Sex Geschichten wie diese? :
ekelhaftin Ordnunggutsehr gutIch habe viel Freude (No Ratings Yet)

EIN NEUER START INS LEBEN 5

„Mein Name? Chantal. Oder Monika. Oder Tina. Je nachdem, wie ich gelaunt bin. Geboren wurde ich als Katharina Gängersheim am 11. September 1970 in Berlin. Dort wuchs ich auch auf. Und dort habe ich auch gelernt, was man mit Männern anstellt, was sie wollen und wie man das bekommt, was wirklich wichtig ist: Ihr Geld. Mit 15 gaben meine Eltern mich in ein Heim, sie wurden nicht mehr mit mir fertig, vor allem meine Mutter. Ich hatte zu der Zeit mit so ungefähr 50 Männern geschlafen, darunter waren auch einige, von denen ich Geld oder Schmuck genommen habe. Geliebt habe ich keinen von ihnen.
Entjungfert wurde ich bereits mit 14. Ich war frühreif und habe meine Eltern oft beobachtet, wie sie es miteinander getrieben haben. Es war übrigens mein Stiefvater, meine Mutter wurde geschieden, als mein leiblicher Vater sie mal mit meinem Stiefvater erwischte. Wenn ich alleine zu Hause war habe ich mir auch immer die Pornos angesehen, die meine Eltern sammelten. Ich hab stundenlang vor dem Fernseher gesessen und habe mit Zeitlupe und Standbild alles genau mitbekommen. Durch meine Spannerei wusste ich, was man als Frau zu tun hat, und habe, als ich es endlich wissen wollte, meinen Stiefvater verführt. Ich war alleine mit ihm, meine Mutter hatte Nachtschicht im Krankenhaus. Ich lauerte an der Wohnzimmertür, weil ich wusste, dass mein Stiefvater sich einen Porno reinzog und dabei wichste. Als er anfing zu stöhnen bin ich rein. Ich hatte ihn den ganzen Abend schon provoziert, bin nur im Höschen und BH durch die Wohnung gelaufen. Damit habe ich ihn so geil gemacht, dass er gar nicht anders konnte, als sich einen runterzuholen. Als ich vor ihm stand, da war er fast soweit. Er wusste nicht, wohin mit seinem steifen Schwanz, seine Hand lag noch auf ihm, und es war zu spät, um aufzuhören, er fing an zu spritzen. Ich habe mich nicht lumpen lassen und habe die Hand weggeschoben und das spritzende Organ in den Mund genommen, seine Soße geschluckt. Als er zu Ende gespritzt habe, da hab ich einfach weitergelutscht, bis er wieder stand, dann einfach mein Höschen runtergezogen und mich über den Wohnzimmertisch gebeugt. Als ich ihn fragte, worauf er denn noch wartete, da schluckt er und stotterte, ich wär doch seine Tochter. „Quark, nur die Stieftochter.“ Als ich dann meine Schamlippen mit einer Hand auseinander zog und den Kitzler massierte, da war es endgültig mit seiner Beherrschung vorbei. Er stellte sich hinter mich und fickte drauflos. Er glitt ohne Probleme in mich, so nass war meine Muschi. Vor dem Moment hatte ich Angst gehabt. Aber es tat nicht besonders weh. Ich hatte sogar einen Orgasmus, er spritzte dann auch ab. War nicht mal so übel, das erste mal. Ich glaube, mein Jungfernhäutchen habe ich mir wohl mit der Kerze, die ich mit 11 das erste mal mit ins Bett genommen habe, durchstoßen, leider hatte meine Mutter ihre Dildos immer eingeschlossen. Danach haben wir es noch öfter miteinander getrieben, wenn meine Mutter Nachtschicht hatte. Damit konnte ich mein Taschengeld ganz gut aufbessern. Mit 16 habe ich das erste mal Geld dafür genommen, dass ich nem fremden Kerl einen geblasen habe. 50 Mark hat er mir gegeben. Dadurch bin ich natürlich auf den Geschmack gekommen. Nein, nicht darauf, das Zeug zu schlucken. Geld! Mit 17 hatte ich so ungefähr 3000 Mark auf meinem Sparbuch. Nicht übel, oder? Dann kam der Junge von nebenan, Hans Krieger. Ich werde den Typen nie vergessen, wie er mir den Ball nicht wiedergeben wollte, mir dafür seinen Riemen in den Hals steckte. Tags drauf hab ich mich in der Laube von ihm vögeln lassen. Was er nicht wusste, das war, dass dort ein Fotoapparat hing, den ich von der Liege aus auslösen konnte. Die Bilder sind gar nicht mal übel geworden. Woran ich allerdings nicht gedacht hatte, das war der Arschfick, den er wollte. Aber auch das habe ich überlebt, später sogar die sechs Jungs, die mich gemeinsam durchgenommen haben. Einen von denen habe ich später mit den Bildern erpressen müssen, er war mit 20 richtig gut betucht, und ich brauchte die Knete.
Als die Bullen mich schließlich aufgriffen, während ich mal wieder anschaffen war, gab es für meine Eltern nur das Heim. Am Abend, bevor man mich dorthin verfrachtete, habe ich mich noch einmal von meinem Stiefvater ficken lassen. Dabei hat uns dann dummerweise meine Mutter erwischt. Damit war dann der Ofen endgültig aus. Na ja, im Heim habe ich dann meine Kunst soweit verfeinert, dass es mir nie an etwas fehlte. Für eine extra Portion Essen bin ich auch mit Frauen ins Bett. Aber auf Dauer war das Heim kein Ort für mich. Wie der Zufall es wollte fand ich heraus, dass einer der Jungs (die mich, na, was ich gerade erzählte) in der Nachbarstadt wohnte. Also bin ich abgehauen, habe ihn mit den Bildern konfrontiert und ihm gedroht, das alles seinen Eltern zu sagen. Er gab mir 50000 Mark. Damit konnte ich mich hier niederlassen, meine erste Wohnung einrichten und dadurch ins Geschäft kommen. Ich habe mich verkauft. Ja, am Anfang für fast jeden, der mich zahlen konnte. Dann kam ich auf den Trichter, dass ich mir eigentlich nur die Kühe aussuchen sollte, die man richtig gut melken konnte. Das klappte sogar besser, als ich es erwartet habe. Meine Masche war immer die Gleiche. Arme, junge Witwe, die ohne Geld dasteht. Und die Männer haben gezahlt. Mein Konto wuchs, und bald hatte ich eine Eigentumswohnung. Die Männer verlangten zwar einiges, aber dass habe ich in Kauf genommen. Ihr Sperma und die Pisse, nun, ich habe eine Dusche und Seife, auch wenn ich mich nie daran gewöhnt habe und auch keine Freude dabei empfinde, wenn sie ihre Blase auf mich und in meinen Mund entleeren. Das Ficken und das Blasen, ach Gott, das macht mir sogar Spaß. Auch an die analen Wünsche habe ich mich gewöhnt. Gelegentlich ist es sogar witzig, wenn einer der Kunden seinen Sohn zu mir bringt, damit ich ihn in die Liebe einweise. Manche der Jungs wissen noch nicht einmal, dass sie ihren Schwanz nicht nur zum Pinkeln haben.
Es gibt allerdings auch Dinge, die ich nicht mache. Tiere, zum Beispiel. Einer kam und wollte, dass ich mich von seinem Pitbull vögeln lasse. Den habe ich rausgeworfen. Und kleine Kinder besorge ich auch keinem. Das ist für mich abartig. Ich bereue im Grunde genommen ja, dass mir meine Kindheit und meine Jugend so abhanden gekommen ist. Kein Mädchen sollte so früh schon so viele Männer gehabt haben. Wenn ich die Wahl hätte, nun ja, ich würde mir die Jungfernschaft für den richtigen aufbewahren. Aber ich habe diese Wahl nicht mehr.
Anja? Ja, ich habe sie mal mit zu einem Kunden genommen, habe aber gemerkt, dass sie das nicht kann. Sie steht nur auf Frauen. Kann man es mir verdenken, dass ich auch ein wenig Liebe und Geborgenheit wollte? Ich fing also mit ihr ein Verhältnis an, aber durch meine Beschäftigung konnte das auf Dauer nicht klappen. Freundinnen sind wir immer noch.
Dann traf ich Hans wieder. Ich hatte mich seit der Zeit, als wir Kinder waren, sehr stark verändert. Meine dunklen Haare waren rot geworden, auch zwischen den Beinen. Männer stehen auf Frauen mit nem roten Busch zwischen den Beinen. Auch ihn habe ich rumgekriegt, mit der alten Tour. Er hat nix gemerkt. Er hat gezahlt und gezahlt. Für seinen Arschfick, für die Orgie. Ich habe ihn all das machen lassen, was er wollte. Für das Geld konnte ich das. Dazu meine anderen Kunden. Dadurch konnte ich mir auf Gran Canaria eine Pension kaufen, die sogar schon Gewinn abwirft, zusammen mit dem Restaurant. Geführt wird sie noch von einigen ehemaligen Prostituierten. Die werden mich nie bescheißen. Ich denke, in 3 oder 4 Jahren habe ich genug, um mich dann dort niederzulassen. Dann ist nix mehr mit Beine breit.
