Meu fado (8)

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Elefante, Hippo, die Gallery oder das Black Tie. Es war vollkommen egal, in welchen dieser Clubs man ging. Ban war oft genug von Typen wie Thomas dort hingeschleppt worden, weil sich dort zuverlässig hübsche Mädels fanden, die für Kohle ihre Beine breit machten. Diese Abstecher hatten den Effekt, dass Ben inzwischen bei den Türstehern mit Handschlag durchgelassen und von den meisten Mädels in Ruhe gelassen wurde. Er stand nicht auf Pay-Sex. Und machte daraus keinen Hehl.
Aber dieser Abend war anders. Genau, wie die Nächte davor, seit er bei einsetzendem Regen vollkommen durchnässt unter den Baldachin getreten war, und Joao, ein bulligen Kerl aus Angola, ihn mit Handschlag begrüßt hatte. Eigentlich hatte es Ben direkt an die Bar gezogen. Aber jetzt stand er neben dem Türsteher und dezimierte mit ihm seine letzte Packung Finas. Joaos Schwäche für orientalischen Tabak war der Beginn für ihre Freundschaft gewesen. Es wurde immer schwieriger an Nachschub zu kommen, seit dem der Verkauf in der EU verboten worden war. Andererseits hatte Ben mit der einen oder anderen Stange über Joao Karten für Konzerten aushandeln können, die sonst nicht zu ergattern gewesen wären. Peter Gabriell, Metallica… und einmal sogar eine Gala mit Angela Gheorghiu.
Joao zeigte grinsend Konzertkarten, als Ben zum Rauchen vor die Tür trat. Ben winkte zwar ab. Joao versuchte ihm trotzdem die Karten unterzuschieben. Als Dank dafür, dass Ben seinem kleinen Bruder ein Praktikum vermittelt hatte. Daraus entsponn sich eine längere Diskussion, während der immer wieder einige der im Club professionell arbeitenden Damen und Tänzerinnen für eine kurze Raucherpause raus kamen. Und sich zu ihnen unter das Vordach stellten, eng in den übergeworfenen Mantel gehüllt. Sie machten Späße mit Joao und streuten Bemerkungen über das miese Wetter draußen und die miesen Gäste drinnen ein.
„Warst Du nicht vor einer Woche mit diesen durchgeknallten Typen aus England zusammen hier?“ Eine Hand auf die ausgestellte Hüfte gestemmt stand eine kleine Rothaarige vor Ben und schaute herausfordernd von unten herauf zu ihm hoch.
„Wieso? Hast Du vergessen, Dir vorher die Kohle geben zu lassen?“ gab Ben etwas barsch zurück.
„Ah, wo Du herkommst nennt man das wohl Manieren, so mit einer Frau zu reden?“ Sie spitzte missbilligend die Lippen und sah tatsächlich beleidigt aus. Offenbar hielt sie ihn nicht für einen potentiellen Klienten. Oder war hier draußen, außerhalb des Clubs, in Zivil. Ben war dieser Unterschied bei den Models schon öfter aufgefallen.
„Okay. Ja, ich hatte diese durchgeknallten Engländer sogar in den Club gebracht. Sorry, wenn sie zu durchgeknallt waren. Waren sie sehr schlimm?“
„Schlimm?! Du scheinst ja selbst gute Gründe zu haben, meistens hier draußen zu stehen, wenn diese Schaff*** er allem zwischen die Beine gehen, was keine Hose trägt.“
Ben sah amüsiert ihre wütender Blick, grinste sie an und fragte: „Wie heißt Du?“
Zögernd antwortete sie: „Nenn mich Diana.“
„Diana, ich bekomme täglich mit, wie diese Typen die Firma ficken, in der ich arbeite. Ich muss mir dann nicht auch noch ansehen, was die mit Euch machen. Deshalb stehe ich lieber hier draußen bei Joao.“
Sie schnitt ihm ein Gesicht.
„War mir schon klar, dass Du eher auf große, schwarze Männer stehst.“ Sie knuffte dabei Joao, der ihr theatralisch seine großen Hände um den Hals legte und mit gekünstelt weinerlicher Stimme klagte: „Diana, musst Du mir jeden Flirt kaputt machen? Ich hatte ihn beinahe soweit!“
„Danke für’s Kopfkino!“ Diana verdrehte ihre erstaunlich hellen, fast bernsteinfarbenen Augen. „Und nimm Deine haarigen Wichsgriffel aus meinem Gesicht! Einige müssen damit noch ihr Geld verdienen!“ Spielerisch trat sie nach Joaos Schienbein.
