Die N’Juin

Benf lag mit pochendem Herzen in seinem Bett. Das Stroh in der Matratze unter ihm piekste, aber das bemerkte er kaum.

Ein Knacken am Fenster. War sie das? Mit angehaltenem Atem lauschte er. Nein, nichts.

Seine Volljährigkeitsfeier war genauso gewesen, wie er sie sich vorgestellt hatte: Alle seine Freunde aus dem Dorf waren da. Es gab Pudding und es wurde getanzt und gesungen. Sein Vater und seine Mutter hatten nach Kräften mitgefeiert; sie hatten nach Kräften versucht, sich nicht anmerken zu lassen, wie angespannt sie waren.

Die Gäste hatten sich herzlich und lange von ihm verabschiedet – als wäre es ein Abschied für immer. Und genau das war ja auch möglich.

Danach hatten seine Mutter ihn umarmt, bis sein Vater sie sanft an der Schulter weggezogen hatte. Ihr Gesicht war tränenüberströmt gewesen.

Sein Vater hatte ihn auch umarmt und dabei mehrmals tief geschluckt.

„Es wird alles gut werden, Sohn“, hatte er gesagt. Er konnte ihm dabei nicht in die Augen sehen.

Jetzt lag er also hier allein im dunkel und wartete auf die N’Jiun.

Kurz erinnerte er sich an das, was sie in der Schule über sie erzählten: Früher, als die Menschen noch die Herren der Erde waren, kamen sie von den Sternen und…

Etwas schabte am Fenster. Benf’s Kopf ruckte zum Fenster. Eine kleine, helle Hand glitt über das Glas, drückte von außen dagegen. Langsam öffnete das Fenster sich und das Wesen kam herein.

Benf hatte schon so viele Geschichten über die N’Jiun gehört, und dennoch war er nicht auf den Anblick vorbereitet gewesen: Ein weiße, unbekleidete Frauengestalt floss lautlos von oben durch das geöffnete Fenster.

Sie erhob sich wie ein Traum, der Gestalt angenommen hatte: Schwarzes, langes Haar, das weniger aus einzelnen Haaren zu bestehen schien als vielmehr aus glatten Streifen aus glänzendem Leder. Große, schrägstehende Augen. Auch sie waren vollständig schwarz, wie Tümpel in der Nacht. Der Mund war sehr klein, mit zartgeschwungenen Lippen, zwischen denen perfekt weiße Zähne glänzten. Der nackte, unnatürlich schlanke Leib war vollkommen haarlos. Die Brüste waren klein; die Brustwarzen waren vollkommen flach, zeigten keinen Nippel im eigentlichen Sinne. Auch auf dem flachen Bauch fehlte etwas – Benf brauchte einen Moment, bis ihm klar wurde, dass sie keinen Bauchnabel hatte. Aus irgend einem Grund verstörte ihn das mehr als alles andere.

Der Schritt war gespalten wie bei einer menschlichen Frau. Anders als bei ihnen war dort jedoch nur eine glatte Spalte – auch wenn Benf (natürlich) kaum Erfahrung mit Frauen hatte, war es ihm doch oft genug gelungen, den Mädchen heimlich beim Baden zuzusehen, um zu wissen, dass es da unten eigentlich etwas komplizierter und haariger aussehen sollte.

Die Hüfte war sanft gerundet und ging in schlanke Beine über, die länger waren als bei jeder menschlichen Frau. Sie endeten in Füßen, die vorne einfach glatt zusammenwuchsen – ohne Zehen. Die Hände hingegen hatten zarte Finger.

Jetzt wurde Benf klar, dass er es wirklich mit einem Wesen zu tun hatte, das nicht von dieser Welt war.

„Parasiten“, hatte seine Lehrerin erklärt, „die darauf achten, ihre Wirtsart genetisch rein zu halten, da sie sich mit ihnen fortpflanzen.“

Parasiten, so erzählte man sich, die vor vielen Jahren auf die Erde gekommen waren. Damals waren die Menschen die Herren der Erde gewesen; sie hatten fliegende Kutschen und Häuser, die bis in den Himmel ragten.

