Geheimnisse von Nonnenwerder

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Der verbotene Wald

Wenn man sich nie an Grenzen gehalten hat, dann ist ein verbotener Wald mehr ein Magnet denn eine Warnung, sich davon fern zu halten. Wobei die Bezeichnung Wald fand ich wirklich übertrieben. Dieser spezielle Wald bildete die siebenhundert Meter lange, aber nur achtzig Meter breite nördliche Landspitze der Insel Nonnenwerder. Und warum es verboten sein sollte, dort hin zu gehen, das wurde auch nicht genau erzählt. Sie sprachen von wilden Tieren. Aber mal ehrlich, was sollen denn für wilde Tiere auf einer Insel leben? Ratten und Mäuse? Die wilden Tiere mussten ja auch irgendwie auf die Insel gekommen sein.
Was natürlich an so einem Inselende gefährlich ist, war die um das Ende auftretende Strömung. Hier durfte man auf keinen Fall ins Wasser gehen, noch nicht mal mit den Füßen. Eine Welle von einem der vorbeikommenden Schiffe, und man wurde unweigerlich in den Fluss gesogen. Im Rhein waren schon viele ertrunken, die diese Gefahr unterschätzt hatten. Und so weit von den Gebäuden des Klosters entfernt, würde das keiner mitbekommen. Man wäre einfach nur weg.
Da ich also um die Gefahren wusste, sah ich keinen Grund, mich von dem verbotenen Wald fern zu halten. Ich wollte ihn unbedingt erkunden und vielleicht auch den Mythos um die wilden Tiere in diesem Wald aufklären. Das würde auf jeden Fall ein Abenteuer. Meine Clique hatte da vollkommen unterschiedliche Ansichten.

„Ich hasse Spinnen“, sagte Vanessa.
„Das wissen wir, aber dort werden kaum Vogelspinnen und schwarze Witwen leben. Alles andere kann man getrost überleben“, stellte Anna fest. „Ich bin dabei.“
„Und wenn uns da was Größeres begegnet?“, fragte Cloe vorsichtig.
„Eine Maus?“, fragte Anna. „Kann man streicheln. Ich bin immer noch dabei.“
„Da gibt es bestimmt Ratten“, warf Vanessa ein.
„Kann man auch streicheln. Ich bin noch immer sowas von dabei.“ Annas Augen leuchteten regelrecht.
„Okay. Dann wird es wohl nur Anna.“
„Wer hat den gesagt, dass ich nicht mitkomme“, fragte Cloe.
„Weil du das mit den Ratten aufbrachtest.“
„Die mag ich halt nicht so. Aber hier auf der Insel sind die bestimmt nicht so nass und glitschig.“
„Reden wir vom gleichen Tier? Nicht von einem Biber? Für den wäre der Rhein zu groß zum Aufstauen“, witzelte Vanessa.
„Sehr witzig. Aber du könntest das ja herausbekommen, wenn du nicht so einen Schiss vor Spinnen hättest.“
„Ich komme doch schon mit. Wann soll es denn losgehen.“
„Nächste Wochenende, wenn die anderen im verlängerten Wochenende wegen des „Tags der deutschen Einheit“ sind. Dann können uns auch weniger Leute verpetzen“, schlug ich vor. Vanessa machte ein bedrücktes Gesicht.
„Das ist mein Wochenende mit Jelena.“
„Ich dachte, die darf nicht an dich ran.“
„Wir wollten skypen.“
„Das kannst du doch anschließend immer noch machen. Ich denke nicht, dass wir die ganze Nacht in dem Wald bleiben. Zwei Kilometer hin und zurück werden ja wohl nicht länger als zwei Stunden dauern. Dann dürfte der Mythos um den verbotenen Wald gelüftet sein. Dann hast du noch eine ganze Nacht mit Jelena.“
„Dann kann ich euch auch endlich mal vorstellen.“
„Ich wäre erfreut, deine große Schwester kennen zu lernen“, sagte ich ihr lächelnd.

