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Späte Erleuchtung – Schwul, na und?

Jede dieser neuen Erfahrungen brachte mich brachte mich ein Stück näher an die Community heran; jetzt war ich mir sicher – ich gehöre dazu! Ja – Ich bin schwul! Doch wenn man endlich soweit ist, dass man es selbst erkannt hat – wem sagt man es zuerst? Mit wem kann man darüber reden? Tina, meine Frau, wusste es ja schon, denn meine kurze, aber intensive Beziehung zu meinem Traummann war ihr natürlich nicht entgangen. Aber nun wollte ich endlich, dass möglichst viele es wissen – so nach und nach. Dank vieler lieber Freunde und der Erlebnisse mit anderen Männern war ich – nach vielen langen Jahren – nun endlich soweit, dass ich offen und ohne Scheu sagen konnte: Ich bin schwul – Na und? Es gab in dieser Zeit sehr viele Ups und Downs – Zeiten, in denen ich ständig von einer Seite zur Anderen wechselte. Doch jetzt, mit Mitte 40, wollte ich es einfach nur loswerden – obwohl mir schon bewusst war, dass ich sicherlich auch auf einige Hindernisse stoßen würde. Zunächst versuchte ich, an möglichst vielen schwulen Events teilzunehmen, soweit es meine Zeit erlaubte; auch traf man mich immer öfter in den Szene- Locations an. Zunächst noch recht zaghaft (hoffentlich sieht mich keiner, der es noch nicht weiß), dann immer offener und lockerer, feierte ich mit den Freunden – am Pink Monday auf der Kirmes, im Karneval, zum Weihnachtsmarkt bei den Tunten on Ice…. Heute würde ich auch Hand in Hand mit meinem Schatz gehen und ihn auf offener Strasse küssen… damals habe ich genau aus diesem Grund meinen Freund verloren. Wie sagte doch mein Pfarrer so schön: „Liebe kennt keine Geschlechter… (…)“. Ich habe mich verändert – sowohl äußerlich (wer genau hinschaut, merkt es, auch wenn ich ein Handtäschchen dabei habe), als auch von meiner Einstellung (mit Frauen kann ich nichts mehr anfangen, auch wenn mir in allen möglichen Boulevard- Blättern und zu anderen Gelegenheiten attraktive nackte Brüste präsentiert werden). Ich habe kein Problem damit, mich zu verkleiden, mich anzumalen (oder anmalen zu lassen), oder einfach nur nackt zu sein. Heute lade ich mir gerne gute Freunde ein – nur, um gemeinsam Spaß zu haben oder manchmal auch für ein bissel mehr. Nach über 12 Jahren Ehe mit einer Frau bin ich nun endgültig zum „anderen Ufer“ gewechselt –ich fühle mich frei und es geht mir verd… gut!