Davon war jetzt nichts mehr übrig. Und selbst wenn, würde Benf es nie sehen; die N’Jiun töteten jeden, der den näheren Umkreis des Dorfes verließ. Die Welt gehörte ihnen und sie waren überall. Das Dorf mit ein paar hundert Einwohnern und ein paar Felder darum waren seine ganze Welt.

Die N’Jiun ging aufrecht auf Benf zu. Ihre Hüften wiegten sich bei jedem Schritt in einer fließenden Bewegung. Benf zog sich die Decke bis zum Kinn. Gegen seinen Willen war er fasziniert, als sie lautlos näher glitt. Sie legte sich neben ihn; selbst durch die Decke spürte er die Hitze ihres Leibes.

Aus der Nähe betrachtet erkannte er Muster in ihren Augen; Wolken aus Schwarz, dunklem Purpur und Rot waberten in ihnen. Er konnte kein Pupille sehen. Der Atem aus ihrem Mund war heiß und trocken, wie in der Nähe von einem Lagerfeuer.

Ihre Hände glitten zu seinem Kopf, tasteten über seine Gesichtszüge. Er erinnerte sich an die Worte seines Vaters: „Versuch niemals, eine N’Jiun zu küssen“. Sein Vater konnte nicht sagen, weswegen – es war ein feststehendes Gebot. Er würde es nicht brechen.

Die Hände der N’Jiun glitten weiter unter seine Decke, kratzten leicht über seine Brust. Wie alle Männer seines Dorfes war Benf schlank und muskulös; sie taten alles, um gesund zu sein. Es ging jedes Jahr buchstäblich um ihr Leben. Wie erstarrt lag er da, bis ihre heißen, weichen Finger sacht um sein Glied fassten. Zu seinem eigenen Schrecken richtete es sich in ihrer Hand hart auf.

Zögernd schob er die Decke beseite. Ihre wabernden Augen glitten über seinen Körper; ein sanftes Lächeln erschien auf ihrem glatten Mund, entblößte die Zähne. Sie wurden von innen durch einen rötlichen Schimmer erleuchtet, wie von ersterbender Glut.

Benf’s Atem ging tief. Erregung sammelte sich schwer in seinem Bauch, floß heiß in seinen Schwanz, den die N’Jiun inzwischen langsam und fest massierte.

Er fasste nach ihrem Körper. Sie kam ihnen entgegen, schmiegte sich in jede seiner Bewegungen. Erstaunlich feste Muskeln bewegten sich unter ihrer glatten Haut. Er fasste nach ihren weichen Brüsten und strich über die glatten Brustwarzen; die N’Jiun verfiel in ein Schnurren, das ihren Körper geräuschlos vibrieren ließ, und schob ihre Brust weiter in seine Hand. Gierig fuhr seine andere Hand zu ihrem runden Po, fühlte die festen Backen. Sie begann, ihren Schritt mit wellenförmigen Bewegungen an seinem Bein zu reiben; feucht und heiß teilte er sich auf seinem Oberschenkel.

Plötzlich rutschte sie weiter nach oben, bis sie rittlings über ihm kniete; sie hielt seinen Penis mit zwei Fingern, führte ihn an ihre Scham, deren Spalt inzwischen feucht glänzend aufklaffte, so dass Benf das Innere sehen konnte. Es war tiefrot.

Langsam senkte die N’Jiun die Hüfte; Benf verschlug es den Atem, als ihre Schamlippen sich um seine Eichel schmiegten, dann hinunterglitten und sein Glied tief in sich aufnahmen. Sie begann, ihn mit wiegenden Bewegungen zu reiten. Ihre Hände griffen seine, führten sie zu ihren Brüsten. Der Atem der N’Jiun ging schneller, als seine Finger ihre glatten Brustwarzen streichelten und rieben. Ihre Hüften zuckten auf- und ab, der Ritt wurde immer wilder, bis ihr Körper in lautlose, heftige Zuckungen verfiel. Die N’Jiun klammerte sich fest an ihn und presste ihren Kopf an seine Brust.

Verwirrt und ängstlich lag Benf da; was war mit ihr los? War das ein Zeichen dafür, dass sie ihn als unrein ansah? Würde sie ihn töten? Oder war sie krank? Sein Herz raste vor Angst, er verfiel in Panik. Sein ganzer Körper verkrampfte sich; er bemerkte, wie sein Glied in ihr erschlaffte.

