Der Weg geht weiter

Erziehung – das Finale

„Ist sie das?“ Shabby nickte dem riesig wirkenden Mann zu, der den kleinen Raum betrat. Sein Alter war wohl um die sechzig, er hatte sehr breite Schultern und überragte mich mehr als um eine Kopflänge. Er trug einen dunklen Anzug, der wohl mehr kostete, als ich im Monat verdiene. Sein Gesicht war grob und mit tiefen Falten gezeichnet. Das hellgraue Haar zeichnete sich deutlich von seiner sonnengebräunten Haut ab. Ihn hatte ich hier bisher noch nie gesehen und stellte sehr wahrscheinlich den ganz großen Chef im Hintergrund dar.
„Bist du zufrieden?“, richtete er die Worte an Shabby, die ihren Blick ehrfurchtsvoll gesenkt hielt. „Sie ist perfekt“, war ihre Antwort auf seine Frage. „Bekleide dich bitte und dann kommt zu mir ins Büro“, wandte er sich mir zu. Schnell schlüpfte ich in meine Klamotten und folgte Shabby durch das uralte Treppenhaus in die obere Etage des Hauses. Hier war ich noch nie zuvor. Der Dielenboden knarrte bedrohlich unter meinen Schritten. Die Einschüchterung, die ich bei Shabby erkennen konnte, übertrug sich unvermittelt auf mich. „Wer ist er?“, wollte ich von Shabby wissen. „Er ist mein Herr!“, antwortete sie leise. Ich dachte bisher Shabby sei die Macherin, doch auch sie wurde geführt. Dominant und unterwürfig zu gleich.
Er bot mir etwas zu trinken an und wies mir einen Platz an einem Tisch. Shabby dufte sich auch dazu setzen. „Du bist heute hier um alles zu erfahren“, seine Blicke waren freundlich und er hatte sogar ein Lächeln auf dem Gesicht.
„Lady Shabby hat deine Ausbildung abgeschlossen und ich vertraue auf ihren Instinkt und ihr Können. Sie ist der Ansicht, dass du alle Ansprüche erfüllst, die wir benötigen.“ Meine Ohren schienen etwas taub zu werden, seine Worte hallten nur dumpf in meinem Kopf. Mich fröstelte und meine Hände zitterten. Was passiert hier mit mir? Ehrfurcht, ein wenig Angst und auch Neugierde paarten sich in mir zum einem unangenehmen Gespinst.
„Bist du bereit für einen großen und sehr wichtigen Einsatz?“, wurde ich gefragt. Einsatz? Wozu sollte ich eingesetzt werden? Ich nickte zustimmend und wurde zugleich darauf hingewiesen, dass es dann kein Zurück mehr geben würde. Wieder nickte mein Kopf zustimmend, ohne dass ich darauf Einfluss hatte.
Absolute Verschwiegenheit wurde mir abverlangt, nicht einmal meinem Mann dürfte ich mehr erzählen, als dass ich einige Zeit abkömmlich sein müsste. Niemand dürfe erfahren, was, wann und wo stattfindet. Daran halte ich mich.
Mir brannten so viele Fragen auf der Zunge, doch kein einziger Laut kam mir über die Lippen. „Wir werden im kommenden Monat für vier Tage Geschäftsleute betreuen, das Treffen unterliegt der absoluten Diskretion und der umfassenden Betreuung unserer Gäste. Du bist mit anderen Frauen für die Betreuung vorgesehen.“
Wenn mich meine Gedanken nicht trügen, war mit Betreuung wohl das „leibliche“ Wohl gemeint, das wir zu bedienen hätten. Wer ist denn WIR, also die anderen Frauen? Und aus welchem Grunde hat man mir die ganzen Dinge beigebracht, die schönen und auch weniger schönen?
Er fuhr fort: „Unsere Gäste sind sehr anspruchsvoll und haben dabei auch einige ausgefallene Wünsche und Vorstellungen. Sie sind es gewohnt, alles bei uns zu bekommen, setzen es auch voraus. Es werden Dinge sein, die wir dir hier beigebracht haben. Die Gäste setzen voraus, ihre Wünsche allumfassend erfüllt zu wissen. Bist du dabei?“
Mein Mund sagte JA, mein Hirn wusste nicht so recht, was es davon halten sollte. Alles Weitere würde mir Lady Shabby erläutern, er erhob sich und reichte mir die Hand zum Abschied.
Wenige Augenblicke später saßen wir in einem Separee im Untergeschoss. „Mistress…“, holte ich für eine Frage aus. Sie hob die Hand um mich zu stoppen, so wie sie es immer tat: „Bitte! Nur einfach Shabby.“