Ich habe ja schon angefangen, die Brücken abzubrechen. Ich könnte es mir ja im Prinzip jetzt schon leisten, hier abzuhauen. Ich glaube, das werde ich auch bald, denn wenn Hans dahinterkommt, von wem seine Frau die Informationen hat, bringt er mich um. Und dazu kommt noch, nun ja, ich habe den Mann getroffen, für den ich nicht gegen Geld die Beine breit und den Mund aufmachen werde. Ich glaube, ich habe mich ernsthaft verliebt. Er weiß von meiner Vergangenheit, und er hat mir in der letzten Zeit oft Trost gegeben. Ich glaube, es tut ihm weh, wenn ich aus dem Haus gehe, um mit anderen Männern zu schlafen und ihren, zum Teil doch recht perversen, Gelüsten nachzugeben. Er sagt es nicht, aber ich sehe es an seinen Augen. Ich wünschte mir, ich könnte den Schmerz, der aus diesen Augen spricht, eines Tages verschwinden lassen. Man hat ihm weh getan. Er hat es mir gesagt. Ich hatte immer gedacht, dass nur Männer Schweine sind, aber es gibt auch unter den Frauen genug, die sich so benehmen. Ich hoffe, ich kann ihm das geben, was er braucht. Er wäre zum Beispiel der richtige, für den ich meine Jungfräulichkeit aufbewahren würde. Ich bin allerdings schon lange keine Jungfrau mehr, ich kann ihm nur freiwillig all das geben, wofür ich mich immer habe bezahlen lassen. Aber das würde ich ihm aus Liebe geben, und für ihn würde ich auch Dinge tun, die ich sonst nur mit Widerwillen mache. Er ist einfach ein toller Mensch und ein prima Kerl. So einfach ist das. Ich weiß, dass er auch schon einiges probiert hat, und das macht es wohl auch einfacher. Wir scheinen, sowohl in geistiger, intellektueller als auch in sexueller Hinsicht äußerst kompatibel zu sein. Wenn ich mit ihm schlafe, dann ist es wirklich so, dass ich alles andere vergesse. Mit meinen Kunden, au weh, da kann ich in Gedanken meine Kontostände prüfen oder könnte telefonieren oder die Zeitung lesen. Aber wenn er mich berührt, dann bin ich sofort weg. Er hat so zärtliche Hände, dabei ist er auch leidenschaftlich. Ob das in seiner Familie liegt? Und wenn er mit mir redet, dann vergesse ich Zeit und Raum. Ich denke, mit ihm könnte ich zusammen alt werden, wo immer es uns gefällt. Und zusammen können wir vielleicht sogar die Vergangenheit hinter uns lassen und alles begraben.
Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr reift in mir der Entschluss, hier so schnell es geht alles aufzugeben und ihn dann mitzunehmen. Ob ich ihn heute Abend frage? Susanna und Anja wünsche ich alles Glück dieser Erde. Ob sie wohl unsere Trauzeugen sein möchten?
Schnell verging die Zeit. Die Tage reihten sich zu Wochen und Monaten. Aus der Mutterschaftsvertretung war Susanna nun in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen worden, als sich herausgestellt hatte, dass ihre Vorgängerin kurz nach ihrer Entbindung wieder schwanger geworden war. Susanna freute sich, nicht nur wegen des Jobs, der sie ausfüllte. Da sie selber Kinder über alles liebte freute sie sich auch für diese Frau, dass sie das Glück der Mutterschaft an der Seite eines Mannes erleben durfte, der seine Frau mit jeder Faser seines Herzens liebte. Aus ihr war nun eine selbständige Frau geworden. Ihre eigene Scheidung stand nun kurz bevor. Gewiss, es hatte natürlich noch Spannungen mit ihrem Ex-Bestäuber, wie sie immer sagte, gegeben, aber ihr Chef, der sie vor Gericht vertrat, war ein ziemlich cleverer Anwalt und setzte die Forderungen, die Susanna hatte, unnachgiebig durch. Obwohl sie am Anfang auf Geld verzichten wollte, hörte sie dann doch auf den Rat ihres Chefs, der ihr erklärte, das ihr vom gemeinsam erworbenen Vermögen die Hälfte zustünde. Sie war dann überrascht, wie viel Geld sie von Hans zu bekommen hatte. Hans wusste immer noch nicht, wo sie wohnte, und das war auch gut so. Er hatte ihr einmal in der Stadt aufgelauert und sie bedroht. Daraufhin hatte sie eine einstweilige Verfügung erreicht, der es ihm untersagte, sich ihr näher als 100 Meter zu nähern, auch durfte er sie weder anrufen noch schreiben. Bei einer Zuwiderhandlung war ihm sofortige Inhaftierung angedroht worden. Das Verfahren gegen ihn wegen Unterschlagung und Untreue war von seinem Arbeitgeber in die Wege geleitet worden. Auch da hatte Susannas Anwalt die Finger im Spiel und sich mit der Firma geeinigt, dass zuerst Susanna ihr Geld bekommen sollte, dafür würden sie die Papiere erhalten. Hans war daraufhin fristlos entlassen worden, einen Haftprüfungstermin hatte er sausen lassen. Nun wurde er per Haftbefehl gesucht. Die vorläufige Anklage lautete auf Unterschlagung, Untreue, Steuerhinterziehung, unrechtmäßiger Vorteilnahme, Weitergabe von Firmeninterna und, um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen hatten sich einige weibliche Angestellte gemeldet, die ihn wegen sexueller Nötigung, in 2 Fällen wegen Körperverletzung und in einem Fall wegen Vergewaltigung angezeigt hatten. Es gab sogar ein Gerücht, dass die erfolgte Vergewaltigung sogar zu einem Kind geführt haben sollte. Wenn das stimmte, dann kam auch noch eine Vaterschaftsklage auf ihn zu. Im Moment war er allerdings untergetaucht, in ihrem ehemaligen Haus war er nicht mehr zu sehen. Es schien zwar, als ob er gelegentlich noch dort wohnte, aber man konnte ihn nie erwischen. Doch das war Susanna relativ gleichgültig. Ihre Tage waren ausgefüllt mit der Arbeit und ihre freie Zeit mit Anja. Kurz gesagt, sie war so glücklich wie noch nie. Zu ihren Eltern, die gar nicht ihre Eltern waren, hatte sie fast keinen Kontakt mehr. Ihre Nachforschungen über ihre wahren Eltern waren bis jetzt im Sand verlaufen. Aber auch in diesem Punkt halfen ihr Chef und ihr neuer Bekanntenkreis. Sie hatte sich nie vorstellen können, wie viele Menschen auf das eigenen Geschlecht fixiert waren. Unter ihren neuen Freunden fand sich einfach alles, sogar der Besitzer eines Detektivbüros, der ihr seine Hilfe anbot. Auf das Argument, dass sie sich das eigentlich gar nicht leisten könne, erwiderte er nur, dass Freunde füreinander da sein müssten. Doch nun, da sie ja völlig unerwartet zu Geld gekommen war, trieb sie die Nachforschungen in diese Richtung verstärkt voran. Wie gesagt, sie war so glücklich wie noch niemals zuvor in ihrem Leben. Und so bemerkte auch niemand die Wolken, die sich über ihrem Glück zusammenzuziehen begannen. Und diese Wolken kamen aus einer Richtung, aus der niemand vermutet hätte, dass sie gerade von dort kommen könnten.
Es begann damit, dass Anja Abends in ihre gemeinsame Wohnung kam und einen Brief in den Händen hielt, den sie verwundert ansah. Susanna sagte nichts, denn sie kannte ihre Freundin mittlerweile gut genug, um zu wissen, dass sie schon anfangen würde zu reden, wenn sie soweit war. Da nutzte es nichts, in sie zu dringen. Auch das hatte Susanna erst in der Beziehung zu dieser Frau gelernt, dass manche Dinge im Inneren eines Menschen erst reifen müssen, bevor sich diese Dinge einen Weg nach außen bahnen können. Also zog Susanna sich diskret zurück und wartete darauf, dass Anja irgendwann zu ihr kam. Nach einer Weile kam Anja dann und reichte ihr wortlos den Brief, der sie anscheinend so verwirrt hatte. Susanna nahm den Brief heraus und begann zu lesen:

„Liebe Schwester,

ich weiß, dass ich sehr lange nichts von mir habe hören lassen, aber da ich weiß, dass du nicht nachtragend bist und ich sonst niemanden habe, an den ich mich wenden kann, habe ich beschlossen, auf dich und unsere Liebe zueinander zu vertrauen.
Da ich nie zu denen in der Familie gehört habe, die deine Neigung als eklig und schlecht empfunden haben, hoffe ich, dass auch du das, was sich in meinem Leben abgespielt hat, nicht verurteilst. Die Frau, die ich einmal geliebt und dann, dummerweise, auch geheiratet habe, ist mir ein fremder Mensch geworden.
Sie hat es geschafft, dass ich mich selber betrogen und verleumdet habe.
Und noch mehr: Sie hat mich um ein Haar ins Grab gebracht. Ja, es ist wahr; wegen ihr habe ich versucht, meinem Leben ein Ende zu setzen. Doch sogar dafür scheine ich zu blöd zu sein, wie dieser Brief hier beweist.
Dass ich noch lebe, verdanke ich einem dummen Zufall.
Aber das ist nicht weiter tragisch.
Nun stehe ich allerdings vor den Trümmern meiner Ehe, die ich einmal für so glücklich gehalten habe.
Doch nicht nur meine Ehe ist ein Trümmerhaufen, mein ganzes Leben ist bis zu den Fundamenten zerstört worden. Ich will hier nicht über Schuld oder so etwas reden, das ist nur sinnloses Geplänkel. Nein, über was ich reden möchte ist der Neubeginn, den ich nun durchführen muss. Und da habe ich etwas Glück gehabt.
In der Stadt, in der du lebst, ist in einer unserer Zweigstellen ein Posten, den ich sofort antreten kann. Doch da ist auch schon der Haken:
SOFORT!
Darum mein Brief und meine Bitte an dich:
Ist es möglich, dass du mir bis zum nächsten Ersten eine kleine Wohnung oder ein Zimmer besorgen könntest?? Es muss nichts tolles oder großes sein, nur etwas wo ich Abends mein müdes Haupt zur Ruhe betten kann.