Die N’Jiun hob den Kopf von seiner Brust und sah ihm in das erstarrte Gesicht. Sacht strich sie ihm mit ihren heißen Fingern über die Wange und lächelte. Es wirkte fast – Benf konnte es kaum glauben – nachsichtig?

Sie rollte sich herunter von ihm und fasste mit den Fingern nach seinem weichen Geschlecht. Sie streichelte es und rieb ihren Leib an ihm, bis es sich wieder erhob; zwar nistete nach wir die Angst in Benf’s Bauch, doch war es keine Panik mehr.

Dann erhob sie sich mit einer fließenden Bewegung, drehte sich um und ging auf die Knie, den Oberkörper auf das Bett gedrückt. Ihre runden, festen Pobacken zeigten zu Benf; darunter sahen die Lippen ihres Schritts hervor, zwischen denen das dunkle Rot leuchtete. Sie lächelte ihn über die Schulter schneeweiß an und wiegte den erhobenen Po lockend hin- und her.

Einen Moment war Benf unsicher, was er tun sollte, bis er erkannte: Wie die Schafe! Heiße Erleichterung durchflutete ihn, dass sie ihn doch nicht töten würde – zumindest noch nicht.

Er hockte sich hinter die N’Jiun und schob sein Glied in das dargebotene heiße, rote Innere. Das Gefühl war anders, intensiver; in dieser Position war sie viel enger. Sie rieb ihre Hüfte in kleinen Kreisen an ihm, presste ihren Po gegen seinen Unterleib. Stöhnend fasste er ihre prallen Pobacken, wurde schneller, bis er so fest und hart in sie stieß, dass die Hände der N’Jiun sich in die Bettdecke krallten. Benf spürte, wie sich seinem Bauch und seinem Glied ein heißes, schweres Gefühl aufbaute, das zu einem Pulsen wurde, bis er sich mit einem lauten Stöhnen heftig pumpend in sie ergoß.

Nach Luft schnappend ließ er sich nach hinten fallen. Die N’Jiun legte sich auf die Seite, sah ihn an wie ein Katze, die gerade eine ganze Schüssel voll Sahne leergeschleckt hatte. Dann schloss sie die Augen und entspannte sich.

Erschrocken bemerkte Benf, wie ihre Bauchdecke sich bewegte, als würden Muskeln darunter arbeiten; ihr restlicher Körper blieb dabei reglos. Mit klopfendem Herzen sah er zu, wie die Bewegungen schneller und stärker wurden, bis sie nach einiger Zeit – für Benf fühlte es sich an wie eine Ewigkeit – langsam abebbten.

Plötzlich schlug sie die Augen auf. Sie glitt schlangengleich auf ihn zu, ihr Kopf schoss zu seiner Stirn – und bevor er zurückzucken konnte, hauchte sie ihm einen Kuss auf die Stirn. Ihre Lippen waren so heiß, dass sich kleine Brandblasen auf ihr bildeten.

Dann wich die N’Jiun langsam wieder zurück. Kurz lächelte sie Benf an. Sein Herz, das bis eben ausgesetzt hatte, begann wieder zu schlagen. Dann huschte sie in zwei Sätzen zum Fenster und kletterte, schnell wie ein Eichhörnchen, nach oben hinaus.

Benf löste sich aus seiner Erstarrung, als die Erleichterung ihn wie ein Sturzbach durchströmte. Er hatte überlebt! Er sprang in seine Hose und rannte jubelnd zu seinen Eltern, um mit ihnen zu feiern.

Er wusste: Die N’Jiun würde jetzt ein Kind von ihm austragen – eine neue N’Jiun. Jedes Jahr würde sie oder eine andere zu ihm kommen, immer an seinem Geburtstag. Und jedes Jahr würde die N’Jiun prüfen, ob er geeignet war, der N’Jiun gesunde Nachkommen zu zeugen – und einen neuen Nachkommen in sich mitnehmen, wenn er es ist.

Eines Tages wird er zu alt sein. Oder zu krank. Aber dieser Tag war nicht heute.

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