Sie begann von allein zu erzählen, was mich erwarten wird. Ausländische Geschäftsleute werden eintreffen, die ganz erhebliche Gelder fließen lassen sollen. Wir würden in einem Hotel residieren und das in einer abgeschlossenen Etage. Für die Anreise sei gesorgt, ich müsse mich nicht darum kümmern und eine Einkleidung für diese Tage würde auch erfolgen, auch hierfür müsse ich mir keine Gedanken machen. Manch ein Kleidungsstück wird ohnehin Schaden nehmen, wusste Shabby mitzuteilen. Eine erste Ahnung stellte sich ein. Die erwarteten Herrschaften haben eigene Vorstellungen und bedürfen einer Betreuung rund um die Uhr. Es könnte auch wenig Schlaf werden, den ich bekomme. Ich fragte nach. Es war nicht das erste geschäftliche Treffen dieser Art. Alles sei sicher, niemand bekäme einen Einblick was dort abläuft, so kann auch niemand in meinem Umfeld etwas erfahren. Was man denn von mir erwarte, wollte ich wissen. Mit allem, was man mir beigebracht hat und möglicherweise auch mehr. Mehr? An sexuellen Vorstellungen mangelt es den Gästen nicht. Sie befriedigen Lüste auch in Spielarten, die für mich unverständlich sein könnten. Ich müsse mit allem rechnen. Alle anwesenden Personen, egal zu welchem Anlass, wissen um die Frauen und deren Aufgaben. Niemand würde mich in irgendeiner Form missbilligen. Selbst das andere Personal würde durch den Veranstalter gestellt. Für unsere Sicherheit würde eine Security sorgen, die auch aus eigenen Leuten bestehend. Ein komplett hermetisch abgeschlossener Kreis. Von derartigen Treffen habe ich schon gelesen und auch Hollywood hatte es thematisiert. Ich konnte nicht glauben, dass es so etwas wirklich gibt.
Wer denn noch dabei sein würde, wollte ich wissen. Vier Frauen würden es sein. Zwei Ladys, die ich noch nicht kenne, dann ich und Shabby selbst.
Was mich noch brennender interessierte: Warum ich?
„Es gibt drei Gründe“, sprach Shabby, „Du bist eine der Besten, du bist vertrauenswürdig und uns gehen die geeigneten Frauen aus.“ Ich war irritiert. Shabby fuhr fort, dass zwar einige Damen im Kreis tätig sind, doch nur wenige darunter seien umfassend offen und fähig den Ansprüchen zu genügen. Alles Weitere würde man mir rechtzeitig mitteilen. In mir Stille.
Shabby führte mich in den Saal. Er war brechend voll mit Menschen. Alle gehörten auf verschiedene Weise zum Kreis. Ich schätzte die Anzahl vorsichtig auf dreißig, Männer wie auch Frauen. Rechts und links saßen sie an Tischen, an denen wir entlanggingen. Fast ganz vorn angekommen, erhob sich der „große Chef“ von seinem Stuhl. Sofort wurde es still um mich herum.
„Meine Damen und Herren!“, erhob er das Wort, „Ich möchte Ihnen Lady Cat vorstellen!“ Was sagte er da und wen meint er damit? Alle erhoben sich von den Plätzen, ein Beifall raunte durch den Saal.
Es fiel mir ein Schleier von den Augen. Nun erst war ich aufgenommen. Ich bin Lady Cat! Minuten später, wir saßen ebenfalls an einem Tisch, schossen mir unendlich viele Gedanken durch den Kopf. Klarheit begann, völlige Klarheit. Es ging hier nicht darum, dass man mit mir und ich selbst meine wildesten Phantasien ausleben konnte. Man hat mich zu einer Prostituierten ausgebildet, einer Edel-Prostituierten. Es erfüllte mich zwar mit Stolz, in meinem tiefsten Innern war es mein Ziel, doch war es das, was ich wirklich und was ich zukünftig auch tun wollte? Zweifel und Euphorie im ständigen Wechsel.
Mir wurden an diesem Abend die beiden anderen Betreuerinnen vorgestellt. Beide hatte ich hier noch nie gesehen. Eine blutjung, wohl gerade zwanzig Jahre alt, die andere um die dreißig. In dieser Frauenriege bin ich ein altes Ponny!
Natürlich setzte ich meinen Mann umfassend in Kenntnis, das bin ich ihm schuldig. „Wenn meine Lady Cat es wirklich möchte, ich unterstütze dich so gut ich kann“, war seine Reaktion. Er ist ein Schatz.
Ich habe mich entschieden. Ich werde es tun.

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