Frankfurt/Mein

In Frankfurt lebt man nicht einfach so,
es ist eine Lebenseinstellung.
Nicht umsonst nennt man die Stadt auch das größte Dorf der Welt.
Wenn man in den Vororten lebt, dann ist es sogar ein wenig ländlich und man bekommt den Eindruck,
fern von allem zu sein, was multikulturell sein kann oder einer Großstadt nahekommt.

Morgens um halb acht ist die Welt daher noch vollkommen in Ordnung….
wenn man sich nicht mit einem Fahrzeug auf den Straßen in oder um die Stadt befindet.
Denn um diese Uhrzeit kann man die Stadt dafür nur hassen.
Volle Straßen, und auch der ÖPNV ist mehr oder weniger an seinen Grenzen.
Wieso arbeiten auch alle hier und wieso benutzen die den gleichen Weg wie ich?!
Was die Menschen arbeiten, sieht man ihnen nicht unweigerlich an,
denn die Menschen hier sind bunt und im Licht der Morgensonne blenden viele.
Der Banker im Anzug, der nachts auf Knien rutscht und die scheinbar brave Mutter,
die hinter der Türe die Peitsche schwingt. Jeder ist anders und keiner gleich.

Da gibt es rund um die Stadt Autobahnen.
Und doch fahren immer noch so viele quer durch die City.
Tatsache ist eben, dass es nicht irgendwelche Autobahnen sind.
Da wäre das Frankfurter Kreuz und mit dem ist es wirklich ein Kreuz.
Tausende Fahrzeuge bewegen sich dort am Tag …. Hunderttausende.
Und wenn man dann in die anderen Autos hineinschaut, dann sieht man meistens nur eine Person.
Und noch viel mehr, diese eine Person tut dann so,
als würde sie das Chaos und das Stop and Go um sie herum gar nicht interessieren.
Was natürlich typisch ist für Frankfurt…
eine unangenehme oder Ungewöhnliche Situation nach außen hin als „ganz Normal“ abzutun.

Manche ersparen sich aber auch den Verkehr dort oben und verschwinden unter die Erde.
Der S-Bahntunnel unter der Stadt hindurch ist für einige Linien gedacht.
Logischerweise klappt das nur bis zu einem gewissen Punkt…
und gestört wird das System vom Feind Nr. 1 …. dem Benutzer selber.
Die Bahnen fahren in den Spitzenzeiten im 40 Sekundentakt.
Wenn bei offenen Türen auch nur einer in die Lichtschranke springt,
um noch die Bahn zu erreichen, beginnt das Prozedere beim schließen der Türen erneut.
Opps… schon sind die Verspätungen der nachfolgenden Bahnen unvermeidlich.
Aber endlich fährt die Bahn dann mal… ignoriert man sich.
Selbst wenn man ein Lächeln schenkt, heißt das nicht, das man auch eins zurückbekommt.
Aber das kann ich ja verstehen … es ist ja noch früh.
Es gab mal Zeiten hier, da sollte alles unter die Erde.
Wobei man natürlich erst mal über eine andere Möglichkeit nachgedacht hatte …
eine Alwegbahn zum Beispiel.
Buh.. wäre das schrecklich. Naja… jedenfalls hat man Schienen und alles was „oben“ war entfernt,
um es dann in den 90er wieder neu zu bauen.
Völlig verrück… und das hatte den Nebeneffekt, dass immer weniger Platz für Autos war.
Und in den letzten Jahren sind dann noch die Fahrradwege hinzugekommen.
Die sehen wirklich toll aus und führen in jede Richtung in jeder Ecke …
doch die verdammten Radfahrer benutzen sie einfach nicht… es ist zum k.o.t.z.e.n.

