Das Leben des Damianos Episode 49

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Episode 49
Die Nacht endete für mein Empfinden viel zu früh und als ich meine Augen öffnete lag ich alleine im Raum und so erhob und kultivierte ich mich. Nach anlegen meines Lendenschurzes begab ich mich steten Fußes zum Morgenmahl und fand dort bereits alle am Essen. Mein Erscheinen wurde bemerkt und so bekam ich wie schon fast als tägliches Ritual die üblichen Worte gesagt.
„Preiset die Götter, der Auserwählte hat sich erhoben nun können die Schlachten beginnen.“
Ich ließ das tägliche Ritual über mich ergehen, verdrehte für die anderen so dachte ich ungesehen die Augen und nahm meinen Platz am Tisch ein wurde sogleich mit einem sanften Kuss meines Geliebten entlohnt.
„Guten Morgen Damianos hast du gut geruht? Ich wollte dich nicht wecken du lagst so friedlich da und so brachte ich es nicht übers Herz dich zu wecken.“
Noch ehe ich auch nur zu einer Antwort ansetzen konnte, war es Jorgos der nahezu täglich die Sticheleien anführte und seine Worte in den Raum warf, mit ziemlich erheiterter Stimme.
„Ohhhh hat unser Auserwählter Held der Götter also friedlich geschlafen, schickt sofort einen Boten an unsere Gegner, die Schlacht muss warten bis er erwacht.“
Wenn ich Jorgos nicht mittlerweile gut kennen würde hatte ich denken können seine Worte entsprechen der Wahrheit und so wollte ich ihm etwas entgegnen doch nun war es Nikos der mir zuvor kam.
„Jorgos, es reicht wie oft solle ich dir noch sagen du sollst Damianos nicht bereits in der Morgenstunde nerven. Du kannst dich wahrlich glücklich schätzen das er die Geduld der Götter besitzt, ansonsten hätte er dich vermutlich schon lange vor die Türe gesetzt, wie ich es an seiner Stelle getan hätte.“
Kaum das er mit seinen Worten geendet hatte lehnte sich Nikos demonstrativ auf seinem Stuhl zurück und verschränkte seine Hände vor der Brust. Der angesprochene reagierte so wie ich es von ihm bereits kannte, er verzog sein Gesicht drehte die Augen einmal im Kreis und kümmerte sich danach wieder um das essen welches noch vor ihm stand.
„Nikos ich danke für diese wunderbare Idee, denn wahrlich seid Jorgos wieder genesen ist wird er recht übermutig in der Wahl seiner Worte. Ich werde deinen Vorschlag überdenken und ihn vielleicht einige Tage vor meiner Türe schlafen lassen bis meine Garde eintrifft.“
Ich behielt Jorgos während meiner Worte immer in meinen Augenwinkeln im Blick und amüsierte mich innerlich über die weiten aufgerissenen Augen und kam nicht umhin dann laut aufzulachen als er sich verschluckte und sein essen zurück auf seinen Platz beförderte begleitet von heftigem Husten.
„Was ist los Jorgos, nun sag mir nicht das du nicht einstecken kannst so wie du austeilst.“
Besagter verzog wieder seinen Mund reckte mir seine Zunge entgegen und schaufelte kurz danach wieder essen in selbigen. Es entwickelte sich danach eine interessante Konversation in der ich erfuhr dass die beiden Auszubildenden heute mit ihren jeweiligen Abteilungen einen Waffenlauf absolvieren sollten und danach würden wieder Schlachtformationen geübt werden. Alles in allem machte mir dies keine Sorgen, denn solch Tage hatte auch ich mit den neuen meiner Tagma bereits absolviert und so schien es mir lief wieder alles in geordneten Bahnen. Meinen nach langem ersonnenen Plan würde ich jedoch nicht verwerfen, außerdem waren Iantha und Patroklos bereits in Kenntnis gesetzt und so gab es kein Zurück mehr. Nikos und Nikolaos beendeten ihr Mahl und gingen sich ankleiden verabschiedeten sich noch von uns und so blieben Jorgos, Aigidios und ich alleine am Tisch sitzen.