Aber: wo fange ich an, es den Anderen zu sagen? Zuerst musste Geli, eine liebe, alte Freundin, die ich seit über 30 Jahren kenne, und mit der ich eigentlich schon immer gegenseitig Probleme und Sorgen ausgetauscht habe, daran glauben. Ich traf mich mit ihr in einem Biergarten; am Telefon hatte ich zunächst noch nicht viel erzählt. „Ich brauche jemanden zum Reden“ – das war alles, was ich ihr gesagt habe. Ihre Antwort war kurz und eindeutig: „Ok – wann und wo?“ Eine tolle Frau! Ich nannte ihr die Adresse, und sie war pünktlich dort. Wir bestellten uns etwas zu trinken, dann kam sie direkt auf den Punkt. „Was ist los?“ Warum nun noch drum herum reden? Schließlich hatte ich sie ja um das Gespräch gebeten… „Ich glaube, ich bin schwul…“ Geli sah mich an – und sagte nichts. Erst nach einer kurzen Pause meinte sie trocken: „Das weiß ich. Na und?“ Booah! Mit dieser Reaktion habe ich nun absolut nicht gerechnet! Es wurde ein toller Nachmittag, wir unterhielten uns noch bestimmt zwei Stunden, bevor wir uns trennten.
So nach und nach fiel es mir immer leichter, in meinem alten Freundeskreis mit der Wahrheit „herauszurücken“. Einer nach dem Anderen erfuhr von meiner Homosexualität, und eigentlich haben alle sehr positiv darauf reagiert. Keiner meiner Freunde ist „abgesprungen“, nur weil er damit nicht klar kam. Nun gab es nur noch zwei Hindernisse: meine Firma und damit die Kollegen, und meine Eltern. Im Betrieb geht das eigentlich keinen etwas an – also war das zunächst kein Thema. Meinem Vater wollte ich es ganz vorsichtig beibringen – immerhin war er ja auch schon Mitte 60, und ich hatte keine Ahnung, wie er reagieren würde. Also begann ich, vom CSD zu erzählen, und wie viel Spaß ich daran habe. Er reagierte beinahe, wie ich es erwartet hatte: „Wie kommst Du denn dazu, Du bist doch nicht schwul!“ Sollte ich es ihm jetzt direkt sagen? Vielleicht wäre es besser gewesen, doch ich redete mich raus. Ich spürte, dass er mir nicht glaubt, was ich ihm da am Telefon erzählt habe (immerhin ist er mein Vater, und kennt mich nur zu genau!). Ok, wie auch immer – zunächst beendeten wir ohne echtes Ergebnis das Gespräch; doch ich war mir fast klar, dass er es nun wusste. Es wird sich in der nächsten Zeit zeigen, wie er darauf reagiert…. Und ich war verblüfft, dass ausgerechnet mein Vater schließlich meinte: „Dann ist es eben so – wenn Du glücklich bist, ist ja alles in Ordnung. Und Du bist und bleibst unser Sohn.“ Inzwischen wissen auch meine Arbeitskollegen Bescheid – von zwei oder drei Kollegen wurde ich bereits direkt darauf angesprochen, die Anderen nehmen es scheinbar zur Kenntnis. Ich stehe nach wie vor auf dem Standpunkt: Wer Probleme hat, damit umzugehen, sollte mich einfach in Ruhe lassen. Ich lebe offen schwul – jeder, der es wissen will, kann es wissen. Auch wenn ich mir sicherlich kein Sc***d um den Hals hängen werde, mache ich aber auch kein Geheimnis mehr daraus. Ich bin so, wie ich bin, und ich möchte auch kein Anderer sein. Heute, im 21. Jahrhundert, sollte jeder Mensch so leben und sein können, wie er es möchte – auch in sexueller Hinsicht. Homosexualität ist keine Krankheit. Doch eines sage ich auch ganz deutlich: Sex ohne Kondom ist gefährlich! AIDS tötet! Ich habe schon in sehr jungen Jahren miterleben müssen, wie grausam es ist, an dieser Krankheit zu sterben.

6. Schwul – na und?

Immer wieder gab es für mich neue Beobachtungen, Erlebnisse und kleine Abenteuer – und ich habe – auch nach meinem Coming Out – noch eine ganze Zeit gebraucht, um mir selbst wieder treu zu werden und auch innerlich dazu zu stehen. Noch immer schwankte ich ein wenig. Erst im Laufe der Zeit und mit Hilfe vieler neuer Freunde aus der Szene fiel es mir immer leichter. Über den CSD- Verein schloss ich neue Bekanntschaften mit Künstlern, schwulen Communities, Jugend- und Präventionsgruppen. Auch politisch engagierte ich mich nun mehr; angefangen von meiner Unterschrift auf Petitionen, über Flashmobs bis hin zur Teilnahme an politischen Veranstaltungen für die Gleichberechtigung schwuler und les-bischer Lebenspartner. Es war auf einmal nichts Besonderes mehr…. Und doch tat ich es zu Anfang in der Gewissheit, in der Anonymität der Großstadt unauffällig und unerkannt zu bleiben – sobald ich jemanden bemerkte, der mich kannte, zog ich mich ein wenig zurück. Erst so nach und nach wurde ich selbstbewusster – jede Veranstaltung, an der ich teilnahm, bestärkte mich etwas mehr. Auch erwischte ich mich in der Anfangszeit dabei, mich noch einmal umzuschauen, bevor ich zum Beispiel ein Szene- Lokal betrat. Inzwischen bin ich darüber hinweg; wem es nicht gefällt, dass ich auf dem Schoß meines Freundes sitze, wir Hand in Hand durch die Straßen laufen oder uns küssen, der soll doch einfach wegschauen. Nach diesen ganzen Abenteuern, Erlebnissen und Beziehungskisten (insbesondere der mit meinem Traummann) konnte ich mir nun endlich sicher sein: Ich bin schwul – na und? Es war ein befreiendes Gefühl – und einfach nur schön. Auch wenn es im Prolog vielleicht nicht so klingen mag – ich bin davon überzeugt, dass eines Tages der Mann auftauchen wird (oder vielleicht schon längst da ist und wartet), mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen möchte. Mein Leben hat sich verändert – ich habe mich verändert; und doch bin ich noch immer der, der ich mal war.

Heute sage ich allen, die es hören wollen: Ich bin schwul – und das ist auch gut so!

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