Aber egal… fahren wir doch mal U-Bahn, denn dort ist das alles viel ruhiger …
und das merkt man auch den Menschen an.
Da schminken sich die Sekretärinnen noch in der Bahn oder ziehen ihre Strapse noch zurecht,
während Kinder ihre Hausaufgaben abschreiben und die Männer die Zeitung lesen…
natürlich den Sportteil.
Aber egal ob man nun mit der S- oder U-Bahn fährt, dem Bus oder der Straßenbahn,
kaum einer beachtet den anderen und doch nimmt man sich auf eine ganz eigene Art und weiße wahr.
Nur der Babo, unser beliebtester Fahrer von Straßenbahnen, den sieht jeder und grüßt ihn….
und er grüßt einfach alle, weil er ein Original ist.
Die Busse fahren inzwischen auf eigenen Spuren oder teilen sich das Feld mit den Straßenbahnen.
Doch ein Pkw?! Es ist fast wie eine Hexenjagd.
Aber eigentlich ist das auch nicht so schlimm, denn die Stadt ist nicht so groß, wie es scheint.
In zwanzig Minuten ist man von der einen Seite zur anderen gefahren.
Von links nach rechts oder von Nord nach West.
Es dauert immer zwanzig Minuten. Es sei,… man fährt morgens um halb acht.
Ich bin in der Stadt täglich unterwegs. Nehme Abkürzungen und habe Sonderrechte,
doch wenn sich bei mir alles entschleunigt, dann ist das wie eine Vollbremsung …
manchmal täte das der Stadt allgemein wirklich gut.

Würde an der Hauptwache heute Mittag ein Ufo landen,
dann würden Frankfurter einfach daran vorbeigehen und sich nur darüber aufregen,
das der dort einfach so parkt.
Einige wären leicht verwundert und sie schauen auch mal,
doch gehen sie einfach weiter.
Hysterisch werden oder lauthals das weite suchen, das wäre dann sicherlich kein Frankfurter.

Hatte ich eben geschrieben, dass die Stadt nicht wirklich groß ist?
Naja, dann erwähne ich mal die Hochhäuser.
Das Erste wurde in den 20er gebaut und ist heute eher etwas,
das man belächelt oder auch gar nicht mehr wahrnimmt.
Es versteckt sich auch fast unbekannt zwischen anderen Gebäuden.
Aber in die Höhe sind doch einige geschossen.
Und man baut immer und immer weiter.
Man will keine Utopischen höhen erreichen…
nein der Commerzbanktower wird wohl ein Einzelstück bleiben….
wobei man nun wieder mit dem schon in den 80ern erwähnten Millennium-Tower liebäugelt
und diesen auch bauen wird.
Das Bauen dieser Hochhäuser ist ein Thema für sich.
Man liebt es oder man hasst es. Tatsache ist aber,
dass es logistische Meisterleistungen sind. Beim Bau ist nämlich kein Platz, um etwas zu lagern.
Und bei einer Baustelle wie der „Four“ in Frankfurt sieht man nicht mal, das gebaut wird,
weil sich alles unter einer gigantischen Bodenplatte abspielt derzeit.
Bald aber werden vier Türme auf dieser wachsen und wieder viel Schatten spenden.

Nochmal zurück in den Stau….
wenn man schon im Auto sitzt, dann hört man ja auch Musik.
Oder Nachrichten. Oder beides.
Im Vergleich zu anderen haben wir nicht viele Radiosender… was sie aber alle gemeinsam haben…
sie berichten immer wieder und gerne von der Diva am Main… der Eintracht.
Wenn die Eintracht gewinnt, ist auch jeder ein Fan von ihr.
Doch wenn sie verliert… naja, dann auch.
Man ist der Diva treu. Es heißt: Einmal ein Adler, immer ein Adler.
Egal wo die Eintracht steht, es könnte schlimmer sein… man stelle sich vor,
man wäre OFC Fan oder einer von den Bayern…. nein, das geht hier gar nicht.
Und weil die Männer nicht den Erfolg bringen, den man gerne sehen würde…
naja… hat man eben die erfolgreichste Frauenfußballmannschaft.
Da muss ich noch schnell anmerken, dass ich kein Fußball mag, warum schreibe ich also davon?!
Weil wir Fußball auch Feiern können, ohne das er uns gehört.
Weltmeister feiern bei uns in der Stadt.
Der Römerberg ist ihr Ziel… ganz demokratisch eben so wie nebenan in der Paulskirche geschrieben steht.

