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Die Burg Teil 6 von 9

Teil 6

„Conlin!“, sagte ich ein wenig aufgeregt, „könne sie mir einmal erklären, was ich hier wirklich soll?“

Er sah mich seltsam an und meinte nur: „Ihr wurdet dafür angestellt, um die Schäden an der Burg zu auszubessern!“

Jetzt fühlte ich mich wirklich, um es einmal deutlich zu sagen, verarscht. Ich kniff meine Auge ein wenig zusammen und meinte zu ihm: „Ich war eben auf dem Friedhof und raten sie mal, welcher Name mir immer wieder begegnet ist?“

„Hmmm“, meinte er nur trocken, „Eurer?“ und sah mich dabei an, als wenn es ihm Spaß machte, nicht mehr zu sagen, als er müsste.

„Ja, meiner“, meinte ich. „Ist es nicht seltsam, dass ich hier bin und mein Name hier immer wieder auftaucht? Ich fand ihn auf den Gräbern und noch gestern meinte ein Mädchen, was ich im Wald getroffen habe, dass ich als ein von Maiden ihr Herr wäre!“

Als ich das sagte, hob Conlin seine Augenbrauen fast unmerklich an und man konnte ihm ansehen, dass er davon keine Ahnung hatte. Bei allem anderen war ich davon überzeugt, dass er mehr wusste.

„Und was ist mit der Frau, die ich gerade oben auf zwischen den Zinnen des Bergfrieds gesehen habe? Die Frau Gräfin war es nicht, dass weiß ich genau. Habt ihr die Falltür repariert und wenn ja, wer war sie?

Soll ich mit meinen Fragen weitermachen oder reicht das jetzt?“

Conlin sah mich abwartend von unten an, ohne sich zu rühren.

„Macht nur weiter, ich höre mir auch gerne noch weitere Fragen an.“

Das meinte er doch wohl nicht im Ernst. Er saß da mit einer störrischen Ruhe und man konnte in seinem Gesicht förmlich lesen, dass es ihn ein wenig amüsierte.

„Gut Conlin, was ist mir der Burg, die nicht weit von hier weg liegt? Warum zeigt das Bild in der Gaststätte immer den Istzustand der Burg? Warum sehe ich seltsame Bilder, wenn ich in der Ruine der anderen Burg bin? Warum werde ich mit Gold bezahlt? Warum ist der Name in der ersten Grabplatte entfernt worden?“

Hier hielt ich an, um tief Luft zu holen. Dabei wusste ich nicht einmal, ob ich jetzt wirklich alle Fragen gestellt hatte, die sich in mir angestaut hatten. Doch wenn ich mir noch einmal alles durch den Kopf gehen ließ, würde mir sicher noch mehr einfallen. Die nächtlichen Begegnungen in der Gastwirtschaft ließ ich allerdings wissentlich aus. Ich fand, dass sie hier nicht hingehörten.

Conlin sah mich an und seine Mundwinkel zogen sie ein wenig nach oben.

„Junger Herr, ich könnte ihnen sicher etwas dazu erklären, aber nicht alles. Ich würde euch vorschlagen euch mit diesen Fragen an die Frau Gräfin zu wenden. Sie wird euch sicher Antworten geben können.“

Dann senkte er seinen Kopf und las wie selbstverständlich in seinem Buch weiter.

„Wann?“, fragte ich Conlin und in meiner Stimme war so etwas wie Verärgerung zu hören. Es regte mich mehr als auf, dass ich mit meinen Fragen einfach stehen gelassen wurde.

„Wenn es soweit ist und die Frau Gräfin euch dazu empfängt!“

Bei dieser Antwort hob Conlin nicht einmal seinen Kopf und ich fühlte mich, als wenn man mich auf ein Abstellgleis geführt hätte.

Ich stand noch einen Moment vor seinen Tisch und konnte es einfach nicht glauben.

Dann hob er doch noch einmal seinen Kopf und meinte nur trocken: „Kann ich noch irgendwas für euch tun oder habt ihr nichts zu tun?“

In diesem Moment hätte ich ihm am liebsten den Kopf abgerissen. Ich drehte mich mehr als verärgert um und stampfte aus dem Raum an die frische Luft.

Conlin sah mir nur lächelnd nach und schaute dann wieder in sein Buch. Ohne es zu ahnen, hatte ich ihm Antworten auf seine Fragen gegeben, die er nicht gestellt hatte. Ich hingegen stand da und musste erst einmal tief einatmen. Aus Frust ging ich zum Bergfried und versuchte noch einmal die Luke zu öffnen. Vergebens, sie rührte sich nicht um einen Millimeter nach oben. Es war zum Verzweifeln. Wie hatte es die unbekannte Frau geschafft, dort hinaufzukommen. Eine so lange Leiter hatte ich nicht gesehen, um von außen hinauf zu kommen und wenn doch, wozu hätte sie es machen sollen? Es machte keinen Sinn.