„Aigidios mein lieber du wirst uns heute nicht antreffen wenn du vom Grammatikos zurückkehrst, mach was dir beliebt.“
„Dies trifft sich gut Damianos denn ich wollte mit anderen Jungs die ich vom Grammatikos kenne das Gymnasion aufsuchen.“
„Tu dies mein Sohn, doch bedenke immer du trägst nun einen ehrbaren Namen.“
Kaum das ich es ausgesprochen hatte hätte ich mich auf die Zunge beißen können, ich hatte ihn wirklich meinen Sohn genannt doch viel schlimmer empfand ich die ermahnenden Worte welche ich nur allzu oft von meinem Vater gehört hatte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Aigidios mir keinen Grund gegeben welche diese Worte auch nur im Ansatz gerechtfertigt hätten. Zu allem Überfluss betrat genau in jenem Moment meine Mutter den Raum und fing als sie gesagtes hörte herzhaft zu lachen an.
„Ganz wie dein Vater Damianos, doch bedenke diese Worte haben auch bei dir niemals gewirkt weshalb sollten sie dies bei deinem Sohn. Nicht nur einmal wurden wir vor den Rat zitiert weil unser ehrbarer Sohn wieder einmal gegen jegliche Vorschriften verstieß und dies wider besseren Wissens. Wenn du willst erzähle ich Aigidios gerne mal einige der Geschichten aus deinen glorreichen jugendhaften Tage.“
Ich machte eine abwehrende Handbewegung was meine Mutter nochmals lachen ließ bevor sie auch sofort wieder aus dem Raum verschwand. Wie aufs Stichwort fiel nun Aigidios in die für mich peinliche Situation ein.
„Auch wenn ich nicht vorhabe dir Probleme zu bereiten Damianos würde ich gerne den Geschichten deiner Mutter lauschen, ich denke ich werde da mal in aller Ruhe mit ihr sprechen.“
„Untersteh dich Aigidios.“
Ich griff an seinen Kopf und fuhr mit meiner Hand wild durch seine Haare um ihm zu zeigen das meine letzten Worte nicht allzu ernst gemeint waren.“
Kurz danach verabschiedete sich auch Aigidios um seinen Studien beim Grammatikos nachzugehen. Ich weihte kaum das wir alleine waren Jorgos in meine Pläne ein da ich wusste das er mich heute begleiten würde.
„Nun komm Jorgos spute dich ich muss noch in den Verwaltungsbezirk ich muss zum Rat der Archonten.“
Besagter erhob sich und ging in seinen Raum um sich seine Rüstung anzulegen und auch ich begab mich zum ankleiden und wählte einen Chiton welcher die Farben und Insignien meiner Familie trug. Einige Minuten musste ich auf Jorgos warten denn er hatte die volle Rüstung angelegt inklusive seines Helmes und dem typischen rotem Umhang der Spartaner.
„Weshalb Jorgos bist du in kompletter Rüstung erwartest du einen Angriff auf mein Leben?“
„Nein, natürlich nicht Damianos doch ich durfte nun solange nicht meine Rüstung anlegen deshalb ist es mir ein Anliegen sie als Ganzes zu tragen so wie es sich gehört. Des Weiteren wenn dein Plan so funktioniert wie du dies planst wirst du heute deine volle Autorität als Auserwählter brauchen und ich denke 2 Gardisten aus Sparta werden dies ein wenig unterstreichen.“
„Nun gut ich denke du hast recht Jorgos ich werde jegliche Unterstützung brauchen und zwei schwer bewaffnete Spartaner werden keine Zweifel an meiner Autorität zulassen.“
„Damianos eines noch ich kenne dich mittlerweile sehr gut und deshalb wenn du gestattest will ich eine Bitte an dich richten.“
„Sprich Jorgos, bisher hast du mein Einverständnis nie benötigt, was also ist dein Begehr?“
„Du erzähltest mir mit welcher Geringschätzung dich dieser lokhagos behandelte, deshalb bitte ich dich was im Feldlager auch geschieht halte dich aus allem was da kommen mag raus und mische dich nicht ein. Ich kann selbst nicht sagen was geschieht doch werde ich handeln so wie es einem Gardisten des Auserwählten der Götter obliegt, dein Wohl und dein Schutz ist unser oberstes Anliegen“
„Nun gut Jorgos ich habe zwar keine Ahnung was geschehen wird doch hast du mein Wort das ich alles schweigend erdulden werde und nun lass uns gehen wir haben noch viel zu tun.“
Gemeinsam mit Jorgos trat ich vor die Türe und die beiden Spartaner die vor der Türe standen nahmen Haltung an und schlugen ihre Dory gegen die Sc***de als Begrüßung.
