte Sam. „Und genug Platz, um genau vor der Welle Anlauf zu nehmen.“

Er paddelte jetzt neben mich und schob mein Brett in die richtige Richtung.

„Wir werden für den Anfang erst mal nur eine Welle zu reiten. Werde noch nicht übermütig. Fahr nur leichten Slalom auf der Welle. Versuch sie noch nicht entlang zu reiten. Sei unbedingt senkrecht zur Welle, wenn sie bricht.“

Ich nickte bei der Erklärung und schaute skeptisch in das Auf und Ab der Wellen. Wir waren durch einen Abschnitt rausgepaddelt, wo sich zwei Wellenfronten gegenseitig brachen und so viele kleine Wellen schufen. An dieser Stelle schaukelten wir fast einen Meter hoch und runter. Das war wirklich eine andere Hausnummer, als es noch vom Strand aus aussah.

„Wir sollten dringend wieder zurück“, sagte nun Sam.
„Warum“, fragte ich.
„Du bist zwar leicht braun, wie ich sehe, aber wenn wir weiter hierbleiben, könntest du später auch als gekochter Hummer durchgehen.“

Daran hatte ich gar nicht gedacht, als ich mich so freizügig in die Wellen geworfen hatte.

„Ich sage dir, wenn du losmusst und dann solltest du solange alles geben, bis du merkst, dass du auf der Welle liegst.“
„Okay.“

Ich legte mich aufs Board und wartete gespannt auf seinen Start. Er blickte zur Seite und schien auf etwas zu warten. Dann rief er: „Go, go, go!“ und schubste mich mit dem Board nach vorne. Ich kraulte, was meine Arme hergaben. Ich war eine gute Schwimmerin, doch hier war mir das Brett im Weg und ich hatte das Gefühl, ich breche mir einen Zeh, als ich den Beinschlag auf dem Brett ausführte. Trotzdem kraulte ich weiter und spürte, wie das Board hinten angehoben wurde.

„Nicht zu weit nach oben kommen, nicht die Welle unter dir durchrollen lassen.“

Es gelang. Ich spürte, wie ich in den Slide kam, wie das Board den Hang der Welle herunter glitt und ich schneller wurde. Ich klammerte mich an den Rand. Ich spürte den Wind in meinem Gesicht, auf meiner nackten Haut. Ich merkte, wie das Board begann zu springen, wie ein Snowboard bei einer Schussfahrt.

Ich kantete daher etwas und sofort schnitt sich das Board in die Wellen und ich hatte das Gefühl, noch schneller zu werden. Ich bekam instinktiv Angst und drehte wieder zurück, bis ich zu andere Seite schwenkte. Ich fragte mich, wo Sam war, traute mich aber nicht, meine Aufmerksamkeit von dem Wellental vor mir abzulenken. Vor mir wurden die ersten Wellen weiß und verwandelten sich in Gischt. Grade ziehen, hatte Sam gesagt und ich richtete mich danach. Über den Schaum der Wellen glitt ich langsam auf das Ufer zu, bis ich mir sicher war, dass ich stehen konnte.

Ich rollte mich vom Brett und ergriff es, bevor es zurück ins Meer gezogen wurde. Ich ging ein paar Schritte und ließ mich dann in den Sand fallen, um Atem zu finden. Das war echt ein abgefahrener Ritt. So was Tolles hatte ich noch nie gemacht. Okay, ich hatte noch nicht gestanden, das würde auch noch etwas dauern, aber ich war auf einer Welle gesurft.

Ein Schatten legte sich über mich und eine besorgte Stimme fragte: „Jac, ist alles in Ordnung?“
„War das ein geiler Ritt. Besser als Sex.“
„Ich weiß nicht, aber das war schon ziemlich gut, was du da gemacht hast. Aber wenn das schon besser als Sex war, möchte ich nicht wissen, an welche Loser du bisher geraten bist.“
Ich richtete mich auf. „Willst du mein Lehrer sein?“
„In Sachen Sex?“
„Meinet wegen auch das, ich meine eher das Surfen.“
„Es wäre mir eine Freude, aber für heute ist erst mal Schluss. Ich habe einen Bullen gesehen und mit denen ist nicht zu spaßen. Geh ich recht in der Annahme, dass du nicht weißt, wo du schlafen wirst?“
„Da ist vollkommen richtig, der Herr. Ich werde wohl unter dem Surfbrett nächtigen.“
„Das kann ich auf keinen Fall zulassen. Vor allem weil ich dieses Brett mit nach Hause nehmen werde. Du bist herzlich eingeladen, mein Bett, mein Kühlschrank und meine Dusche mit zu benutzen.“
„In der Reihenfolge?“
„In jeder Reihenfolge, die du wünschst.“

Ich grinste und stand auf. Ich packte mein Surfbrett und meine Kleider und ging mit ihm zu seinem Pick-up, der auf einem Sandparkplatz hinter den Dünen stand. Von frei laufenden Kühen sah ich weiter weit und breit nichts. Ich war in der Schweiz über Almen mit Kühen gelaufen und konnte mir echt nicht vorstellen, was daran gefährlich war. Oder meine Kenntnisse des australischen Slangs waren zu begrenzt und The Bulls war etwas vollkommen anderes.