Ich vertraue auf dich und bin mir deiner Liebe so sicher wie in der ganzen Zeit, wo wir getrennt waren,

dein Christopher.”

Susanna legte den Brief beiseite und dachte nach. Schon war ihr klar geworden, was im Kopf ihrer Freundin vorgehen musste. Es war immerhin schon der Elfte, und bis zum Ersten konnten sie unmöglich etwas finden. Also lag es auf der Hand, dass Anjas Bruder vorübergehend bei ihnen Unterschlupf finden würde. Der Gedanke behagte Susanna nicht besonders, dass ein Mann, und sei es auch nur Anjas Bruder, in ihre Welt eindringen sollte und sie des Nachts bei ihren Liebesspielen belauschen konnte. Aber sie wusste auch, dass Anja es nicht ablehnen würde, genau wie sie selber es nicht ablehnen würde, wenn sie einen Bruder hätte, der ihre Hilfe nötig hätte.
„Wie lange, glaubst du, brauchen wir, um eine Wohnung für ihn zu finden?”
Anja sah ihre Freundin verdutzt an.
„Was willst du damit sagen?”
„Nun, die Zeit reicht nicht, also werden wir, bzw. du, ihn hier aufnehmen. Irgendwie wird es schon gehen.”
„Soll das heißen, du bist einverstanden, dass er hier wohnt?”
„Ich will nicht sagen, dass der Gedanke, einen Mann hier zu haben, mich glücklich macht. Aber wie es sich liest, weiß er Bescheid und wird sich seinen Teil denken können, wenn er hier wohnt und mich sieht und dementsprechend seine Finger und andere Körperteile bei sich behalten, denn er scheint nicht schwul zu sein.”
„Nein, das ist er nicht, aber er respektiert, dass seine Schwester eine Lesbe ist. Und, was ich für sehr wichtig halte, wir haben ihn etwas unter Kontrolle, falls er noch einmal auf dumme Gedanken kommen sollte.”
„Nun gut, dann sag ihm, dass er in unser Liebesnest einziehen kann, aber er darf es nicht entweihen oder beschmutzen. Und mach ihm klar, dass es lediglich eine Übergangslösung sein kann, bis er etwas anderes hat.”
„Ich rufe ihn sofort an. Aber suchen können wir ja schon mal.”
„Sicher werden wir suchen, mein Schatz. Aber ruf ihn erst einmal an. Und dann musst du mir etwas über ihn erzählen, denn ich wusste gar nicht, dass du einen Bruder hast und hätte gerne etwas über den Mann gewusst, mit dem ich deine Liebe unbemerkt teilen musste.”
Anja sah sie an.
„Stimmt, ich habe dir nie gesagt, dass ich noch Geschwister habe. Ich weiß eigentlich gar nicht, warum ich nie davon gesprochen habe. Aber das holen wir gleich nach.”
Mit schwingenden Hüften ging Anja an das Telefon und wählte die Nummer ihres Bruders, die er auf der Rückseite des Briefes angegeben hatte. Sie war ein wenig erstaunt, dass sie ihn sofort am Hörer hatte.
„Christopher? Ich bin es, Anja. Ich habe gerade deinen Brief gelesen. Du sag mal, warum hast du mich nicht schon früher mal um Hilfe gebeten?…
Ach so, ich verstehe. Ist nicht so schlimm.
Aber hör mal, das mit der Wohnung werden wir in der kurzen Zeit nicht schaffen. Aber du kannst solange hier bei uns wohnen. Wir haben ein Gästezimmer, in dem kannst du schlafen, bis wir etwas gefunden haben.
Jaaa, ich bin verliebt und wahnsinnig glücklich.
Was meinst du??…Ein Mann? Gott bewahre; nein.
Ja sie ist unheimlich süß, also Finger weg. Wann kommst du?
Nächste Woche Freitag. Ist in Ordnung, bis dann.”
Sie legte den Hörer auf. Als sie sich nach Susanna umdrehte, wurde ihr bewusst, wie wenig sie im Grunde genommen voneinander wussten. Sie hatte sich nie die Mühe gemacht, mit ihr über ihre Familie zu reden. Der Grund lag in ihrer Homosexualität begraben. Ihre Eltern hatten sie verstoßen, als herauskam, dass sie sich mehr zu Frauen als zu Männern hingezogen fühlte. Ihre Geschwister hatten sie verleugnet. Ihre Schwestern hatten der Familienpflicht genüge getan als sie sich zu Zuchtzwecken mit den Männern ihrer Wahl gepaart hatten .Nur ihr Bruder hatte immer zu ihr gehalten. Aber der galt ja in gewissem Sinne auch als schwarzes Schaf der Familie. Sie setzte sich auf den Boden zu Susannas Füßen, kuschelte ihren Kopf in Susannas Schoß und begann zu erzählen.
„Weißt du, ich habe dir nie von meiner Familie erzählt, weil ich eigentlich fertig mit ihr bin. Es ist so ähnlich wie bei dir. Als die Wahrheit dann endlich herauskam, wurde ich mit Schimpf und Schande aus dem Haus gejagt. Meine beiden Schwestern, diese Zuchtstuten, gaben mit unmissverständlich zu verstehen, dass ich nichts mehr in deren Leben zu suchen habe, denn ihre Kinder sollten durch ihre missratene Tante nicht vom Pfad der Tugend abweichen dürfen.”
Susanna wollte etwas sagen, aber Anja schüttelte den Kopf.
„Bitte, hör jetzt nur zu, Fragen kannst du nachher stellen. Was diese blöden Weiber natürlich nicht wussten war, dass ihre Ehemänner mir daraufhin nachstellten. So unter dem Motto: Komm mit uns ins Ehebett, damit ich mich so richtig aufgeilen kann. Anscheinend stellen sich die Männer unter einer Lesbe eine Frau vor, der es den ganzen Tag zwischen den Beinen juckt. Nachdem ich ihre Offerten abgelehnt hatte, setzten diese Typen dann noch einige widerwärtige Gerüchte über mich in Umlauf. Sie beschuldigten mich des Angebotes, das sie mir gemacht hatten. Der einzige, der die ganze Zeit über zu mir gehalten hat, war mein Bruder. Christopher nahm mich bei sich auf, als ich keine Bleibe und kein Geld hatte. Und schon wurde getratscht, dass wir beide Inzucht betrieben. du kannst dir gar nicht vorstellen, wie es ist, wenn Nachts um drei das Telefon geht und man dann wüst beschimpft wird. Die Ausdrücke, die dabei gebraucht worden sind, möchte ich nicht wiederholen. Das ging so lange, bis Christopher einem unserer Schwager eins aufs Maul gab. Danach war dann Ruhe. Nun, ich zog dann hierhin. Christopher heiratete dann auch und lud mich zu seiner Hochzeit ein. Was meinst du, was da los war. Es gab fast Mord und Totschlag. Nun, da seine Frau leider auch zu der Gattung „im Grunde genommen zu Nichts zu gebrauchen” zählte , was ich ihm auch sagte, neben der Bemerkung, dass sie meiner Meinung nach wohl auch zum ficken zu blöd wäre, worauf mein Bruder leider sehr wütend wurde, musste diese Ehe zwangsläufig schief gehen. Das war übrigens das einzige Mal, dass mein Bruder sich dem Willen der Familie unterwarf. Sie war die einzige Tochter des Konkurrenten meines Vaters. du kannst dir mit Sicherheit vorstellen, was meine Familie mit dieser Heirat bezwecken wollte. Nun, jetzt ist Christopher in Schwierigkeiten, und nun werde ich das für ihn tun, was er damals für mich getan hat.”
Susanna streichelte ihrer Freundin über ihr Haar. Zu tief hatte sie diese Geschichte geschockt. Aufgrund ihrer Erfahrung wusste sie, wie weh es tat, plötzlich alles zu verlieren. Aber ihr fehlten momentan einfach die Worte, die ihre Freundin nun brauchte; die Worte, die ihr hätten Trost bringen können. So streichelte sie einfach weiter den Kopf Anjas, die ihren Tränen nun freien Lauf ließ und in Susannas Schoß weinte. So saßen sie eine Weile, bis der Tränenstrom versiegte. Dann nahm Susanna Anjas Kopf in beide Hände, hob ihn hoch und küsste sie sanft auf die Lippen. Sie schmeckte das Salz der Tränen. Dann sagte sie zu ihr:
„Nun, du erinnerst dich, was ich gesagt habe, als wir am Strand unsere Hochzeit gefeiert haben: „..in guten wie in schlechten Zeiten…”. Da es zwar für uns keinen Trauschein gibt, und wir sowieso keinen brauchen, sage ich dir nun noch einmal, dass, egal wie es kommt, ich immer zu dir halten werde. Dieser Schwur, den ich dir gegeben habe, der bindet mich stärker als alle Schwüre, die man auf dem Standesamt oder vor einem Pfarrer geben kann. Wenn ich mir nicht absolut sicher gewesen wäre, und das war ich und bin es immer noch, hätte ich dir weder am Strand noch jetzt geschworen, immer zu dir zu halten. Das, was du für deinen Bruder fühlst, kann ich sehr gut nachempfinden. Ich würde an deiner Stelle genauso handeln. Es ist noch gar nicht lange her, da brauchte ich deine Hilfe, die du mir bereitwillig gewährt hast. Und ich kann mich noch gut an das Gefühl erinnern, meine Eltern auf beinahe die gleiche Weise verloren zu haben und weiß, wie weh das tut. Also werde wir deinem Bruder helfen.”