„Ihr beide werdet heute mit dem Auserwählten und mir gehen das Heim muss vorerst nicht bewacht werden der Schutz von Damianos Passadakis, dem Favoriten der Götter hat heute oberste Priorität.“
Die beiden Spartiaten senkten kurz ihr Haupt um ihr Verständnis zu bekunden und folgten dann 2 Schritte hinter Jorgos und mir auf unserem Weg durch die Gassen Athens in Richtung des Verwaltungsbezirks. Wir erreichten dann alsbald das Gebäude in welchem der Rat der Archonten seinen Sitz hatte und schritten schnellen Fußes durch das Portal. Rasch meldete uns einer der Mitarbeiter der Archonten an uns wir mussten nur kurz warten ehe wir zum Rat vorgelassen wurden. Ehe wir durch das innere Portal traten kam ein Gardist der Archonten auf uns mit schnellem Schritt zu welcher aufgrund seines Kopfschmuckes am Helm der Gardehauptmann sein musste.
„Eure Garde muss vor den Räumen der Archonten warten ehrenwerter Passadakis innerhalb der Räume des Rates sind keinerlei Waffen gestattet. Ich bürge mit meinem Leben für eure Sicherheit euch droht hier keine Gefahr.“
Ich bestätigte das gesagte mit einem nicken und deutete den Spartanern zu warten doch hatte ich meine Schritte ohne Jorgos geplant der sich sofort an den Gardisten der Archonten wandte.
„Euer Bürgen für die Sicherheit meines Herrn ehrt euch Athener doch werde ich nicht von der Seite meines Herrn weichen, jedoch verstehe ich die hier geltenden Regeln und werde mich daran halten und mein Dory meinen Brüdern übergeben und nicht von seiner Seite weichen.“
Leicht überrascht wegen der Diplomatie welche Jorgos gerade an den Tag gelegt hatte blickte ich zum Gardisten welcher sich nun an ihn wandte.
„Wie ihr wünscht Spartaner, ich danke euch das ihr uns, unsere Sitten und Regeln ehrt in dem ihr euer Dory ablegt. Euch steht es frei euren Herrn zu begleiten wenn ihr dies unbewaffnet tut doch ich kann euch nur nochmals sagen eurem Herrn droht keine Gefahr.“
Wie zur Bestätigung des gehörten zog Jorgos sein Dory und übergab es an die anderen Spartaner welche sich nun zu beiden Seiten des Portals postierten ihre Dory zogen und auf ihren Sc***den vor ihrer Brust ablegten. Der Gardist der Archonten geleitete uns mit einer Handbewegung in das Innere des Raumes in welchem der Rat der Archonten die Bürger anhörte. Wir hielten wenige Schritte von den Stühlen der Archonten an und verbeugten uns alle vor ihnen.
„Ihr ehrt uns mit eurer Gegenwart ehrenwerter Passadakis, was ist euer Begehr an die Archonten und weshalb begleitet euch euer Gardist in voller Kampfesrüstung?“
Ehe ich auch nur ansatzweise meine Worte an den Rat richten konnte ging Jorgos neben mir auf die Knie legte seinen Helm vor sich auf den Boden und blickte in Richtung des Rates und deutete ihnen sprechen zu wollen. Der vorsitzende Archon Antoniou deutete mit einer Handbewegung Jorgos welcher sich sofort erhob und seinen Helm unter seinen Arm klemmte.