Ben lachte mit den beiden und wand sich fragend an Joao: „Benehmen sich die Mädels hier immer so?“
„I wo! Dianas Tritte sind harmlos. Isa hätte mich gebissen.“ Dabei deutete er mit einem Nicken auf die große, schlanke Schwarze hinter ihm, die bei der Bemerkung überrascht ihre Augen aufriss.
„Du Arsch! Voll gelogen. Das ist schon Tage her!“ Ihre rauchig dunkle Stimme ließ Ben aufhorchen und er sah sich die ebenholzfarbene Schönheit genauer an, die gerade Joao gekonnt eine Kopfnuss verpasste. Unter dem kurzen Trench erkannte Ben einen gertenschlanken Körper, eine hohe Taille und die Rundungen eines festen Busens, umhüllt von einem mit Pailletten besetzten Etuikleid. Fast wie die Haut eines schillernden Reptils. Dann wurde das Gerangel von einem sprechenden Kopf unterbrochen, der in der Türklappe erschien. „Isa, der kleine Dicke will Dich unbedingt sehen.“
„Ja, ja. Ich komme gleich.“ Leicht genervt warf sie ihren Kopf in den Nacken. „ Hach, immer diese kleinen, dicken Perversen. Wieso fahren diese Zwerge immer darauf ab, wenn sie eine große Schwarze bespringen könnten.“ Sie zwinkerte Ben zu, drehte sich betont affektiert zur Tür und schnippte lässig einen halb gerauchten Zigarillo über das Geländer in den Regen. Ben war sich nicht sicher, ob nicht die eine oder andere Überraschung zwischen Isas langen Schenkeln auf den kleinen Dicken lauerte. Oder wer letztlich wen bespringen würde.
„Wo kommst Du her?“ Dianas Frage riss Bens Gedanken wieder zurück.
„Pardon?“
„Du musst nicht antworten.“
„Deutschland. Ich war gerade mit den Gedanken woanders.“
„Vermutlich zwischen Isas Beinen?!“ Diana grinste wissend.
„Erwischt!“ Ben kramte die Packung hervor und schüttelte traurig eine letzte Zigarette heraus. Aus Höflichkeit bot er sie Joao an, der aber gerade damit beschäftigt war, zwei schmierig wirkende Russen klar zu machen, dass sie nicht reingelassen werden würden. Also steckte sie Ben sich zwischen die Lippen, fühlte dieses charakteristische Oval und zündete sein Feuerzeug. Der süß-aromatisch vollmundige Geschmack nebelte seine Gedanken für einen Moment ein. Dann wandte er sich an Diana, die den wütend schimpfenden Russen einen erstaunlich langen Mittelfinger nachschickte.
„Und Du?“
„Rumänien. Aus Iasi.“
„Iasi? Hübsche Stadt. Liegt die nicht an der Moldawischen Grenze.“
Diana schaute Ben erstaunt an. „Du kennst Iasi? Warst‘ mal da?“
„Ein Freund gab Gastvorlesungen an der Polytechnischen Uni. Weil ich damals – 2008 – gerade in Temeswar war, habe ich ihn öfter mal besucht.“
„In Temeswar?“
„Nein, nicht in – wie heißt das bei Euch? – Timisoara. In Iasi.“
Diana machte ein genervtes Geräusch. „Hatte ich schon verstanden. Aber wieso warst Du in Timisoara?“
„Job. Genau wie hier in Lissabon.“
„Chefs in Clubs fahren?“ Die Art, wie sie ihre schmalen Brauen hochzog und dabei ihre Lippen spitzte, hatte etwas ausnehmend Provokantes. Ben bemerkte, dass ihm das gefiel.
„Ach. Gibt es etwa Clubs in Temeswar – Timisoara – oder wie auch immer?“
„Jede Menge. Und alle kontrolliert von Securitate-Leuten.“
„Securitate? Hört sich fies an.“
„Du willst es nicht wissen.“ Dianas Blick richtete sich für einen Moment an Bens Kopf vorbei auf etwas Fernes und ihre hellbraunen Augen verdunkelten sich kurz, während ihre vollen Lippen schmal wurden.
„Hast Du einen Hund?“
Ben verstand die Frage nicht und zuckte mit den Schultern. Etliche Gläser Scotch an der Bar hatten seinen Kopf nicht schlauer werden lassen.