Gefrustet, wie ich war, ging ich schnellen Schrittes in die Werkstatt, schnappte mir alles, was ich braucht, und war wenig später wieder auf der Wehrmauer. Hier waren noch einige Zinnen zu verarzten und ich machte mich mit Eifer daran, diese fertigzustellen. Morgen wollte ich dann zu Lorentz dem Dachdecker und Zimmermann gehen. Für die Zinnen würde ich nicht mehr lange brauchen und ich wollte mit dem einsturzgefährdeten Gebäude anfragen, bevor es von alleine in sich zusammenkrachte. So konnte man noch viel retten und es würde nicht so lange dauern.

Mir graute es nur davor, noch einmal zu Conlin zu gehen, denn ich hatte ihn vergessen, wegen Lorentz zu fragen. Ich wollte mir schon die Erlaubnis vorher holen.

Gegen Abend war ich dann mit weiteren vier Zinnen fertig und mein Frust hatte sich mehr oder weniger verflüchtigt. Es war auf alle Fälle besser Conlin in dieser Gemütslage noch einmal zu treffen. Immerhin hielt es mich fast sicher davon ab, ihn zu erwürgen. Bei dem Gedanken musste ich dann doch in mich hinein grinsen.

Conlin war damit einverstanden, da er einsah, dass ich kein Universalgenie war, wie ich ihm es andeutete.

„Ihr könnt Lorentz gerne fragen, mal sehen, ob ihr es schafft, ihn hier heraufzubringen. Viel Glück dabei!“

Als wenn ich es geahnt hätte. Conlin brachte mich mit dieser Antwort wieder zur Raserei. Er machte nur Andeutungen, ließ sich aber nicht darüber aus, was damit gemeint war.

Ich glaube, wir werden keine guten Freunde!

Wieder im Gasthaus angekommen, sah ich zuerst auf das Bild und war nicht verwundert, dass meine wieder aufgebauten Zinnen sich ebenfalls geändert hatten. Dann entdeckte ich aber, dass die Fenster hell beleuchtet waren. Sofort stürzte ich aus dem Gasthaus und sah zur Burg hoch.

Tatsächlich waren diese jetzt auch erhellt wie auf dem Bild. Aber ehrlich gesagt hatte ich inzwischen keine Lust mehr, mir darüber Gedanken zu machen. Jetzt sah ich es mit eigenen Augen und nahm es hin. Ich fragte mich nur, ob es die Frau im roten Kleid war, die dort Licht gemacht hatte. Wie immer sie das auch machte. Dann ging ich ins Gasthaus zurück.

Hier nahm ich nur sehr wenig zu mir, obwohl es gut wie immer schmeckte. Ich war einfach zu müde und auch zugleich verärgert über Conlin. Dieses Gefühl ließ sich einfach nicht abstellen und war nicht dafür gemacht, den Appetit anzuregen.

Später fiel ich einfach ins Bett und wache erst auf, als es schon wieder hell war. Da ich mir inzwischen recht sicher war, dass ich eigentlich nicht wegen der Burg selber hier war, machte es nach meiner Meinung auch nichts aus, etwas später hinaufzugehen.

Heute wollte ich zu Lorentz. Nach verzehrtem Frühstück stiefelte ich in die Richtung, die man mir angegeben hatte.

Ich fand die Brücke und erkannte sogleich das windschiefe Haus auf der linken Seite.

Schon ein seltsames Domizil für jemanden, der es eigentlich besser wissen müsste. Als Zimmermann und Dachdecker ein solches Haus zu besitzen war nicht gerade Werbung für seine Arbeitsleistung.

Vor dem Haus, auf einer Bank, saß ein älter aussehender Mann mit grauem Rauschebart der gerade dabei war sich eine Pfeife zu stopfen. Er schien es sich in der Sonne die gerade schien gemütlich zu machen.

„Sind sie Lorenz der Zimmermann?“, fragte ich und sah ihn dabei freundlich an.

„Wer will das Wissen?“, kam zurück und er sah mich ebenfalls mit wachen Augen an.

„Mein Name ist Jens von Maiden. Ich suche den Zimmermann Lorentz, weil ich ihn ein Geschäft vorschlagen möchte!“

„Was für ein Geschäft?“, kam von ihm zurück, ohne meine Frage zu beantworten.