„Ehrenwerte Archonten Athens, es ist nicht das ich um das Leben meines Herrn fürchte, er ist hier sicher doch erbitte ich darum nicht von seiner Seite zu weichen den wie ihr bereits unterrichtet wurdet ist er wichtig für unsere beiden Städte. Selbst mein Herr weiß nichts von dem was ich euch nun offenbaren werde und ich kann meinen Herrn nur um Vergebung bitten, dies was ihr nun erfahrt vor ihm verheimlicht zu haben.
Auch mir wurde in Delphi eine Weissagung zuteil deren Inhalt bisher nur die Götter und ich selbst kennen.“
Verwundert blickte ich zwischen den Archonten und Jorgos hin und her und deutete nachdem ich mich gefasst hatte, Jorgos zu sprechen und war gespannt was er bislang vor mir verheimlicht hatte.
„Die Prophezeiung welche ich erhielt erfuhr ich durch die Pythia die große Ehre vor den Rat der Götter zu stehen wurde mir nicht gewährt wie es bei meinem Herrn war. Die Pythia sagte mir folgendes und dies tat sie mit allem Nachdruck.
Es wird deine Aufgabe sein Jorgos von Sparta den Auserwählten viermal das Leben zu schenken welches er ohne dein Zutun verliert. Weiche nicht von seiner Seite auch wenn er dies von dir verlangt oder es von dir erwartet wird, so wollen es die Götter. Einmal bereits schenktest du ihm das Leben als du unwissentlich und ohne dass er es merkte, dich in das Schwert warfst welches für ihn bestimmt war. Dein Leben wird lang und erfüllt sein solange du die für dich vorgesehene Aufgabe erfüllst, zur Belohnung sei dir gewiss wird der mächtige Ares dich, wenn deine Zeit gekommen ist in seine Streitmacht mit Freude aufnehmen und du kannst bis ans Ende der Zeiten zu seinen Ehren Schlachten schlagen.
Ihr seht ehrenwerte Archonten es ist der Wunsch der Götter das ich meinen Herrn begleite um immer und überall an seiner Seite zu sein. Mir ist bewusst das er selbst in der Lage ist sich zu schützen doch wer bin ich den Willen der Götter in Frage zu stellen.“
Jorgos endete mit seinen Worten und senkte nochmals sein Haupt vor den Archonten welche nun leise miteinander sprachen. Ich beugte mich leicht nach vor und blickte nun in die starren Augen von ihm die einen Punkt in der Ferne fixiert hatten.
„Weshalb hast du mir dies bisher verschwiegen, Nun ist mir auch bewusst weshalb du gegen jegliche Vernunft Delphi mit uns in Richtung Athen verlassen hast. Sprich Jorgos hast du kein Vertrauen zu mir da du es vorgezogen hast zu schweigen?“
„Ich durfte es dir nicht sagen Damianos, dies war eine der Schwierigkeiten die sich in der Prophezeiung verbargen. Es war mir erst jetzt gestattet zu sprechen selbst Nikos weiß von alledem nichts, die Pythia sagte ich werde merken wann der Zeitpunkt gekommen ist mein Schweigen zu brechen. Verzeih mir Damianos.“
„Es gibt nichts zu verzeihen Jorgos du hast gehandelt wie die Götter es wollten und dies tatest du ohne Rücksicht auf dein eigenes Leben. Nun da ich es weiß danke ich dir dafür das du mein Leben bereits einmal beschützt hast, doch nun genug lass uns später in aller Ruhe sprechen.“
Ich drehte mich nach vorne zu den Archonten und konnte sehen das sie sich alle erhoben hatten und augenscheinlich gewartet hatten bis unser Gespräch geendet hatte.