„Du…du bist also damit einverstanden, dass er eine Weile hier wohnen wird und bist nicht böse? Ich meine, du hast das vorhin nicht einfach so gesagt? Du hast das wirklich ernst gemeint?”
„Du dummes Ding. Das ist doch der Punkt, der uns von den Männern unterscheidet. während ein Mann mit wenn und aber herumgetönt hätte, machen wir Nägel mit Köpfen. Aber eine Bedingung habe ich.”
„Alles, was du willst.”
„Keine Bange, es ist nichts Schlimmes. Nur, wenn er versuchen sollte, mich zu verführen, dann muss er sofort gehen.”
Anja starrte ihre Freundin an.
„Das setzte ich voraus. Er weiß, dass ich mit dir zusammenlebe und dass wir uns lieben. Also wird er sich an die Spielregeln zu halten haben, denn ich will unter gar keinen Umständen auf dich verzichten. Oder glaubst du, ich könnte mich zurückhalten, wenn du neben mir im Bett liegst? Wir werden zwar unsere Spiele nicht mehr so treiben können, wie wir es gewöhnt sind. Aber das ist nur vorübergehend. Gewöhnen wir uns also an, hier in der Wohnung wieder Slips zu tragen und nicht überall unserem Hobby nachzugehen, so schwer es uns auch fallen wird.”
„Nun, das meinte ich weniger. Aber wo du das gerade sagst, ich habe ebenfalls keine Lust, Wochenlang als keusche Nonne zu leben. Und wenn es ihn stört, dann soll er sich eben die Ohren zuhalten oder Spazieren gehen.”
Anja lachte.
„Ich habe gehört, dass eine kalte Dusche Wunder wirken soll. Nur unsere Spielzeuge werden wir wegräumen müssen, zumindest am Tage. Und die Schlafzimmertür, nun, mal sehen, wo ich den Schlüssel habe. Nur, damit er nicht auf dumme Ideen kommt und auf einmal neben dem Bett steht.”
Nun mussten beide lachen. Susanna stand auf und zog ihre Freundin auf die Füße.
„Komm, lass uns ins Bett gehen. Morgen haben wir viel zu erledigen und vorzubereiten. Und außerdem”, sie lächelte verführerisch, „möchte ich die Zeit, die wir noch alleine sind, gerne etwas anders verbringen, wenn du verstehst, was ich meine.”
Anja verstand und gemeinsam genossen sie diese Nacht.
Wenige Tage später kam dann Christopher an. Susanna war noch auf der Arbeit, denn es galt einen sehr wichtigen Termin vorzubereiten, als er an der Tür schellte. Anja öffnete ihm und sie fielen sich in die Arme.
„Anja, wie lange ist das schon her?”
„Mein Gott, drei Jahre. Aber komm doch erst mal rein.”
Sie betraten die Wohnung, in der es nach frischem Kaffee und Kuchen duftete.
„Setz dich doch bitte. Ich hole schon mal den Kaffee.”
„Das wäre doch nicht nötig gewesen. Und überhaupt…“
Verschämt blickte er zu Boden.
„Es ist mir schon peinlich genug, dass ich bei dir und deiner Freundin Zuflucht suchen muss und..”
„Quatsch keine Opern. du weißt ganz genau, dass du immer willkommen bist. Aber erst mal trinken wir einen Kaffee, und dann erzählst du mir mal die ganze Geschichte, ja? Wo sind denn deine Sachen?”
Christopher zeigte auf den Koffer.
„Das sind meine Sachen. Alles, was mir noch geblieben ist.“
Anja war erschüttert. Das sollte ihr Bruder sein? Der lebenslustige, charmante Draufgänger? Sie konnte es nicht fassen. Was war nur geschehen? Sie nahm ihn am Arm und nötigte ihn ins Wohnzimmer. Als sie ihn in den Arm genommen hatte, da war ihr schon aufgefallen, wie schrecklich dünn er geworden war. Er war zwar nie dick gewesen, aber doch kräftiger, als er es nun war. Sie besah ihn sich genauer. Die Hose schlackerte an seinen Beinen, und das Sweatshirt sah aus wie eine Zeltplane. Das war etwas, was sie unbedingt ändern musste. Anja schenkte Kaffee ein und gab ihrem Bruder ein Stück Kuchen. Sie hatte sich extra Mühe gegeben und seinen Lieblingskuchen für ihn gebacken. Sie sah ihm beim Essen zu und konnte nur schwer ihr Erschrecken über sein Aussehen verbergen. Total abgemagert und bleich saß er vor ihr. Seine Hautfarbe erinnerte sie an einen Schwerkranken. Als er das zweite Stück Kuchen gegessen und die vierte Tasse Kaffee getrunken hatte, kramte er in seinen Taschen. Plötzlich schien er zu überlegen.
„Du, sag mal, hast du etwas dagegen, wenn ich rauche?”
Anja sah Christopher an.
„Wie kommst du darauf, dass ich etwas dagegen haben sollte, wenn du rauchst?”
„Nun, ich sehe hier nirgendwo einen Aschenbecher, also habe ich daraus geschlossen, dass du und deine…Freundin beide Nichtraucher seid.”
Anja lachte.
„Es stimmt, Susanna und ich sind Nikotinfrei, aber wir haben absolut nichts gegen Raucher. Warte, ich hole dir einen Aschenbecher, sonst kommst du noch auf den Gedanken, den „großen” zu benutzen und dann müsstest du schon an deinem ersten Tag mit dem Staubsauger durch die Wohnung rasen, und das wollen wir doch nicht, nachdem wir uns so viele Jahre nicht gesehen haben.”
Mit einem Aschenbecher in der Hand kam sie zurück. Verlegen holte Christopher eine verknautschte Zigarettenpackung aus der Hosentasche und zündete sich einen Glimmstengel an, dessen Rauch er tief inhalierte. Dann sah er erst auf seine Zigarette, danach auf Anja und seufzte.
„Ja, das ist auch eine Auswirkung der ganzen Scheiße, durch die ich gewatet bin.”
„Du, ich wollte nicht unhöflich oder neugierig erscheinen, aber nun, wo du es selber erwähnst, kann ich dich ja danach fragen: Hattest du nicht einmal mit dem Rauchen aufgehört?”
Bevor er ihr eine Antwort geben konnte, hörten sie, wie sich der Schlüssel im Schloss der Wohnungstür drehte und Susanna kam in das Wohnzimmer.
„Entschuldigt bitte, aber ich musste noch eine wichtige Sache für Morgen vorbereiten, daher bin ich etwas zu spät.”
Anja erhob sich, ging zu Susanna, gab ihr einen Kuss auf den Mund und nahm sie bei der Hand.
„Liebling, das ist nicht schlimm, aber nun möchte ich dir meinen Bruder vorstellen. Susanna, das ist Christopher, von dem ich dir erzählt habe.”
Sie reichten sich die Hände.
„Anja sagte mir am Telefon, dass ich es Ihnen zu verdanken habe, dass ich hier für einige Zeit Unterschlupf finde. Danke.”
„Äh, also, ich weiß nicht, aber um erst mal eines klarzustellen: „Sie” ist gerade ausgeflogen, ich bin die Susanna. Und was das andere angeht, für mich war es selbstverständlich da zu helfen, wo Hilfe notwendig ist.”
„Nun, trotzdem Danke, aber ich hoffe, dass du mich Chris nennst, so wie alle meine Freunde.”
Bei dem letzen Wort wurde seine Stimme tonlos und Tränen traten in seine Augen. Instinktiv nahm Susanna ihn in ihre Arme und streichelte ihn sanft.
„Ist ja gut, wein ruhig, das hilft.”
Nun brachen bei Christopher die Dämme und die Tränen flossen über Susannas Bluse. Anja stand hilflos da, sie wusste nicht, was sie tun sollte. Aber innerlich war sie stolz auf ihre Freundin, dass diese, trotz aller Demütigungen, die sie hatte erdulden müssen, immer noch die Kraft und den Mut hatte, ein männliches Wesen in den Arm zu nehmen, und wenn es nur ihr, Anjas, Bruder war, den sie ja nicht als Mann ansah. Langsam beruhigte sich Christopher wieder, und nachdem er eine weitere Kanne Kaffee getrunken und fast eine ganze Packung Zigaretten geraucht hatte, begann er seine Geschichte zu erzählen.
„Nun, nachdem ich dann endlich dem Drängen unserer Eltern nachgegeben und Marlies geheiratet hatte, stellte sich sehr bald heraus, dass Anja völlig Recht gehabt hat mit dem, was sie mir bei der Hochzeit gesagt hatte. Es war schon vorher recht schwierig gewesen, sie dazu zu bringen, mit mir zu schlafen. Doch schon kurz nach der Hochzeit wurde sie kalt, abweisend, ja beinahe schon frigide. Wenn es dann doch dazu kam, dann war sie wie ein Stück totes Fleisch, völlig abwesend und unbeteiligt. Ich bin ja bestimmt kein Lustmolch, aber ich habe Sex immer als etwas sehr Schönes empfunden, wenn sich die Partner liebten. Doch bei Marlies war das etwas anders. Sie sah Sex als etwas an, was man nur im Dunkeln und, wenn überhaupt, nur zum Zeugungszweck über sich ergehen ließ. Es kam sogar soweit, dass sie morgens mit dem Fieberthermometer im Bett lag, um ihre fruchtbaren Tage herauszufinden. Dann hatte ich die Ehre, in ihr Bett gelassen zu werden. Niemals zeigte sie auch nur die geringste Initiative. Dazu kam dann, dass sie, als es mit einem Kind dann nicht klappen wollte, mich als taube Nuss bezeichnete und mir alle Schuld daran in die Schuhe schob.