Aber ich muss ja ganz schön Goethe sein, wenn ich nur vom Fußball schreiben würde.
Und… ja, ich bin Goethe. Jeder hier ist das.
Dennoch muss ich ja gestehen, dass ich hier nicht geboren bin.
Aber da ich mit weniger als drei Lebensjahren die Stadt kam…. praktisch also zugezogen bin,…
gilt das nach so vielen Jahren als eingebürgert.
Und das können wir ganz gut… das mit dem Einbürgern. Weltoffener ist keiner.
Und wir haben nicht nur schon mal das Wort… Multikulturell gehört, nein, wir leben es in der Stadt auch.
Über 180 Nationen leben in der Town und man kann Dutzende Sprachen hören.
Aber… dennoch kann man sich gegenseitig ignorieren.
Ich erinnre da an das Ufo an der Hauptwache.

Niemand hier ist etwas besonderes und doch ist jeder für sich speziell.
Gut, überall sind die Menschen „Speziell“
Hier trinkt man Ebbelwoi (Apfelwein) und isst Grüne Soße…
was man nicht wirklich mögen muss.
Frankfurter haben einen Heiligen… der heilige Heinz. (Heinz Schenk).
Aber eigentlich war der gar kein Frankfurter.
Vielleicht ist deshalb auch keine Brücke nach ihm benannt.
Wir haben viele Helden… jeder ist hier einer, nicht nur die mit Martinshorn.
Nebenbei, bemerkt die Berufsfeuerwehr in der Stadt ist unbestritten eine der besten überhaupt.
Modern und innovativ.

Bei uns werden Nachts in Clubs und Lokalen nicht nur
Rosen angeboten … auch Brezeln.
Party rund um die Uhr … und die endet an der Tankstelle.
Keine stört sich dran, wenn man im Bankenviertel mit
Jogginghose rumläuft… in kaum einer Stadt schaut man
so oft nach oben und wo sonst gibt es außer hier so viele Superlativen?!
Keiner isst beim Goldenen „M“, aber es sollen inzwischen 30 Filialen im Stadtgebiet sein…
von der kleinsten bis zur größten Europas die nicht mal Türen hat um abzusperren.
Kulinarisch ist die Welt hier zuhause … und die Welt ist unser Gast.
Selbst Dinos haben wir, wenn auch nur im Museum… und auch davor… sowas muss schon sein.
Du magst Kino?!
Wir machen Filme und haben ein Museum dafür… nicht nur dafür.
Wir haben Museen für alles.
Die Zeil… Umsatzstark und doch ohne Überheblichkeiten.
Nur wer wirklich Reich ist, für den hat man „mehr“ …
Frankfurter sind Weltoffen… sie dulden sogar Biertrinker.
Und wir regen uns nicht über einen Bahnhof auf, der für teures Geld umgebaut wird.
Frankfurt21 machen wir irgendwann mal ganz nebenbei. …
wir haben keine Philharmonie … wir haben die beste Oper Deutschlands.
Habe ich den Flughafen vergessen?
Ja.. das Tor zur Welt und die Welt kommt hier an.
Muss ich erwähnen, dass unser Flughafen funktioniert?!
Uns kann man nicht übersehen … wir sind zu arrogant.