„Jorgos von Sparta, wir der Rat der Archonten von Athen verstehen nun weshalb du nicht von der Seite des Bürgers Passadakis weichen möchtest und befürworten dein Ansinnen. Uns ist die Prophezeiung bestens bekannt die mit ihm einhergeht, deshalb verstehen wir weshalb ihr tut was ihr tut. Das Wohl und Leben des Auserwählten ist auch uns wie ihr verstehen werdet von großer Wichtigkeit deshalb nehmt unseren Dank für den Schutz seines Lebens entgegen. Ihr Jorgos von Sparta seid in diesen Hallen immer willkommen, wann immer es euch beliebt. Hierzu sei vermerkt das Jorgos von Sparta ab sofort als einziger neben unseren Gardisten auch in diesem Raum hier sein Dory führen darf.“
Jorgos nickte kniete wieder nieder legte seinen Helm wieder ab nahm sein Hoplon vom Rücken legte es vor sich auf den Boden so wie ich es damals in Sparta getan hatte.
„Mögen mein Hoplon und mein Dory von den Göttern gesegnet sein um Athen vor dem Fall zu schützen so wie es die Prophezeiung sagt. Wann immer ihr eines der beiden benötigt zögert nicht darum zu bitten ehrenwerte Archonten.“
Jorgos verharrte kniend und Archon Antoniou kam die wenigen Schritte auf uns zu ging ebenfalls auf die Knie hob den Hoplon an und hielt ihn Jorgos hin welcher ihn ergriff.
„Nehmt euer Hoplon edler Krieger Spartas, schärft eure Klinge und nutzt beides um den Auserwählten zu schützen, koste es was es wolle. Erhebt euch Jorgos von Sparta ihr sollt nicht knien vor diesem Rat, wir sind es die euch Respekt zollen müssen denn ihr handelt im Auftrag der Götter.“
Jorgos erhob sich befestigte sein Hoplon wieder auf seinem Rücken und nahm sein Dory welches der Hauptmann der Archonten Garde geholt hatte entgegen und versorgte es an seiner Flanke.
„Nun da dies geklärt ist sprecht Damianos Passadakis was ist euer Begehr welches euch heute zu uns führt.“
Nun war es an mir zu sprechen und meinem Plan entweder scheitern zu lassen oder ihn in die richtigen Bahnen zu lenken.
„Geehrte Archonten, ich Damianos Passadakis Bürger Athens mit allen Rechten und Pflichten bin heute vor euch getreten um Schmach und Schande von Athens Heer abzuwenden.“
„Sprich weiter, lass uns hören was du vorzubringen hast.“
„Es gibt Gerüchte in den Tagma und unter dem Volk das es zu Schändungen und Züchtigungen in einigen unserer Tagma gibt. Sei es nun wahr oder nicht, diesen Gerüchten muss nachgegangen werden.“
„Sprich weiter Damianos.“
„Im Moment bildet die Tagma des ehrenwerten Patroklos Galanis unsere neuesten Rekruten aus und ich erblickte mit eigenen Augen oder besser gesagt ich hörte mit welch rauem unangebrachtem Ton manch altgedienter Soldat mit ihnen spricht.“
„Tagmatarches Galanis trat gestern bereits vor diesen Rat und berichtete uns über diese Gerüchte, sprich Damianos du bist nicht hier um uns dies auch mitzuteilen wir kennen einander zu gut als das ihr uns etwas vormachen könnt. Wie gedenkt ihr die Sache zu klären?“
„Hoher Rat, mit eurem Einverständnis würde ich gerne einige Nachforschungen mit dem Giatrós meiner eigenen Tagma machen. Es kamen mir durch sehr vertrauenswürdige Personen Gerüchte über Züchtigungen die sich vor kurzem ereigneten zu Ohren und denen würde ich gerne nachgehen. Mit dem Giatrós an meiner Seite und eurem Einverständnis könnte ich eine allgemeine Untersuchung der Gesundheit unserer neuen Soldaten vornehmen.“
Die Archonten wandten sich von mir ab und besprachen einiges miteinander dass ich nicht verstehen konnte und so blieb mir nur zu warten bis sie ihr Wort an mich richteten. Ich kann nicht genau sagen wie lange sie miteinander sprachen doch mir kam es wie eine halbe Ewigkeit vor bevor sie sich wieder mir zuwandten.