„Ich musste meine Bella da lassen. Und noch einiges mehr.“ Sie drehte ihren Kopf zur Seite und starrte die Straße hinauf.
„Ich glaube, ich versteh‘.“ Ben sah ihr in die Augen und blieb an ihnen hängen. Das Weiß glitzerte schwach im Zwielicht und ihre Pupillen schienen dunkler zu werden.
„Tust Du das?“ Zögernd wandte sie ihren Blick von Ben ab. Dann setzte sie mit ein Lächeln nach: „Egal. Was lehrte Dein Freund?“
„EU-Recht.“
Ihre Brauen hoben sich. „Ein Deutscher? In 2008?… Wie hieß er? … Stefan Wagner?“
„Ja, genau!“ Ben war verblüfft. „Du kennst ihn?“
„Seine Vorlesungen waren cool.“ Ihr Grinsen wurde breit und verwandelte ihr Gesicht in einer Art, die Bens Atem kurz stocken ließ. Wie sie wohl ohne das Makeup aussehen würde? Dann fing er sich.
„Er hat nie erwähnt, was für Schönheiten in seinem Auditorium sitzen.“ Hatte er das gerade wirklich gesagt? Er versuchte mit einem schiefen Grinsen der Bemerkung einen komischen Akzent zu geben und schob ein „So’n Schuft!“ hinterher.
„War das etwa ein Kompliment?“ Diana unterstrich die Frage mit einem offenen Lächeln. Sie schien tatsächlich überrascht.
. „Was? Von mir?“ Er hob abwehrend seine Hände und deutete mit den Daumen auf Joao.
„Du weißt doch: Ich stehe auf große, schwarze Türsteher.“ Vielsagend zog Ben eine Braue hoch und zeigte Diana seine Zähne.
Diana lachte, rückte näher an ihn heran, zog eine Hand, die sie unter die Aufschläge des Mantels geschoben hatte, hervor. Und versetzte Ben einen Knuff.
„Du scheinst in Ordnung zu sein. Wie heißt Du?“
„Benedikt.“ Dabei deutete er eine Verbeugung an und ließ die Hacken zusammenknallen. „Für nette Menschen gerne ‚Ben‘.“
„Hättest Du Lust, mir einen Kaffee zu spendieren? Mir ist es hier auf Dauer zu kalt.“
„Gibt es Kaffee im Club? Wieso sagt mir das keiner?“ Anklagend schaute er zu Joao rüber, der aber diesmal damit beschäftigt war, einen besoffenen Gast davon abzuhalten, gegen die Balustrade zu pissen.
„Quatsch!“ Diana hakte sich bei Ben unter. „Über die Kreuzung ist ein Nachtcafe. Ich zeig‘s Dir.“ Ben schwankte leicht. „Und ein starker Kaffee täte Dir offenbar auch gut.“

Ihre Küsse schmeckten nach Zimt, Mokka. Ihr dichtes Haar duftete nach Mandelöl. Unter dem langen Daunenmantel hatte sich ein sinnlicher Körper versteckt, der sich nackt und vollkommen auf dem Bett auf ihm räkelte, streckte. Sie betrachtete ihn dabei nachdenklich.
„Du bist ein hungriger Mann.“
„So?“ Ben ließ seinen Kopf auf die Matratze zurückfallen und streichelte ihr Haar.
„Ich frage mich nur, wonach.“
Ein wenig höher rückend, suchte sie seinen Blick, hauchte einen Kuss auf seine Lippen.
„Vielleicht nach …“ Er fühlte, wie sie ihre warmen Schenkel enger an seine Hüfte legte und mit ihrer feuchte Vulva sanft über seinen Schwanz glitt. Dabei umspielte ein Lächeln ihren Mund, das durch die hochgezogene Braue und ihren belustigten Blick so unglaublich provokant wirkte. Er setzte sich auf. Überrascht von der Leichtigkeit ihres eng an ihn gepressten Körpers.
„…mehr von Dir.“ Vollendete er ihren Satz. Sie zog ihre Unterschenkel hoch und legte sie dann um ihn, die Fersen an seinen Po gedrückt. Ben genoss den Druck ihres Schoß‘ auf seine wachsende Erektion. Und die Art, wie sich ihre Lust in ihrem Gesicht widerspiegelte. Ihr kleiner Mund über dem ovalen Kinn war leicht geöffnet und als sein Glied wie von selbst ihre Schamlippen teilte, biss sie sich auf ihre volle Unterlippe, ließ sich in seine Arme zurückfallen, die Augen geschlossen, ganz dem Gefühl hingegeben.