„Auf der Burg muss ein Dach repariert oder abgetragen werden. Ich bin im Moment dort angestellt, um mich um den Rest zu kümmern. Von Dächern habe ich aber keine Ahnung!“

„Und was sagt der alte, knarzige Vogel Conlin dazu und die Gräfin? Sagt bloß die alte Schachtel, hat dazu ja gesagt. Wenn ja, dann müsst ihr mir mal erzählen, wie ihr die beiden dazu rumbekommen habt. Es grenzt an ein Wunder.

Ach ja, ich bin Lorentz. Wollt ihr ein Pfeifchen mit mir schmauchen? Menschen in Eile sind mir zuwider und ihr seht so aus, als wenn ihr nur auf dem Sprung hier seid.“

Bis vor wenigen Monaten hatte ich Zigaretten geraucht und mir einmal in einem Anfall von Wahnsinn eine Pfeife gekauft. Das zahlte sich jetzt aus, denn ich war mir sicher, dass wenn wir eine Pfeife zusammennahmen, dann würde ich mich mit Lorentz besser verstehen.

Ich willigte ein, und während ich auf ihn zuging, rief er in Richtung Eingang: „Barbel, bring meine Pfeifen ich habe besuch.“

Zwei Minuten später kam eine kleine, rundliche Frau aus dem Haus und hielt einen Beutel in der Hand.

„Ja, so ist es richtig. Die Herren hocken in der Sonne und lassen es sich gut gehen, während noch so viel Arbeit wartet!“, sagte sie, sah uns aber nicht unfreundlich dabei an.

„Barbel, das ist Jens von Maiden. Er repariert das alte Gemäuer auf dem Berg. Ich soll ihm dabei helfen. Was meinst du, ob das eine gute Arbeit ist?“

Sie sah mich interessiert an und schien schnell und gründlich zu überlegen.

„Frau Gräfin zahlt sicher nicht schlecht. Warum nicht, dann sitzt du wenigstens nicht so nutzlos hier herum und stellst deine Füße unter den Tisch!“

Mit diesen Worten reichte sie Lorentz den Beutel, drehte sich um und verschwand wieder im Haus.

„Lass die Frauen entscheiden und du hast Ruhe im Haus. Ein altes Rezept meiner Familie!“, dabei sah er mich verschmitzt an und reichte mir eine seiner Pfeifen aus dem Beutel. Dazu bekam ich ein neues Mundstück und einen kleinen Beutel mit würzig riechendem Tabak.

Schon wenig später saßen wir beide schweigend vor dem Haus und kleine blauweiße Wölkchen kamen immer wieder zwischen unseren Lippen hervor.

Es war aber auch zu herrlich hier zusitzen und es sich einfach nur gut gehen zu lassen. So konnte man es wirklich aushalten. Einfach nur dasitzen und an nichts denken.

Erst als der Tabak in unseren Pfeifen zur Neige ging, setzte Lorentz ab uns fragte mich: „Wann soll es los gehen?“

„Wahrscheinlich schon morgen, wenn es nicht zu früh ist!“, antwortete ich und beobachtete sein Gesicht dabei.

„Dann bis morgen. Es wäre nicht schlecht, wenn ihr mich abholen würdet, dann muss ich meine Werkzeuge nicht alleine hinaufschleppen!“

Ich nickte nur und gab ihm die Pfeife wieder.

„Behaltet sie. Wir werden sicher noch öfter, oben auf der Burg, einen Zug nehmen. Arbeit ist Arbeit, Pause ist Pause. Wer zu schnell arbeitet, macht Fehler!“

Ich steckte die Pfeife ein und stand auf. Dann nickte ich Lorentz noch einmal zu und ging langsam Richtung Burg. Lorentz schien eine Seele von Mensch zu sein und irgendwie freute ich mich schon darauf, mit ihm zusammenzuarbeiten.

Schlendernd kam ich an der Burg an und in dem Moment, als ich an dem Tor klingel wollte, kam mir Conlin entgegen.

„Gut, dass ihr gerade kommt!“, meinte er, „ich muss den Tag über weg und so trifft es sich gut, denn später wärt ihr nicht mehr hineingekommen. Frau Gräfin erwartet euch heute Nachmittag um drei Uhr in der Kemenate im ersten Stock.“

Ich sah Conlin fragend an, und als er es sah, meinte er nur.