Im Endeffekt war es egal, ich sass wieder in meinem Kleid in seinem Pick-up und fuhren zu einer einsamen Hütte mitten in den lichten Uferwäldern. Wenn es jemand anderes als Sam gewesen wäre, ich wäre an der Bruchbude nicht ausgestiegen, weil ich an eine Mädchenfalle dachte:

„Hier draußen wird dich niemand schreien hören.“

Mein Unterbewusstsein legte auch prompt diese Grabesstimme auf.

Aber wenn man auf die Details achtete und sich ins Gedächtnis rief, dass Sam Surfbretter aus Holz baute, dann war der Anblick einer Axt auf einem Holzklotz, eine rostige Machete an der Wand und dieser Metallspachtel mit der rotbraunen Flüssigkeit, in der sich die Fliegen verfingen, kein Ergebnis von eine Mädchenmordenden Killer, sondern schlicht und einfach Werkzeug.

Trotzdem fragte ich ihn jetzt: „Sag mal, wie viele Frauen sind bisher beim Anblick deines Hauses schreiend weggelaufen?“

Er sah mich an.

„Wie kommst du jetzt darauf? „
„So wie das hier aussieht.“
„Was ist denn verkehrt? Und ja, ich bekomme äußerst selten Damenbesuch. In allen Fällen sind es Kundinnen. Potenzielle Freundinnen haben mich hier noch nicht gefunden.“
„Und das heißt genau?“
„Ich habe keine Freundin. Immer wenn ich jemanden kennenlerne, dann ist alles gut. Ich
mache ein oder zwei Dates. Oder auch mal in eine Disco, aber wenn ich dann sage, wo ich wohne, dann sind die sehr schnell weg. Hier will einfach keiner raus fahren.“

Ich musste über seine Naivität einfach nur lachen und weil er jetzt noch verwirrter schaute, küsste ich ihn und stieg aus.

„Kommst du oder muss ich mir den Weg alleine suchen?“

Tatsächlich war seine Werkstatt von chaotischer Aufgeräumtheit geprägt und man musste an nach Blut gefüllten Töpfen aussehenden Harztiegeln, Bandsägen und einem Tisch, der große Ähnlichkeiten mit einer Streckbank hatte, vorbei, um die Tür zu seinem Haus zu finden. Ich musste so grinsen. Und dann stand ich in seinem Haus, ein selbst gebauter Traum aus Designermöbeln, Holzkunst und einer vierzig Meter langen Glasfront mit dem Blick aufs Meer. Er wohnte in einem absoluten Traum.

„Meine Güte, ist das schön hier. Sam. Du hast hier ein Juwel erschaffen.“
„Eines, in dem niemand anders als ich sein will, scheinbar.“

Ich drehte mich um und küsste ihn. Es war ein langer und ehrliche Kuss, der weder bei ihm noch bei mir folgenlos blieb. In einer Atempause streifte ich sein Hemd über seinen Kopf. Mein Kleid folgte dem zügig. Ich schaute mich um und entdeckte sein Bett, wo ich ihn dann hinzog und ihn drauf warf. Langsam, wie eine Katze stieg ich über ihn und küsste ihn, meine Haare umrahmten unsere Gesichter.
Seine Finger irrten über meinen Rücken, als wüssten sie nicht, ob sie weiter machen dürften. Ich half ihm, in dem ich meine Küsse unterbrach und seinen kleinen Freund entließ. Und damit er Zugang hatte, ließ ich auch meinen Slip am Boden.
Sanft drang er durch meine Lippen, als ich mich auf ihm nieder ließ. Seine Hände umfassten meine Hüfte und bremste sein Eindringen. Er hob mich an und fuhr nun in einem steten und gleichmäßig ansteigendem Tempo von unten in mich. Ich musste nichts tuen. Ich konnte auch bald nichts mehr machen, außer mich stöhnend hin und her zu winden.
Als ich dann kam und er bald danach auch, war es einfach nur geil.

„Mein erster Sex in Down Under“, sagte ich.
„Wie lang bist du schon hier?“
„Etwas über einen Monat.“
„Wo warst du?“
„In einem Golden Käfig.“

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