Unser Coming Out

[Gesamt:0    Durchschnitt: 0/5]

Dieses Mal kommt kein Sex vor. Aber ich werde immer gefragt, wie Familie und Freunde reagiert haben, als sie von unseren Plänen erfuhren. Die möchte ich auch den Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten.

Das erste, was ich nach unserer Verlobungsnacht wahrgenommen habe, war Silvias Busen im Rücken, ihre Hand an meiner Brust und ein zärtlich gehauchtes “Guten Morgen Liebling.”

War es also doch kein Traum gewesen, sondern wunderbare Wirklichkeit. Ich war verlobt und lag in den Armen meiner zukünftigen Ehefrau.

Nachdem wir geduscht und uns angezogen hatten, fuhren wir mit dem Lift nach unten und gingen ins Restaurant um zu frühstücken. Dort beratschlagten wir, wie wir es nun zunächst einmal unseren Eltern beibringen könnten und redeten uns die Köpfe heiß, wie sie wohl reagieren würden. Keine 24 Stunden vorher hatten wir noch gealbert und uns die Reaktionen ausgemalt. Jetzt war Ernst daraus geworden. Irgendwann war es so weit, das zögern machte keinen Sinn.

Wir fuhren wieder hoch auf unser Zimmer, ich nahm mein Handy und wählte die Nummer meiner Eltern. Damit Silvia mithören konnte, schaltete ich den Lautsprecher ein.

Beim ersten tuten stellte ich automatisch die Stacheln auf. Ich rechnete damit, dass sie mich nicht ernst nahmen, und wenn ich ihnen verklickert hatte, dass es mir durchaus ernst damit war, dass sie sauer reagierten und uns verspotteten. Ich war aber volljährig und konnte tun und lassen, was ich wollte. Vor einem Jahr war ich ausgezogen. Mein Gehalt als Reisebürokauffrau war zwar nicht üppig, aber ich konnte mir eine kleine Mietwohnung leisten.

Nicht dass ich Stress mit meinen Eltern hatte. Ich wollte einfach auf eigenen Beinen stehen und nicht weiter im &#034Hotel Mama&#034 wohnen.

“Na Christiane, was gibt´s?”, hörte ich Mamas Stimme aus dem Lautsprecher. Das ich es war, hatte sie wohl schon an der Telefonnummer lesen können.

“Och nichts besonderes”, begann ich stammelnd und suchte nach Worten. “Nur dass ich Silvia in 27 Tagen heiraten werden.” So jetzt war es heraus.

“Sag das noch mal!”, rief Mama ins Telefon.

“Ich heirate Silvia in 27 Tagen”, wiederholte ich meinen ersten Satz noch einmal. “Sie ist meine große Liebe.”, hauchte ich noch hinterher. Was dann kam, riss sowohl Silvia als auch mich von den Socken.

“Na endlich!”, kam es enthusiastisch aus dem Lautsprecher. “Ich dachte schon, ihr kommt nie mehr zusammen. Pap´s!”, hörten wir meine Mutter rufen, “ich hatte doch recht. Du bekommst keinen Schwiegersohn, sondern eine Schwiegertochter.”

Ein rumpeln war zu hören. Papa war wohl vom Küchentisch aufgesprungen und hatte dabei den Stuhl umgerissen, auf dem er gesessen war. “Ist es Silvia?”, hörten wir ihn fragen. Mama sagte “Ja.” Papa darauf “Gib mir bitte mal das Telefon.” Wir hörten Schritte und dann Pap´s Stimme. “Christiane? Ist das wahr? Ist es Silvia? Unsere Silvia?”

“Wenn ihr damit meine ehemals beste Freundin und seit gestern Verlobte meint, ja dann ist es Eure Silvia.”, erwiderte ich strahlend.

“Gib sie mir bitte mal.”

“Sie hört mit.”

“Silvia ich hätte keinem Menschen unsere Tochter so gegönnt, wie ich sie Dir gönne. Herzlich willkommen in unserer Familie.”

“Danke, aber zu Eurer Familie gehöre ich doch schon lange. Genauso wie Christiane in unsere Familie gehört. Was glaubt Ihr, wie reagieren Papi und Mutti?”

“Ich denke nicht, dass sie Dich gleich enterben werden”, zeigte sich Papa zuversichtlich. “Deine Mama macht das schon”, war auch meine Mutter überzeugt.

Es war in der Tat so. Für Bernd, meinen Schwiegervater war eine gleichgeschlechtliche Liebe anfangs nur schwer zu verdauen. Er wollte Silvia auf eine längere Auslandsreise schicken und ihr damit die Flausen austreiben. Aus den Augen aus dem Sinn, war seine Meinung. Bis ihn Karin, meine Schwiegermutter daran erinnert hat, dass seine Eltern das gleiche versucht haben, weil Karin in ihren Augen nicht standesgemäß war.

Bernd war damals der Aufforderung nachgekommen, aber im gleichen Flieger saß Karin und in Las Vegas wurde am nächsten Tag geheiratet. Bernds Eltern bekamen lediglich noch den Vollzug gemeldet. Inzwischen war Karin ein Rückgrat und eine Stütze des beachtlichen Unternehmens geworden und die Eltern waren froh, so eine Schwiegertochter zu haben.

Auch mein Schwiegervater und ich waren schnell wieder ein Herz und eine Seele wie vor unserem Coming Out. Er sah ja, wie gut unsere Liebe seiner Tochter tat. Die Auslandsreise, zu der er seine Tochter verdonnern wollte, wurde zu unserer Hochzeitsreise.

Was unseren Freundes- und Bekanntenkreis angeht, die erhielten meist per MMS ein Knutschfoto mit Unterschrift: Als Verlobte grüßen Christiane und Silvia.

Von “Ihr seid verrückt!” bis zu “und wann ist Hochzeit?” war alles dabei. “Wobei die Frage nach der Hochzeit nicht ernst gemeint war, wie die mitgesandten Smilies uns zeigten. Meistens war es der Smilie, der sich kugelte vor lachen. Wir gaben darauf hin unseren Hochzeitstermin bekannt mit dem schriftlichen Zusatz “OHNE SMILIE.”

Das war die Geschichte von unserem Coming Out. Leider gibt es keine Rubrik für harmlose Geschichten. Da ich aber mindestens eine Kategorie auswählen musste, bin ich bei der ursprünglichen Kategorie geblieben. Lesben-Sex.

Ich möchte mich bei allen entschuldigen, die hinter dieser Kategorie ein pikantes Detail aus unserem Liebesleben erfahren wollten, und nun enttäuscht sind.

Die nächste Geschichte beinhaltet wieder mehr Erotik. Versprochen.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published. Required fields are marked *