Am Donnerstagnachmittag nach der Schule trafen wir uns im meinem Zimmer, was eigentlich niemanden verwunderte, hingen wir doch immer hier zusammen. Diesmal waren nur alle, die mein Zimmer betraten, schwarz gekleidet. Wir setzen uns an unsere Hausaufgaben und beobachteten nebenbei aufmerksam das Treiben am Fährausleger. Als wir sicher waren, dass die meisten unserer Mitschüler von der Insel runter waren, stahlen wir und einzeln und extrem unauffällig aus dem Gebäude. Besonders Schwester Agnes wollten wir dabei unbedingt nicht begegnen.
Später am Rande des Waldes versicherten wir uns gegenseitig, dass niemand auf uns geachtet hatte. Es war 18:30 Uhr, in fünfunddreißig Minuten würde die Sonne untergehen und im Wald wäre es dann stockdunkel. Davor wollten wir mindestens schon bis zur Spitze der Insel gelangt sein. Die ersten vierhundert Meter führte eine Fahrspur in den Wald, die nicht sonderlich häufig befahren wurde. Und obwohl wir sehr aufmerksam in jeden Winkel schauten, fanden wir wirklich kein einziges wildes Tier, außer einer Spinne, die noch nicht mal Vanessa schrecken konnte.
Am Ende des Fahrspur wurde die Insel so schmal, dass mit ihr auf der Insel nichts mehr gewachsen wäre. So befanden sich bis an die Spitze noch immer vereinzelte Bäume und auch hier fand sich, bis auf Vögel in den Bäumen, kein einziges Tier, was ein Verbot rechtfertigte.

„Ich kann mir nur vorstellen, dass es was mit Umweltschutz zu tun hat“, sagte Anna. „Wenn hier alle Schüler herumtrampen würden, wäre hier nicht mehr lange so eine Wildnis. Sieht man ja an der Südspitze.“
„Aber das hätte man doch einfach sagen können. Wir sind doch keine so dummen Menschen, dass wir nicht wissen, dass die Natur schützenswert ist. Nein, ich denke, das hat eher was mit der Strömung und der Entfernung zu tun. Wenn du hier ins Wasser fällst, dann hört dich keiner schreien.“
„Das denke ich nicht, Jac“, sagte Cloe. „Wenn du in der Nacht vom Fährausleger fällst, dann hört dich auch keiner schreien. Macht keinen Unterschied.“

Wir schauten alle nachdenklich der Sonne beim Untergehen zu. Als sie hinter den Hügeln verschwunden war, stand Anna auf.

„Ich geh zurück, hier ist es langweilig.“
„Gute Idee“, sagte ich. „Dann können wir früher Jelena anrufen. Ich bin so gespannt, wie Vanessas große Schwester ist.“

Wir standen alle auf und trabten den Weg, den wir gekommen waren, zurück. Kurz bevor wir die Fahrspur erreichten, hörten wir vor uns wieder das Geräusche, dass uns schon in der Nacht, in der wir Volleyball gespielt hatten erschreckt hatte. Nur diesmal war es viel näher.

„Was immer es ist, es versperrt uns den Weg“, sagte Cloe nun ängstlich.
„Aber es muss die ganze Zeit dagewesen sein. Auch als wir eben hergelaufen sind. Aber wo hat es sich versteckt?“
„Vielleicht ist es ein Monster, das unter der Erde lebt“, warf Vanessa ein.

Ich muss hier vielleicht dazu sagen, dass wir allesamt Kinder der Stadt waren. Die Natur kannten wir aus Parks und von hundert Meter Feld drumherum. So richtig im Wald war noch keine von uns. Jemand anderes hätte vielleicht sofort gesagt: Beutelratte, Marder oder Fuchs. Für uns war das Geräusch einfach nur unheimlich. Ich verfluchte gerade meinen Leichtsinn. Andererseits war da wieder die Frage, welches Tier konnte schon auf eine Insel schwimmen. Das war bestimmt nicht sonderlich groß oder gefährlich. Beherzt trat ich nach vorne.

„Was soll das groß sein?“, sagte ich. „Nachher, wenn wir es sehen, lachen wir uns bestimmt kaputt, dass wir so viel Angst davor hatten.“

Mutig ging ich voran und genau auf das Geräusch zu, dass mich bald auch an etwas erinnerte, aber ich wusste nicht genau was. Als wir auf den Weg hinaustraten, sahen wir es. Es starrte uns an.

„Ein gestreiftes Minischwein?“, lachte Vanessa. „Wir machen uns in die Hose wegen einem gestreiften Minischwein?“

Sie wollte darauf zugehen, aber Anna hielt sie auf.

„Wir gehen da auf keinen Fall hin“, sagte sie, und im letzten Schein der Sonne sah ich, dass ihr Gesicht ganz bleich war.
„Aber das ist doch nur ein niedliches kleines Schwein“, sagte Vanessa „Total niedlich.“
Anna lachte bitter auf: „Dann warte ab, bis du die Mama siehst. Wir sollten uns ganz langsam und vorsichtig und so weit wie möglich um das Baby herumbewegen.“
„Baby? Mama? Du weißt, was das ist?“, fragte Cloe.
„Das ist ein Wildschein“, sagte Anna und dann hörten wir ein lautes Krachen von direkt neben uns, und ein riesiges schwarzes borstiges und schlammbedecktes Monster von einem Schwein hielt genau auf uns zu. Wir standen auch genau zwischen ihm und dem kleinen Schweinchen.
„Auf keinen Fall bewegen. Vielleicht haben wir dann Glück.“
„Aber das ist nur ein Schwein“, sagte Vanessa unsicher
„Ja, zweihundert Kilo davon, mit Zähnen von bis zu zehn Zentimetern, mit denen sie wie wir alles fressen, was sich ihnen bietet“, sagte ich. „Ich habe Snatch gesehen. Da hat der Oberböse seine toten Gegner an seine Schweine verfüttert. Die fressen wirklich alles.“