Dann kam die Zeit, als wir uns dazu entschlossen hatten, ein Haus zu bauen. Um Kosten zu sparen, es ging unseren Eltern auf beiden Seiten in diesem Moment finanziell nicht so gut, als dass sie uns das Geld hätten geben können, beschlossen wir, den größten Teil in Eigenleistung zu erstellen. Aber ich bin nun mal keiner, der ein Haus bauen kann. Und so kam es, wie es kommen musste. Das Geld wurde knapp, ihre Vorwürfe immer mehr.
Und dann kam der Tag, als ich dann krank wurde und operiert werden musste. Nichts Weltbewegendes, nur ein Leistenbruch, den ich mir beim Bau zugezogen hatte.
Aber dann:
Wenn man einen Leistenbruch operiert bekommt, dann ist erst mal Sense mit Heben und Tragen. Aber das hinderte weder meine Frau noch meine Schwiegereltern daran, mich als faules Aas zu titulieren, der das alles ja mit Absicht gemacht hat. Daraufhin drehte ich durch und beschloss, meinem Unnützen Dasein ein Ende zu bereiten. Erst mit Schmerzmitteln. Das ging in die Hose, ich habe nur endlich eine Nacht gut geschlafen. Daraus zog ich eine Lehre und wollte mir im Wald die Pulsadern aufschneiden. Ich also in den Wald und schnipp-schnapp. Doch gerade als es so richtig schön am bluten war kommt, ob ihr es glaubt oder nicht, eine Kompanie Bundeswehrsoldaten daher und findet mich. Sie hatten natürlich nichts besseres zu tun als mich zu retten. Im Krankenhaus wurde ich erst einmal auf die Psychiatrische verlegt.
In langen Gesprächen, die ich dann mit einem der Ärzte führte, kam ich dann dahinter, dass es keinen Zweck hat, sich wegen so einer Frau das Leben zu nehmen. Endlich entlassen, reichte ich dann die Scheidung ein.”
Er steckte sich eine neue Zigarette an.
Susanna saß blass daneben und wollte etwas sagen. Doch Anja kam ihr zuvor.
„Sag mal, was haben Mama und Papa dazu gesagt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie darüber sehr erfreut gewesen sind.”
Christopher lachte.
„Nicht erfreut, das ist gut. Getobt hat der Alte. Und mir ganz eindeutig gesagt, als ich versucht habe, bei ihnen unterzukommen, dass ich mich zum Teufel scheren solle. Wegen ihm hätte ich unter einer Brücke schlafen können. Mama sagte nicht viel, sie hat nur die paar Sachen, die ich bei mir hatte, genommen und auf die Straße geworfen mit den Worten:
‚Na toll, eine Tochter eine lesbische Nutte, die sogar mit ihren Schwestern samt deren Männern ins Bett will, und unser Sohn ein Selbstmörder, der Haus und Frau im Stich lässt.’
Dann warfen sie mir die Tür vor der Nase zu.”
Susanna wurde nun neugierig.
„Aber sag mal, du musst doch seitdem irgendwo gewohnt haben. Wie hast du das denn gemacht?”
„Tja, zum Glück hatte ich noch einen Freund, der mir eine Zeit Obdach gewährte, bis ich eine Wohnung finden konnte.
Doch dann rief mein Chef mich zu sich und machte mir das Angebot, hierhin zu gehen. Ich nehme an, dass da der Alte seine Finger im Spiel hatte. Denn er wird meinem Boss mit Sicherheit gedroht haben, alle Konten zu löschen, wenn er mich weiter in seiner Bank beschäftigen würde. Zum Glück bin ich bei meinem Chef beliebt, und so schaffte er mich aus der direkten Schusslinie. Das Resultat war denn der Brief, und da bin ich nun.”
Nervös drückte er seine Kippe aus und sah von einer zur anderen.
„Was ist, glaubt ihr auch, dass ich etwas falsch gemacht habe?”
Susanna schüttelte den Kopf.
„Nein, der einzige Punkt, den ich bemängeln würde, ist der, dass du schon sehr viel früher jemanden um Rat hättest fragen sollen. Dann wäre dir viel erspart geblieben, vor allen Dingen dein, zum Glück missratener, Selbstmordversuch. Warum bist du nicht hergekommen? Wir hätten eine Lösung gefunden.”
„Weißt du, Susanna, das ist leicht gesagt. Meine Frau, Pardon, Ex Frau, war zusätzlich noch eifersüchtig wie die Pest. Wenn ich nur mal eine alte Klassenkameradin auf der Straße gegrüßt habe, dann hatte ich schon in ihren Augen ein Verhältnis. Anja, lach nicht. Ich weiß, ich war bestimmt kein Kind von Traurigkeit, aber ich bin meiner Frau während der ganzen Zeit niemals fremdgegangen. Ich liebte sie, trotz aller Fehler. Und ich habe immer gedacht, dass ich sie vielleicht damit wachgerüttelt bekomme. Als sie, kurz nachdem wir geheiratet hatten, krank wurde, habe ich Tag und Nacht an ihrem Bett gesessen und gehofft und gebetet, dass sie wieder gesund werden würde. In dieser Zeit, als es ihr dreckig ging, da habe ich erkannt, wie sehr ich sie liebte. Und der Hintergedanke bei mir war halt, dass sie in ihrer Sorge dann auch erkennt, wie sehr sie mich dann halt doch lieben würde. Aber der Kommentar war der, dass sie mir auf den Kopf zusagte, dass sie überhaupt nicht einsehen würde, mich jeden Tag im Krankenhaus zu besuchen. Das hat mir dann endgültig die Augen geöffnet, was ich da für ein Monster geheiratet habe.”
Bestürzt hatten die beiden Frauen der Erzählung gelauscht. Anja konnte genau beobachten, wie es in Susanna gärte. Es war nur eine Frage von Minuten, bis der Überdruck entweichen musste. Kaum hatte sie diesen Gedanken zu Ende gedacht, als Susanna auch schon loslegte:
„Wisst ihr, ich hatte immer gedacht, dass nur die Männer gefühllose Eisbrocken wären, aber das, was du uns gerade alles erzählt hast, das haut mich doch um. Von einer Frau hätte ich eine solche Reaktion niemals erwartet.”
Christoph sah sie an.
„Soll ich daraus schließen, dass du erwartet hat, dass du mit einem, wie sagtest du, gefühllosen Eisblock eine Zeit die Wohnung teilen solltest? Und dass du trotzdem das Risiko eingegangen bist?”
„Nun ja, ich sollte dir vielleicht sagen, dass ich nicht die beste Meinung von Männern habe. Mein Mann war ein Monster. Doch heute Abend habe ich gelernt, dass es auch Monster in Frauengestalt gibt. Dafür sollte ich dir eigentlich dankbar sein. Aber eine Frage möchte ich dir doch noch stellen. Es ist mehr persönliche Neugier und hat nichts mit dem zu tun, was du uns gerade erzählt hast. Wie denkst du über eine homosexuelle Beziehung; jetzt mal gleichgültig, ob schwul oder lesbisch?”
Christopher überlegte kurz.
„Weißt du, es ist im Grunde genommen die Sache des Einzelnen, ob er oder sie es lieber hat, einen Mann oder eine Frau im Bett und im Leben zu haben. Ich wusste schon sehr früh, dass Anja eben mehr auf Frauen steht. Die Gründe dafür kenne ich, aber es spielt keine große Rolle. Was wir beide wohl gemeinsam haben, das ist die Leidenschaft, die Neugier und der sexuelle Appetit.“
Er sah Anja in die Augen.
„Ich weiß, dass du mich damals mit Gina im Wohnzimmer beobachtet hast. du hast dich zwar gut versteckt, aber ich habe es gemerkt, nur war da schon alles passiert. Ich hoffe nur, du hast keinen Schaden davongetragen, deinen Bruder mit heruntergelassenen Hosen zu sehen. Ich weiß auch, dass du dir den Vibrator aus meinem Zimmer gemopst hattest.“
Anja wurde puterrot.
„Du hast es gewusst und nie was gesagt?“
Christopher grinste.
„Schwesterchen, du weißt doch, ich habe niemals etwas verraten. Und ich habe mich aus deinem Sexualleben herausgehalten. Wenn du mich gefragt hättest, dann hätte ich dir sogar einen geschenkt, ohne dass die Alten davon erfahren hätten.“
Er wandte sich Susanna zu.
„Hat sie dir erzählt, dass ich mit ihr zum Frauenarzt gehen musste, als sie sich heimlich die Pille hat verschreiben lassen? Und dass sie mich mitgeschleppt hat, um sich ihren ersten BH zu kaufen, auch, als sie sich den ersten String besorgt hat, da musste ich mit. Ich durfte dann sagen, ob er ihr steht und ob die Farbe passt.“
„Musst du ihr nun ALLES verraten? Ich dachte, du plauderst nie was aus.“
Susanna merkte, dass diese Empörung nur gespielt war. Sie lachte.
„Ich hätte dich zu gerne gesehen, Chris. Deine eigene Schwester im knappen Höschen und BH, und du bist wohl fast umgefallen und hast dir gewünscht, dass es nicht deine Schwester ist, wie?“
Christopher grinste.
„Nun ja, ich habe sie öfter in Unterwäsche und nackt gesehen als meine eigene Frau. Und ja, ich hatte oft genug einen stehen.“
Endlich wurde er lockerer. Das war der Bruder, den Anja kannte. Trotzdem war sie schockiert, dass er die ganze Zeit gewusst hatte, dass sie ihn und dieses Mädchen beobachtet hatte. Und dass er die Geschichte mit dem Dildo wusste. Sie bewunderte ihn für seine Verschwiegenheit. Doch Christopher war nun wieder ernster geworden und redete mit Susanna.
