Sex Geschichten wie diese? :
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Meu fado (10)

Das Klopfen in seinem Kopf hörte nicht auf. Zögernd öffnete er die Augen. Trübes Licht sickerte durch die Vorhänge in das triste Hotelzimmer. Ben drehte sich auf den Rücken, spürte etwas Hartes und zog eine leere Scotchflasche unter sich hervor.
Immer noch klopfte es. Ben ließ die Flasche aus der Hand und über den Rand des Betts gleiten. Sehr sachte richtete er sich auf, mit beiden Händen den Kopf festhaltend. Er spürte das Stechen hinter den Augen bis in den kleinen Zeh, untermalt vom beständigen Klopfen.
Ben dämmerte, dass da jemand vor der Tür stand.
„Um momento, por favor.“
Seine Stimme klang heiser. Unartikuliert. Er tastete in seinen Mund, wunderte sich, wie ein gammliges Stück Hundefell da reingekommen war. Aber als er danach tastete und zog, war es eindeutig seine eigene Zunge. Ben ließ seine Beine über die Bettkante gleiten, rutschte direkt hinterher und landete unsanft mit dem Steiß auf der leeren Flasche.
„Tudo bem?“
Sein kurzes Jaulen fetzte durch seinen Kopf und durch den Schmerz plötzlich klar im Kopf, antwortete Ben Louis Frage nach einem tiefen Durchatmen mit einem „Tudo bem!“. Er fügte nach einer weiteren Pause hinzu: „Aber eine Tasse Kaffee wäre jetzt klasse!“. Louis brabbelte irgendwas hinter der Tür. Scheinbar wartete jemand in der Lobby. „Schick‘ ihn mit dem Kaffee rauf. Und jetzt verschwinde!“
Louis schnaubte hörbar. Dann entfernenden sich seine Schritte über den Flur.

Ben zog sich an der Bettkante hoch, stand erst eine Weile etwas unsicher und schlich in kleinen, behutsamen Schritten ins Bad. Das aufflammende Licht knallte auf seine Netzhaut. Er tastete sich mit geschlossenen Augen bis zur Armatur, kippte den Hebel hoch und beugte dann den Kopf unter den rauschenden, kalten Wasserstrahl. Der stechende Schmerz hinter seinen Augen trat in den Hintergrund und machte Platz für seinen südlichen Bruder: Da, wo sich der Dimple verewigt hatte. Mit verblüffender Sachlichkeit stellte Ben fest, dass man nicht zwei Schmerzquellen gleichzeitig spüren kann. Dann krampfte er zusammen und kotze Galle in das Becken.

Luis verließ kopfschüttelnd das Zimmer, eine leise klirrende Tüte hinter seinem Rücken versteckt, weil seiner Meinung nach die leeren Flaschen lieber nicht von dem Zimmermädchen entsorgt werden sollten. Den Besuch hatte Louis natürlich nicht mit hochgenommen. Ben war das egal. Mit beiden Händen hielt er die große Tasse Kaffee vor seinem Mund, schlürfte hörbar daraus und schielte dabei über ihren Rand auf sein Smartphone. Nach Tagen hing es am Ladegerät und erwachte gerade wieder zum Leben.