Meine Stimme hat wirklich etwas gezittert und unwillkürlich rückten wir alle etwas zusammen. Das Mamaschwein kam nun ganz nah an uns heran und begann an uns zu schnuppern. Es ging an uns vorbei, aber so nah, dass sie sich quasi an uns vorbei rieb. Wir dachten schon, das Schlimmste wäre vorbei, da folgte der Rest der Familie. Weiter fünf kleine, zwei wohl weibliche große und ein riesiger Keiler brachen durch das Unterholz und tummelten sich nun in der Dämmerung auf dem Weg vor uns. Der Keiler ging mir glatt bis unter die Brust und versperrte uns nun den weiteren Weg.

„Was sollen wir tun“, flüsterte Cloe, und sofort hatte sie die ganze Aufmerksamkeit des Keilers.

Sie sagte nichts mehr, aber ich sah ihr Zittern, als ihr der Keiler nun noch näher kam. Ich nahm sie und schob sie hinter mich. Auch die anderen versuchten sich nun hinter mir zu verstecken, was der Keiler sehr sorgfältig beobachtete. Ich hatte mal irgendwo gelesen, dass Schweine sehr intelligente Tier sein sollen. Ich fragte mich, ob dieser Keiler meine Geste als das erkannte, was es war. Das ich meine Herde vor der mir unbekannten Gefahr schützen wollte.
Ich streckte meine Hand aus und ließ den Keiler an ihr riechen. Als er mich ausgiebig beschnuppert hatte, strich ihm mit der Hand vorsichtig über das Fell nach oben zum Kamm, was er sich gefallen ließ. Dann wurden wir ihm wohl zu langweilig und er kümmerte sich wieder um seinen Harem.

„Wir gehen jetzt“, sagte ich bestimmt.
„Wo lang?“, fragte Anna vorsichtig.
„Mitten durch“, sagte ich. „Habe gerade Frieden geschlossen. Wehe, einer beginnt zu laufen, bevor ich das mache.“
Als wir an den Schweinen vorbei und etwa 200 Meter entfernt waren, fragte Cloe mit noch immer zitternder Stimme: „Dürfen wir jetzt nicht langsam anfangen zu laufen?“
„Ich laufe erst, wenn ich das Kloster sehe“, sagte Anna. „Ansonsten verzichte ich doch lieber weiter auf Lärm.“

Als wir zwanzig Minuten später in meinem Zimmer waren, waren wir alle sichtlich erleichtert. Vanessa zog sich alles aus und reichte mir ihr Shirt. Das war klatschnass. Andere hätten vielleicht gelästert, aber bei keinem von uns sah es besser aus. Als wir dann alle so, wie Gott uns schuf, vor der Webcam saßen und Vanessa ihre Schwester anrief, machte die ein merkwürdiges Gesicht.

„Was wird das? Webcamsex?“
„Nein, wir hatten nur heute eine Begegnung der dritten Art auf der Insel.“

Jelena, die ihrer Schwester wirklich ziemlich ähnlich war, aber auch eindeutig weibliche Züge trug, machte ein nachdenkliches Gesicht und dann lächelte sie: „Ihr habt die Wildschweine gefunden. Respekt. Damit seit ihr die erste reine Mädchengruppe, die den verbotenen Wald untersucht hat. Ich musste damals zwei Jungs dazu überreden, die beim ersten Geräusch auch noch sofort abgehauen sind.“
„Jac hier“, Vanessa schob mich nach vorne. „Die hat den Keiler sogar gestreichelt. Jac ist meine Freundin.“
Jelena musterte mich und nickte dann: „Dann passt mal gut auf meine kleine Schwester auf. Aber ich habe das Gefühl, dass sie bei euch in guten Händen ist.“

Wir zogen uns dezent aus dem Blickwinkel der Kamera zurück und ließen die beiden so alleine miteinander reden, wie das in einem 4 qm Zimmer möglich war. Es war wirklich so, dass die beiden eine beneidenswerte Vertrautheit untereinander pflegten. So kannte ich es nur mit meiner Oma.

Comments

  • Toller Porno. Nun habe ich die Geschichte zu Ende gelesen und beim letzem Satz habe ich immer noch gehofft, daß der Schweinehirt kommt und die Mädels vergewaltigt. Zu Schluß diese Gören noch fesselt und auch den Eber noch drüber läßt.

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