„Erster Stock, zweite Tür von rechts. Sie würde sich sehr darüber freuen euch pünktlich dort zu sehen.“

Als er dann sah, dass ich nickte, wandte er sich sofort ab und ging schnellen Schrittes Richtung Dorf. Ich hingegen ging in die Burg und freute mich schon darauf, die Gräfin ein weiteres Mal zu sehen. Vielleicht bekam ich ja jetzt ein paar Antworten auf meine Fragen.

Zuerst ging ich in die Werkstatt und nahm mir vor, die Arbeiten auf der Wehrmauer zu beenden, denn wenn wir morgen mit dem Gebäude anfingen, wollte ich es fertig haben.

Schon wenig später war ich auf der Mauer angekommen und stürzte mich in die Arbeit, wobei ich immer wieder auf meine Armbanduhr schaute, um meinen Termin bei Frau Gräfin nicht zu verpassen. Das wollte ich auf keinem Fall.

Etwa eine halbe Stunde vor dem Termin machte ich Schluss und begab mich in die Werkstatt um mich selber wieder ein wenig herzurichten. Dann schlenderte ich langsam in Richtung Haupthaus, hatte aber noch zehn Minuten Zeit. Also richtete ich meine Schritte in Richtung Rittersaal, um ihn mir noch genauer anzusehen.

Ich sah mir die Waffen genauer an, die an den Wänden hinten und meinte an ihnen Gebrauchsspuren zu entdecken. Hier und da waren tiefe Kratzer an den Schäften der Hellebarden zu erkennen, genauso waren an den Schwertern Scharten in den Schneiden. Sie waren also benutzt worden und nicht nur reine Zierwaffen, wie sie so oft in irgendwelchen Wohnzimmern hingen. Zumindest sah es nicht so aus, als wenn die Beschädigungen künstlich und nachträglich angebracht worden wären.

Dann ging ich zum abgedeckten Spiegel. Wieder hob ich die Decke hoch, die über diesem großen Gegenstand hing. Was ich sah, war mein Spiegelbild. Etwas anderes hatte ich auch nicht erwartet. Ein Grund, warum er allerdings verhängt war, konnte ich nicht erkennen. Der vergoldete Rahmen wäre für den Raum zwar etwas zu protzig gewesen, aber sonst konnte ich nichts entdecken, warum er abgehängt war. Keine Beschädigung war zu erkennen.

Mit diesen Gedanken deckte ich ihn wieder zu und stellte fest, dass es Zeit war, Frau Gräfin mit meiner Gegenwart zu beehren.

Also schritt ich nach oben, ging zur zweiten Tür von rechts und klopfte Erste einmal an, da ich dachte, dass es ich so gehörte.

„Kommt herein!“, hörte ich leise an meine Ohren dringen und ich drückte die schwere Klinke herunter, um die Tür zu öffnen.

Im Raum war es recht dunkel, da schwere Brokatvorhänge vor den Fenstern kaum Licht hineinließen. Dafür brannte in einem Kamin ein Feuer, was schon recht heruntergebrannt war. Die Flammen fanden kaum noch Nahrung und so war es mehr ein Glühen als ein Brennen.

Vor diesem Kamin standen zwei hochlehnige Stühle, bei denen man nicht direkt sehen konnte, ob sich jemand darauf befand. Das einzige Zeichen dafür waren aber die Arme und hier besonders die Hände von Frau Gräfin, die auf den Armlehnen lagen. Sie saß mir abgewandt in einem der Stühle und hob nun einen Arm und winkte mich heran. Zwischen den Stühlen stand ein niedriger Tisch mit zwei Gläsern und einer Kristallkaraffe, in der eine blutrote Flüssigkeit zu erkenne, war.

„Hättet ihr die Güte noch etwas Feuerholz aufzulegen. Mir fröstelt es ein wenig!“

Neben dem Kamin stand ein großer geflochtener Korb, in dem dicke Scheite Holz lagen. Also ging ich zu dem Korb, nahm drei Scheite daraus und legte sie so vorsichtig wie möglich auf die Glut. Trotzdem stoben viele kleine Funken auf und verglühten entweder beim Aufsteigen oder verschwanden im Abzug des Kamins. Dann drehte ich mich erst zu ihr um und war wir immer sofort von ihr fasziniert.

Sie trug wie immer ein langes, sehr dunkles, fast schwarzes Kleid, was seiden glänzte. Dieses war aber nicht bis zum Hals geschlossen, sondern mit einem V-Ausschnitt versehen. Dieser Ausschnitt ließ ihr Dekolleté fast weiß leuchten. Dazu hatte sie dieses Mal ein ebenfalls dunkles, nur etwa drei Zentimeter breites Halsband um ihren Schwanenhals gewunden. Die langen Ärmel endeten in weißen Rüschen und das Kleid kurz oberhalb der Schuhe, die auf einem kleinen Hocker standen.