„Die Gründe, die dich dazu bewogen haben, dass du der Männerwelt den Rücken gekehrt hast, sind mir unbekannt, aber ich schließe aus dem, was du sagst, dass du in etwas die gleichen schlechten Erfahrungen wie Anja gemacht hast. Du bist niemandem Rechenschaft schuldig. Aber was ich sagen will: Es macht mir nichts aus, ob jemand schwul oder lesbisch ist. Ich liebe meine Schwester so, wie sie ist; als Mensch. Nachdem meine Schwester mir damals die Wahrheit gesagt hatte, bin ich losgezogen und habe mir die Welt einmal genau angesehen, und ich war überrascht, wie viele gleichgeschlechtliche Paare es so gibt. Es wäre nichts für mich, mit einem Mann das Bett zu teilen; ich habe es mal probiert. Aber diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass ich nicht dafür geeignet bin. Aber ich respektiere die Entscheidung, wenn jemand halt so liebt.”
Nun sah Anja ihren Bruder erstaunt an.
„Christopher, ich habe ja gar nicht geahnt, dass du das auch mal ausprobiert hast. Aber nun bin ich neugierig geworden. Wann und wie ist das denn passiert?”
Christopher wurde nun leicht rot.
„Ähh, nun, ich weiß nicht, ob ich das unbedingt erzählen sollte, aber wenn du darauf bestehst, bitte. Es war der Karneval, bevor ich Marlies kennen gelernt habe. Ich sollte vielleicht erwähnen, dass ich damit auch nicht gerechnet habe, als ich die beiden Mädels kennen gelernt habe, beide schön wie die Sünde und höllisch scharf. Nun, wir tranken und tanzten, und dann meinten sie beide, ich solle doch bei ihnen noch einen Schluck trinken kommen. Das „Trinken” wurde dann schnell zu einer Orgie, bei der die beiden mich ganz schön antörnten. Die eine, ich glaube dass sie Babs hieß, lag schnell nackt in meinen Armen. Die andere, Tina, hatte noch ihr Höschen an. Irgendwie genierte sie sich, es auszuziehen.”
Er machte eine kurze Pause, in der er sich eine neue Zigarette anzündete. Dabei beobachtete er scharf die beiden Frauen, um ihre Reaktion zu herauszufinden.
„Etwas später wusste ich warum.”
„Jetzt sag nicht, dass Tina in Wahrheit ein Mann war!” warf Susanna ein.
„Doch, oben einen Busen wie aus einem Modelkatalog, und unten, nun ja, ein Mann. Aber ich war so drauf, dass es mir nichts ausmachte. Und so trieb ich es mit beiden.”
Anja fragte:
„Hat Tina dich, äh, du weißt…”
„Ja, sie hat mich hinten entjungfert.”
Er grinste.
„Die Erfahrung war nicht übel, ich habe es auch mit dem Mund, aber am anderen Morgen, als mir alles weh tat, habe ich mir geschworen, nie wieder.”
Susanna lachte.
„Jetzt weißt du wenigstens, wie man sich fühlt, wenn man aufgespießt wird. Und es gibt viele Männer, darunter auch meiner, die gerade an dieser Sache einen Heidenspaß haben; sie denken nicht im Traum daran, dass es ganz schön weh tut.”
Anja gähnte.
„Ihr beiden, ich geh nun in mein Bett. Es ist ja schon nach Elf. Ich zeige Christopher noch sein Zimmer, und dann gehe ich schlafen.”
Susanna verstand das Zeichen ihrer Freundin. Sie wollte alleine mit ihr sein. Sie erhob sich.
„Ich gehe schon mal vor. Gute Nacht, Christopher.”
„Gute Nacht, Susanna. Es freut mich, dass ich dich kennen lernen durfte.”
Susanne ging ins Bad, und wenige Minuten lag sie im Bett. Sie hörte noch, wie Christopher lachte, und kurz danach spürte sie den weichen Körper ihrer Freundin, als sie sich an sie kuschelte.
„Worüber hat er gerade so gelacht?”
„Ich habe ihm gesagt, dass in seiner Nachttischschublade ein Paket Ohrstopfen liegen, wenn es ihm zu laut würde.”
„Du bist ganz schön gemein.“
„Nein. Ich bin nur ehrlich zu ihm. Er soll ruhig wissen, dass ich meine Leidenschaft auch auslebe, wenn er nebenan schläft. Und ich habe ihm gesagt, dass er sich unterstehen soll, an der Türe zu lauschen. ‚Ansonsten kannst du hier drin machen, was du willst.’ Ich glaube, er hat verstanden.“
„Du meinst, du hast ihm gesagt, wenn er es nicht mehr aushält, dann soll er selber Hand anlegen?“
Susanna glaubte das alles nicht.
„Ja, genau das. Ich habe ihm sogar eine Box mit Papiertüchern gegeben. Nur entsorgen, dass muss er sie selber.“
„Das stimmt. Ich hab auch keine große Lust, die vollgeschmierten Taschentücher anzufassen. Aber es ist in Ordnung, er ist ja auch nur ein Mensch und hat seine Bedürfnisse.“
Anja gab ihrer Freundin recht.
„Ja, die hat er. Und glaub mir, sie sind recht groß, darin sind wir uns ähnlich.“ „Was uns wieder zum Thema bringt. Doch vorher würde ich gerne deine Meinung zu dem hören, was er uns da erzählt hat. Glaubst du ihm die Story? Ich meine, die mit diesem Mann oder Frau oder was es war?”
„Ja, er war schon immer sehr aktiv. Ich habe ihn damals, als Teenager, mehr als einmal mit einer Maus im Bett erwischt, nicht nur mit Gina oder wie sie hieß. Er hat sich nie was draus gemacht, wenn ich plötzlich in der Tür stand. Aber das schadet ihm nichts, dass er da mal selber rangenommen worden ist.”
„Ich hätte nur gerne das dumme Gesicht von ihm gesehen, als er einen Schlitz erwartet hat und dafür einen Ständer zu sehen bekam.”
„Viele Männer wären schreiend aus dem Bett geflüchtet, er aber, ohne Hemmungen, dran. So ist mein Bruder. Und ich hab schon gemerkt, als ich im Kaufhaus in Unterwäsche vor ihm stand, dass er nen Ständer hatte. Zu Hause ist er dann direkt nach oben. Was meinst du, was er gemacht hat?”
Susanna begann nun, Anja zu streicheln. Ihr Mund näherte sich dem Ohr der Freundin und knabberte zart an ihrem Ohrläppchen.
„Wahrscheinlich hat er geträumt, du wärest nicht seine Schwester, sich dabei gestreichelt und gewünscht, er könnte mit dir das tun, was ich jetzt tun werde.“
Anja spürte den heißen Atem, und eine Gänsehaut überzog ihren Körper. Ihr eigener Atem wurde schneller. Ein sanftes Stöhnen entfuhr ihr, als Susannas Finger sanft ihr Lustzentrum zu streicheln begann.
„Ja, Liebling, nimm mich.”
„Hoffentlich hat dein Bruder die Ohrstopfen schon gefunden.” sagte Susanna, als ihr Mund sich auf die Wanderschaft begab, am Hals hinunter, kleine feuchte Spuren am Körper ihrer Freundin hinterlassend. Ihre Zunge umspielte die linke Brustwarze, und Anja bäumte sich auf. Ihr Atem wurde schneller und schneller; ihr Stöhnen lauter. Schnell fuhr Susannas Zunge über den Bauch, bis sie an der Stelle angekommen war, von der sie genau wusste, dass Anja sofort abhob, wenn sie dort mit der Zunge gestreichelt würde. So auch dieses Mal. Ein lautes Stöhnen, ein leiser, unterdrückter Schrei und unkontrollierte Zuckungen des Beckens zeigten Susanna, dass Anja da war, wo sie auch gerne war, im Himmel der Lust, eine Sternschnuppe, die glühend am Firmament ihre Bahn zog um dann beim Eintauchen zu verglühen, um erneut zusammenzufinden, damit sie wieder und wieder in den Strudel eintauchen konnte, der alles und doch nichts ist. Schnell drehte Susanna sich so, dass auch sie in den Genuss kommen konnte, und wenig später waren beide unterwegs in himmlische Gefilde, die Welt versank, hatte einfach keine Bedeutung mehr, die Zeit stand still, hörte auf, zu existieren. Und so konnten sie auch nicht bemerken, dass Christopher sich weinend von der, unvorsichtiger unverschlossenen, Tür abwandte.
Am nächsten Morgen, direkt nach dem Frühstück, bei dem sie mit drei Mann hoch alle nur verfügbaren Zeitungen nach Wohnungsangeboten durchstöbert hatten, teilten sie die Arbeit demokratisch auf. Da Anja zur Arbeit musste, während Susanna einen freien Tag hatte, räumte sie zusammen mit Christopher die Wohnung auf und erledigte mit ihm den Abwasch. Dabei gerieten sie zwangsläufig in ein Gespräch. Sie hatte den ganzen Morgen schon gemerkt, dass etwas in ihm vorging, aber sie konnte sich nicht erklären, was denn nun mit ihm los wäre. Also versuchte sie, herauszufinden, was ihn denn so bedrückte.
„Sag mal, was ist los? du machst mir einen betrübten Eindruck.”
„Weißt du, ich habe die ganze Nacht nachgedacht. Ich finde es einfach unfair, dass ich hier eingedrungen bin und euch störe.”
Susanna schaute ihn an.
„Das ist doch Unsinn. Sieh mal, Anja hat mir erzählt, dass du, als sie in der gleichen Situation wie du gewesen ist, nicht gefragt hast und sie einfach bei dir aufgenommen hast. Und wenn du glaubst, dass du störst, dann hätte ich nun gerne, dass du mir den Grund nennst, warum du diesen Eindruck hast.”