„Damianos Passadakis, was ihr uns berichtet habt wurde uns so ebenfalls durch Tagmatarches Galanis berichtet, deswegen haben wir uns entschieden eurem Ansuchen wohlwollend zuzustimmen. Nehmt euren Giatrós und führt die Untersuchung der Gesundheit der neuen Soldaten unserer Stadt vor, jedoch sollt ihr alle Soldaten der Tagma untersuchen einschließlich ihres Tagmatarches. Bevor ihr geht wartet vor unserem Raum wir geben euch zur Untermauerung der Rechtmäßigkeit eures Angehens eine von uns unterfertigte Schriftrolle mit die euch in unserem Namen handeln lässt. Wir wünschen von euch nach Beendigung dieser Untersuchung eine Information ob sich die vorgetragenen Verdachtsfälle bestätigt haben und werden danach entscheiden welch Handlung wir dagegen setzen wollen. Wir erwarten euch euren Begleiter sowie Tagmatarches Galanis hier vor uns zu sehen um gemeinschaftlich zu beraten. Mögen die Götter es geben das es nur Gerede ist doch wenn ihr wahr sprecht muss gehandelt werden und dies werden wir tun. Ihr könnt nun gehen Damianos Passadakis und eure Vorbereitungen treffen, wenn ihr dies nicht bereits getan habt.“
Wir verließen den Raum nachdem wir uns nochmals verbeugt hatten und warteten wie aufgetragen vor der Kammer bis uns ein Mitarbeiter der Archonten die gesiegelte Schriftrolle überreichte. Nun da wir den Verwaltungsbezirk verließen machte ich mich mit meinen Begleitern auf zu Ianthas Haus um ihn darüber in Kenntnis zu setzen das mein ihm bereits in der Schriftrolle erklärter Plan funktionieren würde und er nun mit mir gemeinsam handeln müsste.
Jorgos ging schweigend die ganze Zeit neben mir her, wann auch immer meinen Blick in seine Richtung wandte blickte er zu Boden oder starrte in die Ferne. Den beiden Spartanern hinter mir gab ich ein Zeichen und so ließen sie sich ein wenig weiter zurückfallen so das ich ungestört mit ihm sprechen konnte.
„Was ist los Jorgos, seit wir die Archonten verlassen haben bist du schweigsam und wagst es nicht mehr mich anzublicken.“
„Damianos, es betrübt mich dir etwas verschwiegen zu haben obgleich du zu mir immer gut und sorgsam warst.“
„Jorgos das hat nichts Unrechtes getan, es war dir durch die Götter verboten mit mir oder anderen darüber zu sprechen. Ich wäre von dir enttäuscht wenn du dieses Verbot gebrochen hättest und mit jemanden außer der Pythia darüber gesprochen hättest. Nun da wir beide unsere Prophezeiungen kennen werden wir handeln wie wir beide es für richtig erachten deshalb werde ich eine Nachricht an König Pleistarchos senden und ihn bitten dich mir als ständigen Gardisten zu überlassen. Ich werde ihm alles erklären und so bin ich mir sicher er wird es verstehen und mir diesen Wunsch gewähren, so können wir beide die uns von den Göttern gestellte Aufgabe erfüllen.“
„Ich danke dir Damianos doch es ist nicht nur dies das mein Herz betrübt, ich denke du kennst bereits meine andere Sorge die mich betrübt.“
„Du sprichst von Nikos, habe ich Recht?“
„Ja Damianos, wenn deine Garde eintrifft wird er die ihm zugedachte Aufgabe als Gardist von Telemachos tun und ich werde von ihm getrennt leben müssen und dies betrübt mein Herz.“
„Weiß er überhaupt was du für ihn empfindest Jorgos?“
Jorgos schüttelte verneinend den Kopf und sprach dann resignierend.
„Ich weiß doch nicht ob er überhaupt so empfinden kann wie ich Damianos und es macht mir, ja es macht mir Angst es ihm zu sagen da er sich sonst vielleicht völlig von mir abwendet.“
Nun war es an mir zu lächeln den in dieser rohen manchmal sehr unbedachten Brust schlug das Herz ein aufrecht liebenden und sein Stolz ließ ihn schweigen.