Ich betrachtete sie nur kurz, bemerkte aber, dass sie mich nicht ansah, sondern das Feuer hinter mir betrachtete.

„Setzt euch!“, sagte sie, wieder ohne mich anzusehen.

Wenig später saß ich in dem anderen Sessel.

„Mir wurde gesagt, dass ihr einige Fragen habt, wobei es euch wahrscheinlich am meisten interessiert, warum ihr eigentlich hier seid?“

Ich nickte und wusste dabei genau, dass sie es im Augenwinkel gesehen hatte.

„Nehmt euch ruhig von dem Wein. Er ist etwas schwer, aber er erfreut den Gaumen.“

Dann machte sie eine weitere Pause und wartete solange, bis ich mir ein Glas voll eingeschenkt hatte. Dieses setzte ich an meine Lippen an und trank ein erstes kleines Schlückchen.

Er war wirklich schwer, aber zugleich auch sehr aromatisch und passte irgendwie zu der Situation.

„Ich glaube, ich werde etwas weiter ausholen müssen, um euch alles zu erklären. Vielleicht wird der heutige Tag nicht für die Erklärung ausreichen, aber es wird euch zumindest einen kleinen Einblick verschaffen und eure Neugierde ein wenig befriedigen.

Auf der einen Seite seid ihr natürlich auch hier, um die Burg in den alten Zustand zu versetzten. Doch wie ihr sicher schon festgestellt habt, ist das nicht alles, nicht der Hauptgrund.

Wie ihr schon festgestellt habt, gibt es eine weitere Burg, die nicht weit von hier weg steht, aber nur noch in Trümmern vorhanden ist. Sie gehörte einmal einer anderen Ritterfamilie, die den Namen von Maiden trug. Lange Zeit waren die von Maiden und meine Familie stark miteinander verbunden. Zusammen bildeten wir in dieser Gegend eine Macht, die kein anderer Fürst weit und breit anzugreifen wagte. Wer eine der beiden Familien bedrohte, bekam es immer zugleich auch mit der anderen zu tun. Da die Gebietsansprüche der jeweiligen Familie entgegen der Richtung der anderen waren, kamen wir uns in dieser Frage nicht ins Gehege. So verlief unsere Kooperation Jahrhunderte lang in Frieden und Harmonie.

Dies endete urplötzlich im Jahre des Herrn 1349. Die Pest überrollte das Land und es gab nur zwei Möglichkeiten etwas dagegen zu tun. Flucht oder Verschanzen. Etwas anderes blieb nicht übrig.

Die Menschen wussten nicht, was da auf sie zukam, aber es konnte nicht von dieser Welt sein. Während sich unsere Familien in ihren Burgen verkrochen und niemanden mehr hinein ließen, suchte man sein Heil im Glauben. Man betete und versuchte so das Unheil von einem abzuwenden. Während meine Familie von der Pest verschont wurde, war es auf der Burg der von Maiden anders.

Der Burgherr selber hatte eine Geliebte in einem ihrer Dörfer. Er war ihr so verfallen, dass er sich des nachts durch einen Geheimgang davon stahl und sich in das inzwischen verseuchte Dorf begab. Er wollte seine Geliebte retten und nahm sie mit auf die Burg. Diese war aber inzwischen infiziert und zwei Tage später brach die Seuche auf der Burg aus.

Aus einem unerklärlichen Grund befiel die Seuche aber den Burgherren selber nicht. Er musste mit ansehen, wie unter seinen Augen einer nach dem anderen auf der Burg dahingerafft wurde.

Er konnte es einfach nicht verstehen, sah es als Strafe Gottes an und fragte sich, womit er dies verdient hätte. Er hatte sich nichts vorzuwerfen, hatte nichts Unrechtes getan aber trotzdem wurde er so gestraft. Sein Gemüt verdunkelte sich immer weiter und er kehrte sich von seinem Glaube ab.

Er suchte und fand in Satan seinen neuen Verbündeten. Als diese geschah, starb keiner mehr auf der Burg an der Pest, was wohl eher daran lag, dass die wenigen übrigen immun gegen den Virus waren. Aber da er es nicht besser wusste, schrieb es diesen Erfolg dem Teufel zu. Auch die wenigen anderen Überlebenden waren davon überzeugt und so entwickelte sich langsam eine Gemeinschaft des Satans. Dies blieb eine lange Zeit verborgen, aber es machten Gerüchte die Runde. Besonders als immer mehr Fremde ankamen, die zur Burg wollten. Sie waren andernorts geflüchtet, aber nicht wegen der Pest, sondern vor der christlichen Verfolgung. So wurde nicht nur die Burg, sondern auch das dazugehörende Dorf geradezu eine Pilgerstädte anders glaubender. Dies konnte dann nicht mehr verborgen bleiben. Immer mehr Augen richteten sich in die Richtung der Burg und nur wenige waren freundlich gesinnt.