Er druckste etwas herum. Dann platzte er heraus.
„Ich…ich habe euch gehört, gestern Nacht. Und neugierig, wie ich bin, habe ich euch beobachtet.”
Susanna war verblüfft.
„Scheiße, sie hatte die Tür offen gelassen. Komm, setz dich, ich möchte dir etwas erzählen.”
Sie setzten sich an den Wohnzimmertisch und Susanna schloss die Augen. Es fiel ihr schwer, mit einem Mann, den sie noch dazu gerade zwölf Stunden kannte, über ihre Gefühle zu reden.
„Es ist nicht leicht für mich, darüber zu reden, aber es hat nichts mit dir persönlich zu tun. Es liegt einfach daran, dass du ein Mann bist, und ich habe bisher nur Probleme und Schmerzen mit ihnen gehabt.”
Christopher unterbrach sie.
„Du brauchst mir nichts zu erzählen. du bist niemandem, und schon gar nicht mir, Rechenschaft schuldig. Es ist dein Leben, das du so führen musst ,wie du es für richtig hältst. Und es gibt nur eine Sache, die letzten Endes zählt: du musst, nein, ihr müsst glücklich miteinander sein.”
„Siehst du, das ist der Grund, warum ich der Meinung bin, dass ich mit dir darüber reden sollte. Es geht nicht darum, dass deine Schwester und ich eine Beziehung haben. Deine Schwester war da, als ich jemanden brauchte. Es ist, im Gegensatz zu Anja, das erste Mal, dass ich eine Beziehung zu einer Frau habe, und ich bin glücklich mit ihr, denn sie gibt mir all das, was ich bisher noch nie gefunden habe. Mein Mann war ein Schwein. Er hat mich betrogen, benutzt und vergewaltigt. Meine Eltern haben mich nur belogen, sie sind gar nicht meine Eltern. Mein Vater hat mich verprügelt, statt mir zu helfen. Und dann kommt ein Mann, der sich so verhält, wie ich es nach den Erfahrungen, die ich bisher in meinem Leben gemacht habe, niemals von einem Mann erwartet hätte. Ich mag dich. Aber eines möchte ich klarstellen. Was deine Schwester und ich im Bett miteinander machen, das geht niemanden etwas an, auch dich nicht. Ich hoffe, ich habe mich da klar genug ausgedrückt. Anja hat es dir schon gesagt. Was du in dem Zimmer machst, das ist deine Angelegenheit. Ich kann verstehen, dass es dich erregt, wenn du uns stöhnen hörst. Wir sind es nicht gewöhnt, uns leise zu verhalten. Bisher hat es niemanden gestört, und es sollte auch dich nicht stören. Du kannst auch gerne eine Frau mitbringen, wenn dir danach ist. Ansonsten werden dir hier nur deine eigenen Hände helfen, weil Anja ist halt deine Schwester und ich bin ihre Frau. Ich habe mir und ihr geschworen, dass ich niemals wieder einen Mann an oder in mich lassen werde, so lieb er auch sein mag. Wie gesagt, dein Zimmer ist, für die Dauer deines Besuches, dein Reich. du musst ja nicht jeden Abend eine andere anschleppen, das wäre uns nicht so angenehm, wie du bestimmte begreifst. Aber, nun ja, wo der Mülleimer für die Taschentücher ist, weißt du ja inzwischen.”
Christopher schwieg dazu. Nach einer Weile sagte er mit leiser Stimme.
„Jetzt hör du mir bitte zu. Es war nicht meine Absicht, euch zu belauschen oder bei euch den Spanner zu spielen, der sich daran aufgeilt, wie ihr es miteinander im Bett treibt. Ich musste mal, und der Weg führt nun mal an eurem Zimmer vorbei. Zu überhören wart ihr nicht, und da die Tür sperrangelweit aufstand, und ich ohne Licht unterwegs war, um euch nicht zu stören, musste ich zwangsläufig einen Blick hineinwerfen, denn es gibt in der Natur nichts Neugierigeres wie einen Menschen. Und soll ich dir verraten, was ich gemacht habe, als ich euch sah? Nein, ich habe mir keinen runtergeholt. Ich bin leise in mein Zimmer geschlichen und habe die halbe Nacht geheult, weil ich neidisch war, voller Neid auf die Zärtlichkeit, die ihr euch geben könnt, Zärtlichkeit, die ich niemals erleben durfte. Und geheult habe ich, weil ich mich schäme, ein Mann zu sein. Denn die Männer haben euch zu dem gemacht, was ihr seid. Zwei Frauen, die einem den Himmel auf Erden hätten geben können, wenn sie nicht durch die Männer so, so…ach, du weißt schon.”
Christopher flossen die Tränen über das Gesicht. Susanna saß da, wie zu Stein erstarrt. Dann legte sie eine Hand auf seinen Arm.
„Christopher, entschuldige bitte. Ich wollte dir gerade nicht weh tun. Ich vergesse manchmal, dass es auch Männer gibt, die Gefühle haben und auch zeigen können. du solltest stolz darauf sein, dass du so bist, wie du eben bist. Und ich bin stolz darauf, dass ich dich kennen lernen durfte. Wir können gute Freunde sein, wenn du möchtest. Möchtest du?”
Er nickte, unfähig, unter seinem Schluchzen nur ein Wort hervorzubringen. Susanna nahm ihn nun in den Arm.
„Freunde sind füreinander da, sie tun alles, um einander zu helfen. Und ich werde alles versuchen, dir zu helfen. Und wenn ich nur Trost für dich bringen kann, wenn du weinst.”
Christopher begann immer heftiger zu weinen, all die Qualen, die er bisher immer stillschweigend geschluckt hatte, sie brachen nun heraus, und alle Dämme konnten den Tränenstrom nicht mehr halten. Susanna hielt ihn im Arm, streichelte ihm übers Haar und tröstete ihn.
„Ja, weine ruhig, es hilft. Tränen reinigen die Seele, sie räumen den Unrat beiseite.”
Er seufzte.
„Immer hört man doch, dass Männer nicht weinen dürfen.”
„Ich glaube so langsam, dass es Männer gibt, die auch die gleichen Bedürfnisse wie wir Frauen haben. Und dazu gehört auch, dass sie Tränen vergießen dürfen. Es ist kein Zeichen von Schwäche, wenn man weint. Im Gegenteil, es ist ein Zeichen von Mut und innerer Kraft, wenn man es sich gestattet, seine Gefühle offen zu zeigen.”
Langsam beruhigte sich Christopher wieder. Er zündete sich mit zitternden Händen eine Zigarette an.
„Danke, dass du mir hilfst. Es ist schon schwer genug, zu leben, aber wenn man auch nur einen Freund hat, ist es schon wesentlich einfacher. Und danke für das Angebot, das mit den Frauen meine ich. Ich glaube zwar nicht, dass ich in absehbarer Zeit eine finden werde, die mich reizen könnte, aber es ist schön zu wissen, ich nicht mit ihr in die Büsche muss.”
Susanna grinste ihn frech an.
„Nun lassen wir mal den Weltschmerz und konzentrieren uns darauf, für deine Probleme ein paar passende Lösungen zu finden. Politik der kleinen Schritte ist nun angesagt.
Also, zuerst müssen wir eine Wohnung für dich finden, damit du Nachts ruhig schlafen kannst. Den Rest finden wir dann auch, auch für dein Gefühlsleben und für deine überschüssigen Hormone wird sich noch was passendes finden.”
Nun musste er wieder lachen.
„Das hört sich gut an. Überschüssige Hormone. Soll ich dir was sagen? Im Moment denke ich weder an mein Gefühlsleben noch an das andere. Für neue Gefühle bin ich noch nicht reif, und das andere möchte ich nie wieder ohne das eine machen.”
„Wie heißt das so schön :Solange ich zwei gesunde Hände habe, kommt mir keine Frau ins Haus? Und die Riesenbox Taschentücher, die Anja mir letzte Nacht gegeben hat, die dürfte eine Weile reichen.”
Nun lachte beide. Es war auch einfach zu albern. Er saß da mit der Freundin seiner Schwester, einer bildhübschen jungen Frau, die alle Männer um den kleinen Finger hätte wickeln können, wenn sie gewollt hätte, und er, der alles verloren hatte, was man nur verlieren kann, inklusive den Glauben an sich selber, und redeten über den Austausch überschüssiger Hormone. Aber das ist nun mal wahre Freundschaft. Glücklich dem, der sie am eigenen Leibe erfahren darf.
Anja stand hinter der Verkaufstheke in der Konditorei, in der sie arbeitete und dachte daran, was ihr Bruder und Susanna jetzt wohl machen würden. Es war ihr nicht entgangen, dass die beiden sich von Anfang an zu mögen schienen, mehr, als es ihrer Ansicht nach nötig wäre. Sie hatte einen kleinen Teufel in ihrem Herzen sitzen, der ihr in den buntesten Farben sc***derte, wie die beiden sich während ihrer Abwesenheit näherkamen.
„Ach was, das ist doch Blödsinn.” schalt sie sich selber eine Närrin.