Immerhin hatte er offenbar aus dem Elefante noch eine Mail an Eli und Thomas geschickt, um sich für „ein paar Tage“ abzumeldet. Dazwischen waren zwei Wochen vergangen. Sein Postfach lief daher unter seinen Augen voll. Unter den anderen Mails sah Ben eine von Fiona, die offenbar mindestens ein Dutzend Mal ohne eine Nachricht zu hinterlassen auf seiner Mailbox gelandet war. Ben wiederstand dem Drang, ihre Mail zu öffnen. Er scrollte weiter, stutzte, weil da zwei weitere Anrufe von einer unbekannten Rufnummer auftauchten und rief die Nachrichten ab. Eine irgendwie vertraut und amüsiert klingende Stimme:
„Buna Ben! Wie geht es Deinem armen Kopf? … Ruf mich an, wenn Du ausgeschlafen hast. Oder soll ich zum Wecken vorbeikommen? Grrrr! Kuss!“
Ben stellte die Tasse ab. Also hatte er sich wieder mit Diana getroffen? Grübelnd strich er sich über sein Kinn, konnte sich aber im Moment einfach nicht erinnern.
Die zweite Stimme erkannte er sofort.
„Hej Ben! Werd‘ am Donnerstag einen Zwischenstopp in Lissabon machen und dachte mir, dass ich einfach bei Dir vorbeischneie. Fernanda sagt, Du wärst im ‚Lisboa‘? Fein! Bin so gegen Mittag da. Bis dann!“
Melanies Stimme erkannte er sofort. Aber wieso „vorbeischneien“? Wahrscheinlich ging es nicht um seine letzte Steuererklärung, die Melanie für ihn gemacht hatte. Sie hätte ihm erstmal wegen seiner schlampigen Buchhaltung eine Standpauke aufs Band gesprochen. Und sie wäre sicher deshalb nicht extra rüber geflogen. Selbst wenn es Probleme gäbe. Sie hätte längst das grade gebogen. Er vertraute ihr einfach und sagte zu allem „Amen“, was sie ihm vorschlug. Das Display seines Smartphones zeigte außerdem ein ganz neues Foto von ihr. Kurzes, braunes Haar und das nette Lächeln. Aber seit wann trug sie tief ausgeschnittene Blusen? Sie musste ihr Profilbild im Netz aktualisiert haben. Als dann sein Blick auf die Datumsanzeige fiel, entfuhr ihm ein „Scheiße!“. Es war bereits Donnerstag. Und es war schon zwanzig nach Mittag. Er stürzte sich ins Bad.

Unter dem stellenweise grau schimmernden Bart legte die Rasur das vertraute Gesicht frei. Etwas blasser, schmaler und müde. Das linke Auge sah noch etwas verschwollen an und da, wo die Haut über dem Wangenknochen aufgeplatzt war, hatte sich eine schorfige Kruste gebildet. Sein Gesicht sah nach einer Generalüberholung aus und auch das Haar konnte einen Schnitt vertragen. Lange befummelte er eine Strähne, die silbrig aus dem dunklen Schopf hervorstach, beugte sich dabei weiter vor und gab ein frustriertes Grunzen von sich, weil die Strähne Metastasen quer über den ganzen Schopf gebildet hatte.
Dann fiel sein Blick auf die Kratzspuren auf seinen Schultern, er drehte sich leicht seitlich und sah, dass sie sich seinen Rücken hinab fortsetzten. Vor seinem geistigen Auge wischten Bilder vorbei von roten Haaren, schaukelnden Titten mit zylindrisch vorstechenden Nippeln inmitten schwellender Vorhöfen. Direkt vor seinem Gesicht. Ein roter Mund darüber, hechelnder Atem. Und lange, dunkelrote Fingernägel, die sich in seine Haut bohrten und ihn nur dazu brachten, tiefer in diesen feuchten, glühend-heißen, alles verzehrenden Rausch zu tauchen…

Vorsichtig betastete der die Kratzspuren. Er schüttelte den Kopf und sah seinem Spiegelbild traurig in die Augen. Er konnte… und dann wollte er sich nicht erinnern. Mit leerem Blick wischte er sich den letzten Rest Rasierschaum von der Wange und griff nach dem frischen Hemd, streife es im Hinausgehen aus dem Bad über. Gerade, als es wieder an der Zimmertür klopfte.

„Ich bin noch nicht fertig, Melanie…“ Er stockte. Große, bernsteinfarbene Augen schauten unter einer Wolke rotbraunen Haars zu ihm auf und im nächsten Moment fühlte er Arme, die sich um seinen Hals warfen, Dianas kleinen, festen Körper, der der Bewegung folgte und ihn zum Taumeln brachte. Ben fiel plötzlich wieder ein, wie er sich das Veilchen eingefangen hatte. Aber was ihn vollends irritierte, war Melanies breites Grinsen, mit dem sie hinter Diana im Gang stand.

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