Auch wenn unsere beiden Familien eine lange Freundschaft verband, konnten wir die Familie von Maiden nicht davon überzeugen, dem Satansglauben abzuschwören. Im Gegenteil. Sie feindeten sich an. Es kam so weit, dass im Burghof eine große Götzenfigur des Satans aufgestellt wurde, um die allnächtlich schwarze Rituale vollzogen wurden. Selbst vor Menschenopfern machte man nicht halt.

So zerbrach der Zweierbund unserer Familien und wir wurden wieder angreifbar.

Die Kirchen konnte so etwas nicht dulden und sie setzte sowohl die umliegenden Ritter und Fürsten sowie meine Familie unter Druck, etwas dagegen zu unternehmen.

Was das hieß, war klar. Bekehren ließen sich die Menschen auf der Burg nicht mehr. Selbst wenn sie ihren Glauben abgeschworen hätten, wären sie nicht mehr mit dem Leben davon gekommen.

Eine Streitmacht wurde aufgestellt und schon wenig später wurde die Burg belagert. Es war nicht nötig sie zu stürmen, denn man hatte Zeit, denn die Versorgung der Soldaten war gesichert, da sie alle aus der Umgebung kamen.

Woche um Woche zog es sich hin und langsam aber sichergingen den Menschen in der Burg die Lebensmittel aus. Schon bald hungerten sie und es begann eine schreckliche Zeit. Man hörte laute Schreie aus der Burg, konnte sich aber nur in etwa vorstellen, was darin vor sich ging.

Eines Tages ging einmal das Burgtor auf und Dorlein, die Tochter des Burgherrn kam alleine heraus. Sie war hoch schwanger und kurz vor der Niederkunft. Darum bat sie um das Leben ihres Kindes.

Keiner mochte sich an ihr vergreifen und so wurde sie auf unsere Burg gebracht. Man hielt sie im Angstloch des Bergfrieds gefangen. Sie würde noch so lange leben, bis sie ihr Kind geboren hatte. So war das Gesetz.

Die Belagerung dauerte jetzt nicht mehr lange. Der Hunger schwächte die Menschen immer mehr die in der Burganlage ausharrten. Nächtens versuchten es einige zu fliehen, wurde aber bei dem Versuch in Stücke gehauen.

So dauerte es nur noch wenige Tage, dass der Befehl zum Sturm auf die Burg erteilt wurde.

Es gab keine mehr ernst zu nehmende Verteidigung der Burg. Nur zwei Stunden später brach das Tor und man machte nieder, der sich den Angreifern in den Weg stelle. Der Burgherr selber und der klägliche Rest seiner Familie stand währenddessen um die Statue herum und hielten sich an den Händen fest. Sie hatten ihre Augen geschlossen und sangen ein Lied zum Lob auf den Satan.

Sie wurden gefangen genommen und hier auf die Burg gebracht. Der Prozess war kurz und schon einen Tag später standen sie auf eilig zusammengetragenen Scheiterhaufen.

Als man den Haufen des Burgherrn anzündete, sah er die Anwesenden meiner Familie an, und bevor er von dem Feuer erfasst wurde, stieß er einen Fluch aus.

Meine Familie sollte nicht sterben können, sollte auf dieser Welt verbleiben, bis einer seiner Nachkommen mit meiner Familie Frieden schloss. Dies würde aber nur dann geschehen, wenn unser Blut miteinander verschmelzen würde. Erst dann würden wir Erlösung finden. Dies müsste zweimal bezeugt werden. Einmal durch ihn selber und einmal vor den beiden Familien zusammen.

Dann erreichten ihn die Flammen und er wurde, während er ein schreckliches Lied anstimmte, als Letzter der Gefangenen von den Flammen verschlungen. Man hat seine Asche allerdings nicht in alle Winde verstreut wie üblich, sondern in einem Grab bestattet.

Dies war ein Schock für die Umstehenden aber man tat es als eine letzte Verzweiflungstat ab.

Während noch alle vor der Burg diesem Schauspiel beiwohnten, spielte sich im Inneren des Bergfrieds etwas anderes ab. Obwohl Dorlein von Maiden eigentlich keine Chance hatte, aus dem Angstloch zu entkommen, hatte man eine Wache abgestellt, falls Dorlein etwas brauchte.