Aber wenn erst einmal der erste Zweifel im Herzen sitzt, dann beginnt ein Prozess, der unaufhaltsam fortschreitet, bis er alles, was man mit viel Mühe aufgebaut und liebgewonnen hat, zerstört und in Trümmer gelegt hat. Anja war eifersüchtig auf ihren Bruder, dass er den Tag mit ihrer Freundin verbringen durfte. Sie überlegte, wie sie ihm auf dem schnellste Weg wieder eine Wohnung und eine Frau besorgen könnte. Während sie noch über diese Probleme nachdachte, kamen auf sie Probleme ganz anderer Art zu, von denen sie niemals zu träumen gewagt hätte. Diese Problem stand bereits seit geraumer Zeit auf der anderen Straßenseite und war fest entschlossen, sich in das Leben der jungen Frau zudrängen. Und es begegnete Anja an diesem Morgen in Gestalt von Hans, Susannas Noch-Ehemann. Er war es, der ihr über den Weg lief und der sie erst einmal in Atem halten sollte, so dass sie nicht dazu kam, die Augen auf Susanna zu richten oder sich um die Probleme ihres Bruders zu kümmern. Aber vorerst ging noch alles seinen gewohnten Gang, die Routine hatte sie im täglichen Einerlei in der Hand.
Wie gewöhnlich stand sie in der Konditorei, in der sie beschäftigt war und verkaufte den Frauen und Männern, die fast jeden Tag zu ihr kamen, die Sachen, die sie schon in der Hand hielt, wenn sie ihre Kunden schon von weitem sah. Gegen Mittag, als der Morgenbetrieb nachließ, begann sie, wie so oft, von Susanna zu träumen, von ihrem Lächeln, das sie im Schlaf trug, von ihrer Stimme und ihrem Körper. Gefangen in ihren Träumen bemerkte sie nicht, dass schon eine ganze Weile ein Mann vor der Konditorei umherschlich und sie beobachtete.
Gerade als sie an die letzte Nacht dachte, in der sie wieder wie zwei Kometen am Liebeshimmel verglüht waren, öffnete sich mit einem lauten Knall die Tür und ein Mann stand vor ihr, schwer atmend, die Augen blutunterlaufen, das Haar wirr ins verschwitzte Gesicht hängend. Anja sah ihn an.
„Kann ich etwas für Sie tun?” fragte sie höflich, denn es war nicht ihre Art, einen Menschen nach seinem Äußeren zu beurteilen.
Der Mann starrte sie weiter an. Anja lief es nun kalt den Rücken herunter und so langsam bekam sie es mit der Angst zu tun. Immerhin war sie zu dieser Zeit alleine im Geschäft. Und schließlich war es erst vor kurzer Zeit in einem Teeladen, ein paar Ecken weiter, geschehen, dass die Verkäuferin in der Mittagszeit überfallen, vergewaltigt und beinahe getötet worden war. Auch diese arme, unschuldige Verkäuferin war alleine im Geschäft gewesen. Nicht dass Anja Angst hatte, dass der Mann Geld wollte; das wäre ihr egal gewesen, nur hatte sie nicht unbedingt Lust, sein Opfer zu werden, an dem er seinen Trieb abreagieren konnte, und schon gar nicht hatte sie vor zu sterben. Doch war niemand in Sicht, der ihr aus der Misere hätte heraushelfen können. Um ihn abzulenken versuchte sie nochmals, ihn nach seinen Wünschen zu fragen.
„Entschuldigen Sie bitte, aber ich mache gleich Mittagspause, kann ich etwas für Sie tun?”
Sie konnte seinen geilen Blick fast körperlich fühlen; wie er über ihre Brüste glitt, den Bauch hinunter und sich am Saum ihres kurzen Rocks festsaugte, den er jedoch wegen der Theke eigentlich nicht sehen konnte. Anja spürte, wie ihre Brustwarzen sich verhärteten, jedoch nicht aus Erregung, sondern aus Angst. Aber irgendwie kam ihr der Mann bekannt vor, sie wusste nur nicht, wann und wo sie ihn schon einmal gesehen haben konnte. Langsam, als ob er aus einem Schlaf erwachte, öffnete der Mann den Mund.
„Etwas für mich tun? Das ist gut, ja, außerordentlich lustig ist das. Das einzige, was du für mich tun könntest, dazu bist du ja nicht in der Lage; oder irre ich mich und du bist beidseitig bespielbar?”
Anja sackte innerlich zusammen. Was wollte der Irre? Und was faselte der da für einen Schwachsinn?
„Entschuldigen Sie, aber ich verstehe nicht, was….”
Der Mann fiel ihr ins Wort.
„Klar verstehst du, Lesbe. Du suhlst dich ja lieber mit einer Frau herum, als dass du dir einen richtigen Ständer gönnst, der dich bis in den Himmel vögelt. Das wäre mir im Prinzip ja egal, aber du hättest dich nicht an meiner Frau vergreifen sollen. Das war nicht gut, überhaupt nicht gut, denn sie gehört mir, und was mir gehört, nimmt mir niemand weg.”
Schlagartig wurde ihr klar, wer da so plötzlich vor ihr stand. Es war Hans, Susannas Mann. Sie stöhnte auf.
„Was….was wollen Sie von mir?”
„Was ich von dir will?”
Er drehte sich theatralisch im Kreis, die Arme ausgestreckt wie ein Tänzer.
„Diese Lesbe fragt doch allen Ernstes, was ich von ihr will. Ich fass es nicht.”
Er starrte ihr ins Gesicht. Dann brüllte er.
„Ich will meine Frau wieder! Richte der Hure das aus. Sie soll sich gefälligst in ihr Ehebett scheren, wo sie hingehört.”
Er grinste.
„Sie war zwar nie besonders gut, aber praktisch.”
Anja wich langsam zurück, angsterfüllt. Dieser Mann war ja vollkommen irre. Hans ging zur Eingangstür, drehte den Schlüssel herum, der immer steckte und zog das Rollo herunter. Dann sah er Anja wieder an, die langsam in Richtung Backstube zurückwich, um von dort zu entkommen.
„Nana, wo wollen wir denn hin?”
Er hielt ein Messer in der Hand.
„Das lässt du besser bleiben.”
Er fuhr mit dem Daumen über die Klinge bis zur Spitze.
„Weißt du, ich glaube, ich sollte meiner Bitte etwas mehr Nachdruck verleihen. Denn so, wie ich euch einschätze, wird meine Frau keinen Bock haben, zu mir zurückzukommen, schon gar nicht, so lange du da bist und sie dein hübsches Gesicht und deinen, gar nicht mal so üblen, Körper hat.”
Er näherte sich Anja, die vor Angst schwitzte. Das darf nicht sein, dachte sie, das kann nur ein böser Traum sein. Gott, bitte bitte, lass es nur ein Traum sein. Doch als sie seinen Griff am Arm spürte und seinen schlechten Atem roch, da wurde ihr schmerzhaft bewusst, dass dies kein Traum, sondern brutale Wirklichkeit war. Der Kerl hatte etwas mit ihr vor.
„Nun, du Hexe, ich werde dir etwas verraten. Zuerst werde ich dich als Ersatz für Susanna nehmen. Vielleicht bist du ja besser oder musst erst wieder auf den richtigen Geschmack gebracht werden. Und danach, so leid es mir tut, werde ich deinen Körper und dein Gesicht etwas verändern. Es wird danach zwar nicht mehr so gut aussehen, aber du wirst nie mehr die Frau von jemand anderem anfassen, das garantiere ich dir. Denn ohne Sack über dem Kopf wird dich niemand mehr freiwillig ansehen wollen.” Er hob sein Messer und schnitt langsam Anjas Bluse auf.
Ihre Brüste sprangen ins Freie, als er den BH durchtrennte.
„Hallo, gar nicht übel. Mal sehen, was du sonst noch so zu bieten hast.”
Gerade, als er ihren Rock herunterzerren wollte, hörte man eine Stimme aus der Backstube.
„Anja? Bist du da? Wieso ist der Laden zu?”
Anja erwachte aus der Starre, die sie gepackt hatte, als Hans sie das erste Mal berührt hatte.
„Hilfe, Hermann, hier ist ein Irrer…”
Seine rechte Hand, die gerade noch ihre linke Brust zusammengepresst hatte, schoss vor, genau auf ihre Nase. Er zischte.
„Wenn du ein Wort verrätst, mache ich dich fertig.”
Er sprang über die Theke und lief aus dem Geschäft gerade in dem Moment, als der Gerufene in den Verkaufsraum gerannt kam. Hermann sah Anja an der Wand lehnen, das Blut schoss ihr aus der Nase auf ihre nackten Brüste, die stolz hervorstanden. Doch Hermann hatte keine Augen für ihre Schönheit, er sah nur, dass Anja blass und verletzt war. Er zog seine Jacke aus und legte sie ihr um die Schultern, als Anja zusammenbrach. Er fing sie auf und trug sie nach hinten, wo er sie auf eine Bank legte. Mit einem nassen Lappen wusch er ihr das Gesicht und wollte zum Telefon greifen, um einen Krankenwagen und die Polizei zu rufen, da murmelte Anja:
„Bitte, nicht. Es ist doch nichts passiert.”
„Du bist gut. Der Typ schlägt dir die Nase ein, vergewaltigt dich beinahe und du sagst, es ist nichts geschehen.”
Im gleichen Moment kamen ihr Chef und seine Frau zur Hintertür hinein und sahen Anja blutend auf der Bank liegen. Hermann erklärte in kurzen Worten, was er gesehen hatte, und ihr Chef griff sofort zum Hörer. Anja wollte protestieren, aber ihr Chef ließ keinen Widerspruch zu.
„In meinem Geschäft wird niemand überfallen und zusammengeschlagen, ohne dass hinterher keine Anzeige erstattet wird. Das Geld ist mir gleich, wenn man es stiehlt, das kann man ersetzen. Aber du bist mir nicht gleich. In was für einer Welt leben wir eigentlich, dass eine anständige Frau am hellen Tag auf der Arbeit nicht mal mehr sicher ist? Ich hoffe, du erkennst ihn wieder.”
Anja schüttelte nur leise weinend den Kopf.

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