Späte Erleuchtung – Im Bermuda – Dreieck

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1. Im Bermuda- Dreieck

So langsam wurde ich immer mutiger; zum ersten Mal verschlug es mich in eine Szene- Kneipe. Ich wollte endlich „echte“ Schwule kennen lernen. Eigentlich hatte ich zunächst kein festes Ziel – nur raus aus der Bude, bevor mir die Decke auf den Kopf fällt…. ich ging los – am Bahnhof vorbei und in die Gegend, wo angeblich die ganzen Schwulen-Kneipen sein sollten. Zunächst erkannte ich von außen nichts, das darauf hindeutete; nur an einer Kneipe hing über dem Eingang fast unscheinbar eine kleine Regenbogen-Fahne. Nachdem ich bestimmt 10 Minuten damit verbracht hatte, vor dem Lokal hin- und herzulaufen, fasste ich mir ein Herz und ging hinein. So schlimm wird’s schon nicht werden! Es war Nachmittag – für eine Tasse Kaffee oder ne Cola wird’s wohl gehen! Drinnen sah ich einen spärlich besuchten Raum, recht dunkel und urig eingerichtet – 2 Männer saßen an der Theke, ein älteres (ganz offensichtlich schwules) Pärchen Händchen haltend auf einer Sitzbank am Ende des Raumes, zwei noch recht junge Typen, fast noch Kinder, die irgendwie hier nicht so recht reinpassten, liefen herum. Ein Schwarzer kam von der Toilette zurück; er bewegte sich, als hätte man ihm gerade etwas in den Allerwertesten geschoben. Auf einer Leiter stand ein junger Kerl, etwa Anfang oder Mitte 20, und fummelte an einem in der Ecke hängenden Fernseher herum, auf dem ein Musik-Video lief. Scheinbar gehörte er zum Personal. Der Typ hinter der Theke spülte Gläser.
Als ich den Raum betrat, schauten sich alle – bis auf das ältere Pärchen, das wohl zu sehr mit sich selbst beschäftigt war- zu mir um: Aha, ein neues Gesicht; ich war unter ständiger Beobachtung und Begutachtung, so kam es mir vor. Es war ein mulmiges Gefühl. An der Theke angekommen, bestellte ich –weil ich keine Kaffeemaschine entdecken konnte- eine Cola. Unruhig schaute ich mich um – überall verstohlene Blicke in meine Richtung. Auch die beiden Jungs hatten nun scheinbar Interesse an mir gefunden. Ich sah dem Typ auf der Leiter zu, wie er versuchte, die Position des Fernsehers zu verändern. Dies wurde ihm aber nun dadurch erschwert, dass der Kellner, der mir die Cola hingestellt hatte, sich zu ihm gesellte, ihm in den Schritt griff und den Reißverschluss seiner Jeans öffnete. Was wird das denn??
Doch schnell wurde ich abgelenkt, denn einer der Jungs stellte sich neben mich und sprach mich an. Ein hübscher, schlanker Boy von höchstens 18 Jahren.„Hallo! Bist Du zum ersten Mal hier? Ich habe Dich bisher noch nicht hier gesehen!“´ Ich ließ mich auf ein Gespräch mit ihm ein – irgendwie war der „Bengel“ mir sympathisch. Gern lud ich ihn auf seine Bitte hin auf eine Cola ein; er erzählte mir, dass er eigentlich in Holland bei seinem Onkel wohnt, dieser dort eine alte Burg oder so was geerbt hätte und er nun für zwei Wochen mit seinem Onkel wieder hier in Deutschland sei, weil der Notar hier seinen Sitz habe und sein Onkel auch geschäftlich hier zu tun hätte. Junge, was für eine Story tischst Du mir denn da auf? Wir unterhielten uns noch ein wenig, ohne dass er wirklich sagte, was er von mir will – den wahren Hintergrund erfuhr ich erst eine Woche später, als ich mit einem Freund, von dem ich vorher auch nicht wusste, dass er schwul ist, auf ein Bierchen in ein anderes Szene- Lokal ging. Mit ihm sprach ich über mein „erstes Mal“ in einer Gay-Kneipe – und er begann zu lachen. Fragend schaute ich ihn an. „Na“, sagte er, „da hast Du Dir ja direkt den richtigen Laden ausgesucht! Das ist eine Stricher-Kneipe!“ Ooops! Na toll!

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