Eine Antwort auf die Frage, wie sie es schaffte, haben wir niemals erhalten, aber die Wache schaffte eine Leiter heran, so dass sie aus dem Angstloch entkommen konnte. Doch sie war im Burgfried gefangen, denn in dem Augenblick, als sie aus diesem Flüchten wollte, kamen die anderen zurück.

Sofort verrammelte sie die Tür und flüchtete mit der Wache zusammen weiter nach oben.

Die Tür zum Bergfried leistete lange widerstand, dafür war sie gebaut worden, aber trotzdem gab sie irgendwann nach.

Weiter ging die Verfolgung und endete erst vor der letzten Falltür des obersten Raumes. Hier konnten die Verfolger tun, was sie wollten, es gelang ihnen nicht, die Tür zu öffnen.

Ob sie sowohl für die Überredung der Wache Magie benutzt hatte, wusste man nicht, denn sie war eine auffallen schöne Frau, der man auch so verfallen konnte. Bei der Falltür war man sich aber sicher, dass es nicht mit rechten Dingen zugehen konnte.

Aber auch hier war es wie mit der Burg. Man musste nur warten. Also stellte man diesmal mehrere Wachen ab. Man ging davon aus, dass sie nicht alle auf einmal beeinflusst werden konnten.

Zwei Tage später hörte man aus der Kammer das brüllen eines kleinen Kindes. Sie hatte es selber ohne Hilfe in der Kammer geboren.

Doch auch jetzt konnte die Falltür nicht geöffnet werden.

Stattdessen wickelte Dorlein das Kind in ein Tuch ein und ließ es mithilfe eines Seils den Bergfried herab.

Bis heute konnte man die Falltür nicht öffnen und man sah und hörte danach niemals mehr etwas von Dorlein.

Das Kind wurde ins Haupthaus gebracht und dort versorgt, doch zwei Tage später, tief in der Nacht wurde es der schlafenden Amme entrissen und diese mit einem gezielten Stich ins Herz getötet. Danach hat man niemals mehr etwas von dem Kind gehört, noch den Mörder gefunden.“

Erst hier machte die Gräfin eine kleine Pause, goss sich selber ein Glas Rotwein ein und nahm einen kleinen Schluck von dem dunklen Getränk.

„Hatte Dorlein lange schwarze Haare und ein blutrotes, langes Kleid an, als man sie hierher brachte?“, durchbrach ich die Stille, die sich um uns gelegte hatte.

Die Gräfin sah mich das erste Mal richtig an und unsere Blicke trafen sich, blieben einen Moment lang ineinander versunken.

„Dann habt ihr sie gesehen!“, sagte sie und ich nickte zur Bestätigung, obwohl es gar keine Frage gewesen war, sondern eine Feststellung.

„Wenn ich es also richtig sehe!“, meinte ich uns sah ihr dabei immer noch in die fast schwarzen Augen, „dann ist Dorlein von Maiden meine Vorfahrin?““

Die Gräfin nickte einmal langsam, ohne ihren Blick abzuwenden.

Langsam klärte sich, was ich zu wissen verlangte. Es ergab einfach einen Sinn. Immerhin war dies eine logische Kette.

„Wir mussten sehr lange nach euch suchen!“, meinte die Gräfin auf einmal und wandte ihren Blick ab. „Conlin hat sehr lange darüber nachgeforscht, ob es noch einen Nachfahren von Dorleins Kind gab. Er bekam heraus, dass es immer einen männlichen Nachkommen gab. Dies ließ sich allerdings nur sehr schwer verfolgen. Die folgenden Kriege, insbesondere der Dreißigjährige zerstörten viele Unterlagen. Trotzdem forschte er weiter verlor aber im achtzehnten Jahrhundert die Spur. Wir wussten nur in etwa, in welcher Gegend wir suchen mussten. Es war der reine Zufall, dass wir einen Steinmetz suchten und ihr euch darauf gemeldet hattet. Euer Name war es, welcher uns auf euch aufmerksam machte. Wir wussten nicht genau, ob ihr der Richtige wart, doch es war ein Versuch wert.

Conlin ist davon überzeugt und auch ich bin es, denn was ihr gerade gesagt habt, kann kein anderer gesehen haben, als einer aus eurer Familie.“

Ich nahm einen weiteren Schluck aus meinem Glas und ließ ihn langsam durch meinen Hals rinnen. Auch wenn ich es während der Erzählung von Frau Gräfin schon geahnt hatte, war es doch noch so etwas wie ein Schock für mich. Immerhin hatte nicht jeder eine Vorfahrin von sich gesehen, die aus dem 14. Jahrhundert stammte.