„Jorgos nun höre mir zu ich weiß mit Sicherheit das Nikos der Liebe zu einem Mann nicht abgeneigt ist, doch musst du ihm sagen was du empfindest denn von sich aus wird er dir dies niemals sagen. Du bist ein guter Mann Jorgos und ich bin mir sicher das dies auch Nikos weiß deshalb bitte ich dich sprich mit ihm über dein Empfinden für ihn. Ich werde eine Lösung finden für das Problem eurer Trennung voneinander in diesem Punkt musst du mir Vertrauen.“
„Ich werde über deine Worte nachdenken Damianos, ich danke dir doch muss ich entscheiden ob und wann der Zeitpunkt eintritt um mich gegenüber Nikos zu offenbaren.“
Während unseres Gesprächs hatten wir das Heim von Iantha erreicht und so ließ ich uns durch einen Hausdiener anmelden und wurden sehr schnell durch den Hausherrn begrüßt. Nun da ich Iantha über meinen Besuch und dem Auftrag der Archonten berichtet hatte teilte er mir mit das er bereits damit gerechnet hätte und alles vorbereitet hat, auch Helfer hatte er besorgt die bereits auf Abruf standen um ihre Aufgabe zu erfüllen. Kaum das er zu Ende gesprochen hatte drängte ich ihn aufzubrechen da ich die Aufgabe rasch hinter mich bringen wollte denn ich erwartete, wenn auch nicht von Patroklos, doch von seinen Offizieren Gegenwehr und dies würde uns Zeit kosten. Iantha entsandte seinen Hausdiener um die Helfer zu informieren sich unverzüglich vor den Toren der Stadt im Feldlager einzufinden, bevor wir sein Heim in Richtung der Stadttore zu verlassen.
Wir durchschritten das Stadttor und fanden uns beim Feldlager ein stießen dort jedoch lediglich auf eine beunruhigende Leere und Stille. Zielstrebig begab ich mich mit meinen Begleitern in Richtung des Zeltes in welchem sich Patroklos zur meisten Zeit aufhielt und wurde durch seine Garde gestoppt. Noch ehe ich sprechen konnte war es Jorgos der das Wort ergriff und sich an die Gardisten wandte.
„Mein Herr Damianos Passadakis, im Auftrag des Rates der Archonten hier wünscht euren Tagmatarches zu sprechen. Geht und unterrichtet euren Herrn über unser eintreffen.“
Eine schnelle Kopfbewegung zeigte uns dass er verstanden hatte und sofort verschwand er im Zelteingang um Patroklos von unserer Ankunft zu berichten. Der Zelteingang wurde kurz danach zur Seite geschlagen und der Hoplit trat, dicht gefolgt von Patroklos, vor das Zelt und begrüßte uns freundlich.
„Welchem Umstand verdanke ich euren Besuch Damianos und was hat es mit dem Auftrag der Archonten auf sich?“
„Es freut auch mich dich wieder zu sehen Patroklos, ich bin hier im Auftrag des Rates der Archonten um euch und alle eurer Tagma einer Untersuchung der Gesundheit zu unterziehen. Der Rat möchte all seine Soldaten bei bester Gesundheit wissen deshalb hat er mich entsandt um bei euch und eurer Tagma zu beginnen da eure Tagma derzeit die einzige ist die unter Waffen steht. Der Giatrós hier welcher auf den Namen Iantha hört wird mit seinen Helfern die Untersuchung durchführen.“
„Ich begrüße die Weisheit und die Voraussicht des Rates obgleich ihr im Moment einen ungünstigen Zeitpunkt erwischt habt alle Abteilungen befinden sich derzeit auf einem Waffenlauf sollten aber alsbald zurückkehren. Wenn der Giatrós es wünscht kann er bei mir und meiner Garde gerne beginnen seine Untersuchungen vorzunehmen. Tretet ein wehrte Herren doch eure Garde soll vor meinem Zelt warten, wenn die Truppen kommen werden wir es hören und auch informiert werden.“
Jorgos wies die beiden Spartaner an vor dem Zelt zu warten und betrat dann das Zelt in welches wir bereits vorgegangen waren. Ich überreichte Patroklos die gesiegelte Schriftrolle des Rates welche er öffnete und las.