Wir haben jetzt über 700.000 Einwohner… Nachts.
1.200.000 sind wir, wenn alle auf der Arbeit sind… ja, das ist die Sache mit dem Stau gewesen.
Unsere Hochhäuser sind aber nicht nur Glaskästen,
nein, wir gehen auch in manchen eine Symbiose ein.
Ist doch eins mit 110 Meter so schön wie ein Apfelweinglas…
ja, so sieht es wirklich aus.
Aber wir haben nicht nur Hochhäuser… wir haben eine Skyline.
Wer hat die noch in Deutschland?! Bitte mal melden?!
Nein an uns kommt keiner so leicht vorbei… und wer auf der
A5 nur an uns vorbei fährt, der schaut auch mal rüber
und denkt sich seinen Teil.
Ob gut oder schlecht… wir sind da.
Die Römer waren mal hier… Spuren haben sie hinterlassen.
Dann den Kaiserdom… ja.
Oder die Paulskirche. Kennste nich?!
„Wiege der Demokratie“ usw.
Festhalle… die sollte man mal besucht haben.
Eine tolle Akustik bei Konzerten… das dachten auch schon die größten Stars der Welt.
Ach ja, das ist direkt an der Messe.
Ich muss ja jetzt nicht erwähnen, das die größten und wichtigsten Messen dort stattfinden.
Gebaut wird hier ja immer… keiner kennt die Skyline ohne Baukran.
Arbeiter haben hier immer Arbeit…
und sogar die Altstadt hat man wieder aufgebaut.
Müssen die Reich sein … ja, sind wir… wir machen Millionäre,
denn bei uns werden die Lottozahlen gezogen.
Hier rollt der Rubel wirklich… wir haben die Börse.
Früher war hier auch jede Bank vertreten.
Heute geht vieles auch online, da braucht man keine Hardware.
Die EZB hat hier eine Burg gebaut … reden wir nicht drüber, denn das ist wirklich eine Burg.
Nur das kein Wasser im Wassergraben ist.

Viele glauben wo so viel Beton und Glas ist,
da kann kein Grün sein… der Stadtwald ist einer der größten
stadteigenen Grünflächen, die es gibt und oft rauben die vielen Bäume
einen sogar den Sauerstoff.
Und das Wasser im Main ist so sauber, das sich sogar die Ratten hinein trauen.

Nennen wir es mal beim Namen. Manches ist natürlich auch Scheiße.
Man findet keine Parklätze und in den Parkhäusern ist es echt teuer seinen Wagen zu parken.
Es soll ja alles so kriminell sein, … was natürlich nur die behaupten, die keine Ahnung haben.
Und ins Bahnhofsviertel traut sich sowieso niemand, aber jeder kennt es scheinbar sehr gut.
Nur Dealer und Huren?!
Gar nicht wahr… selbst das ist liebenswert und wenn ich in Heels zum Bahnhof laufe,
dann macht mich deswegen keiner blöd an.
Der, der die Stadt nicht mag… wird nun noch mehr finden.
Doch muss man sie kennen, um sie beurteilen zu können.
Urteile nicht über Frankfurt…. die Stadt tut es ja auch nicht mit Dir.

Ich liebe dich, du Frankfurt … du bist meine Heimat.
Du bist wie ein kleines Kind für mich, das man beschützen will und aufwachsen sieht.
Meine Güte … du veränderst dich so schnell.
Und wenn man im Winter am Ufer steht, dann weht der Wind hier nicht so kalt,
weil man im Herzen warm…
Seit einigen Jahren nun fahre ich nur noch beruflich mit dem Auto.
Und wenn ich dann auch mal in einem Stau stehe, dann weiß ich,
dass die Stadt nie meinen Lieblingssong für mich spielen würde…
sie will meine ganze Aufmerksamkeit nur für sich.
Und seit einer ganzen Weile … nur, wenn man Zeit in Jahren misst.
Arbeite ich in dieser Stadt für diese Stadt und rette sie, wo immer ich kann.
Bin wach, wenn andere schlafen. Rase leise durch die Straßen, wo Hilfe nötig und manchmal zu spät.

Und um noch mal zur Eintracht zu kommen:
Ein ehemaliger Trainer hier sagte mal: „Lebbe geht weiter“

In diesem Sinne…Danke.

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