„Dann ist also der Name, der auf dem letzten Grabstein auf dem Friedhof entfernt wurde, der des letzten Burgherrn von Maiden gewesen?“

Die Gräfin nickte in weiteres Mal, ohne etwas zu sagen.

Plötzlich beschlich mich ein seltsames Gefühl. Etwas stimmte an der Geschichte nicht, zumindest glaubte ich das. Diese Geschichte hatte einen Haken.

Als mir die Gräfin die Bilder ihrer Vorfahren erklärt hatte, waren wir bis zu Bess von Hochfeldz gekommen die eine Schwester von ihrer Vorfahrin gewesen sein sollte. Also stammte Genefe von Hochfeldz die neben mir saß letztendlich von der Schwester ab. Wenn es aber nach dem Fluch keine Nachkommen mehr gegeben hatte, was war dann mit Frau Gräfin. Woher kam sie dann?

Ich sah sie mir unauffällig von der Seite aus an. Sie saß da wie immer. Fast stocksteif und mit geradem Rücken. Sie starrte wieder ins Feuer und ich meinte zu sehen, wie sie in eine Weite schaute, die ich nicht sehen konnte.

„Worüber denkt ihr nach?“, fragte sie auf einmal.

„Über alles und nichts. Es gibt noch so viele Fragen, die ich hätte, aber eine brennt mir auf der Zunge!“

„Ich weiß!“, sagte sie und drehte ihren Kopf wieder in meine Richtung. Ihre schwarzen Augen trafen auf die meinen und ich ertrank fast in ihnen, so unergründlich tief schienen sie zu sein.

„Ja, ich bin die letzte Nachfahrin meiner Familie. Juliana von Hochfeldz, die Schwester von Bess, von der es kein Bild gibt, ist meine Mutter gewesen. Es war kein Brand, der die anderen Bilder zerstört hat. Es gibt keine Weiteren. Bitte entschuldigt diese Lüge von mir.“

Ich hatte es in den letzten Minuten geahnt, aber nicht glauben wollen. Es konnte einfach nicht sein und unter anderen Umständen hätte ich es sofort als eine weitere Lüge abgetan. Doch war mir in den letzten Tagen so viel passiert, dass ich es einfach glauben musste. Es konnten nicht alles Trugbilder gewesen sein, selbst ein überlanger Traum war zu so etwas nicht fähig. Daher glaubte ich auch nicht daran, aufzuwachen und alles wäre vorbei.

Gedanken rasten durch mein Gehirn und ich wusste nicht genau, ob ich jetzt verrückt war oder nicht. Wenn man grob rechnete, dann musste Genefe von Hochfeldz über sechshundert Jahre alt sein und das musste ich erst einmal verdauen. Für dieses Alter hatte sie sich erstaunlich gut gehalten.

Sie schien zu ahnen, was gerade durch meinen Kopf ging, denn sie nickte ein weiteres Mal und ich meinte so etwas wie eine tiefe Traurigkeit oder Sehnsucht, in ihren Augen zu lesen.

Erst jetzt wurde mir auch noch etwas ganz anderes bewusst. Ich war der Letzte aus der Familie von Maiden, sie wiederum die letzte aus der Familie von Hochfeldz. Hatte der Fluch nicht etwas von miteinander verschmelzen zu tun gehabt.

Ich wurde auf einmal verlegen. Immerhin war das schon etwas bizarr. Statt darüber weiter nachzudenken, fragte ich lieber nach etwas anderem.

„Dann können sie mir sicher auch sagen, wer Brid war?“

Die Gräfin sah mich auf einmal mit einem ganz anderen Blick an, als wenn sie aus einem Traum erwacht war.

„Wen meint ihr?“, fragte die Gräfin und ich konnte genau erkennen, dass sie wirklich nicht wusste, wen ich meinte.

„Ich traf sie, als ich in den Ruinen der Burg der von Maidens war. Sie hatte Pilze gesammelt und wir haben uns eine Weile lang unterhalten!“

Gut, unterhalten war etwas untertrieben, aber geredet hatten wir immerhin auch.

Das Gesicht der Gräfin hellte sich auf einmal auf. Ein Lächeln ging über ihre Lippen uns sie sah belustigt aus.

„Brid, eine junge Frau mit langen, gelockten, haselnussfarbenen Haaren?“ , fragte sie mich und ich nickte.

Sie lachte einmal kurz auf, wurde dann aber wieder vollkommen ernst.

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