Es war, als hätte jemand unvermittelt den Ton weggeschaltet.
Ben blickte auf den seidigen Schimmer auf ihrer Haut, die kleinen Reflektionen des Lichts, die über die Rundungen ihrer festen Brüste huschten, wenn sie ihr Becken hob und dann ihn wieder in sich aufzusaugen schien. Sie hielt sich mit ausgestrecktem Arm an seinem Nacken fest, ihr schlanker Hals überstreckt, den Kopf in den Nacken geworfen.
„Du bist …“ Ben stockte. Sie sah ihn an, kleine, steile Falten zwischen ihren Brauen und große Augen, weit geöffnet, ihr Mund zu einem tonlosen O geformt. Ein Ausdruck fast schmerzhafter Leidenschaft, der seine Wahrnehmung vollkommen gefangen nahm und alles um ihn herum und sogar seinen eigenen Körper auszublenden schien. Er hob seine Hand, berührte ihre Wange, zögernd, tastend, ungläubig. Sie hielt in ihrer Bewegung inne, sah ihn jetzt wirklich an, erst verwirrt, dann mit einem strahlenden Lächeln, als könne sie in seinen Augen lesen, was er nicht ausgesprochen hatte. Dabei schmiegte sie ihr Gesicht in seine Handfläche, zog sich näher an seine Brust. Und hielt seine Hand. Hielt sie sanft fest und ließ nicht zu, dass er sie von ihrer Wange nahm.
„Schht! … Bleib so! Bitte! Genau so! … Du bist so unglaublich … bezaubernd, … zum Verrückt werden schön!“ Auf sein gepresstes Flüstern antwortete Diana mit einem zarten Kuss. Dann legte sie seine Arme um ihre Taille, nahm sein Gesicht in ihre Hände und drückte ihn an ihren Busen. Er fühlte, wie sie ihre Lippen auf seinen Scheitel drückte, spürte ihren Herzschlag, die Wärme ihres Körpers. Etwas schien seine Kehle zusammenzuschnüren und nahm ihm den Atem. Dann war es, als bräche etwas in ihm. Seine Hände legten sich auf ihre Schultern, drückte sie zu ihm, auf ihn hinunter. Wildes Drängen durchflutete ihn, als er sich auf seine Knie erhob, Diana fest in seinen Armen, sie dann auf das Bett gleiten ließ, ohne sich aus der engen Umklammerung ihrer Bein zu lösen. Befeuert von der pulsierenden Enge, mit der sie seinen Schwanz umfing, presste er sein Becken gegen ihren Schoss, glitt tief in sie, sich an ihr reibend, in ihr kreisend, anstoßend … zurückgleitend… verharrend und dann wieder tief in sie versinkend… Dabei blieb sein Blick unverwandt auf sie gerichtet, unfähig, sich von ihren Augen zu lösen, von diesem erstaunten Ausdruck, ihrem Mund, den kleinen Tränen, die über ihren Wangen liefen, als ein erstes Beben durch ihren Unterkörper lief, sie sich um sein Glied zusammenkrampfte und sich ihre Finger in seinen Rücken krallten. Ben japste auf, fühlte den süßen Schmerz bis in seine Lenden, wie sich tief in seinem Unterleib alles zusammenzog und eine unerträgliche, atemlose Spannung aufbaute. Er hörte, wie sich endlich sein rasselnder Atem zu einem wilden Schrei steigerte. Dann sackte er auf Dianas sich noch immer aufbäumenden, zitternden Körper, seine Lippen suchten ihren geöffneten Mund und die Berührung sandte ein zweites Mal konvulsive Schockwellen durch ihn hindurch.
Schwer atmend fand er sich auf Dianas Brüsten liegend wieder. Ihre langen, schlanken Finger strichen sanft durch seine feuchten Haare. Ben genoss den Moment, ihr Streicheln und den Duft ihres erhitzten Körpers. So sehr im Hier und Jetzt, dass selbst der Wunsch, der Moment möge bleiben, vollkommen absurd wirkte. Er brummte wohlig und küsste mit gespitzten Lippen die zarte Haut ihrer Brüste, fühlte mehr, als dass er es hörte, wie Diana kicherte. Ließ sich von ihrem Lachen anstecken.
‚Ein perfekter Moment.‘ dachte Ben. Dann wandte er sein Gesicht zu Diana und öffnete seine Augen, lächelte sie an, verlor sich erneut in ihren magischen Augen.

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