„Nun da diese Schriftrolle die Richtigkeit eurer Worte bestätigt, stehen meine Garde, ich und nach ihrer Rückkehr meine Männer unter eurem Befehl.“
Iantha ergriff das Wort und erteilte den umstehenden Aufträge und so begann Patroklos sich zu entkleiden. Um für alle die nötige Würde und den Respekt nicht zu untergraben verließ ich mit Jorgos das Zelt. Wir nahmen auf einer Bank die unweit stand Platz und ich blickte immer wieder in den Himmel um abzuschätzen welch Tageszeit bereits war. Es blieb Jorgos meine innerliche Unruhe nicht verborgen weshalb er sich an mich wandte.
„Es geht den beiden gut Damianos, es ist nur ein Waffenlauf mach dir keine Sorgen auch wenn du dies nicht wahrhaben möchtest dein Nikolaos versteht es auf sich selbst aufzupassen und zu Not ist da ein Spartaner bei ihm und glaube mir Nikos wacht über ihn da er weiß wie wichtig dir dein Nikolaos ist.“
„Ich weiß Jorgos auch ist es nicht nur dies das mich beunruhigt, ich möchte dies hier so schnell als möglich abschließen denn ich weiß aus tiefster innerer Überzeugung das einer wenn nicht mehr lokhagos uns Probleme bereiten werden.“
„Mach dir deshalb keine Sorgen und vergiss nicht was du mir heute versprochen hast. Egal was auch passieren mag du sprichst nicht du reagierst nicht, denke daran du stehst über ihn.“
„Ich will es versuchen Jorgos doch versprich mir nichts Unüberlegtes zu tun.“
Jorgos nickte zum Einverständnis und saß dann wieder schweigend neben mir bis Patroklos seine Garde und Iantha vor das Zelt traten.
„Alles in Ordnung edler Passadakis, der Tagmatarches und seine Garde sind bei bester Gesundheit, wenn alle seiner Tagma so sind können wir dem Rat voller Stolz berichten in welch guter Verfassung ihre Soldaten sein.“
Gerade als ich zu einer Antwort ansetzen wollte wurden wir durch laute Geräusche hinter uns unterbrochen.
„Ahhh die Tagma kehrt vom Waffenlauf zurück dies trifft sich dann können der Giatrós und seine Helfer sofort beginnen mit ihrem Werk.“
Patroklos sandte seine beiden Gardisten aus den jeweiligen lokhagos zu sagen sich unverzüglich bei ihm einzufinden während die Soldaten mit ihrer Pflege beginnen sollten. Eilig entschwanden sie um ihren Auftrag zu erfüllen und so blieben wir alleine mit Patroklos zurück.
Ich atmete schwer aus bevor ich mich an Patroklos wandte.
„Nun wird es gleich interessant beziehungsweise ich befürchte zumindest bei einem Probleme Patroklos.“
„Mir ist bewusst wenn du meinst mein Freund und ich hoffe das er sich unser Gespräch welches ich mit ihm führte zu Herzen genommen hat. Doch keine Sorge dies hier ist durch den Rat besiegelt deshalb kann und werde ich sofort einschreiten wenn dies der Fall sein sollte.“
Ich nickte ihm zu, obgleich ich wusste das es gleich unruhig werden würde und so warteten wir auf das Eintreffen der lokhagos. Lange mussten wir nicht warten bevor in unser Blickfeld fünf abgeschwitzte Läufer kamen immer noch mit Sc***d und Speer bewaffnet. Jorgos deutete den Spartanern ihren Platz einzunehmen und so wurde ich sofort von meinen beiden Gardisten flankiert, er selbst stand leicht nach hinten versetzt. Die fünf Läufer bauten sich vor uns auf und unter ihnen befand sich ebenfalls der lokhagos welcher so rüde mit mir gesprochen hatte. Patroklos trat vor und erklärte seinen Offizieren unsere Anwesenheit und unseren Auftrag welcher wie erwartet auf Unmut traf doch nahm der Großteil der Offiziere es schweigend hin.

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